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EBS Universität und Siemens Advanta entwickeln neues Weiterbildungsprogramm im Fachgebiet „Digitale Transformation“

17. August 2020 | Von: Inga Olze, Specialist Marketing & Sales
Grundlagen Digitale Transformation - Interview Prof. Dr. Fuchs

Im Oktober 2020 startet in der EBS Executive School das erste akademische Zertifikatsprogramm zum Thema „Digitale Transformation“. Prof. Dr. Fuchs erörtert als wissenschaftlicher Leiter des Programms, warum hier etwas ganz Besonderes entstanden ist.

Welche Bedeutung hat „Digitale Transformation“ in unserer heutigen Lebens- und Arbeitsumgebung? Warum ist es aus Ihrer Erfahrung heraus wichtig, sich mit diesen Themen zu beschäftigen?

Im originären Sinn versteht man unter Digitalisierung die Umwandlung analoger Formate in digitale. Heute wird der Begriff „Digitale Transformation“ meist im Sinne der Veränderung von Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik genannt. Die Digitalisierung ist eigentlich kein Thema des 21. Jahrhunderts, sondern ein unaufhaltbarer Wandel, der prinzipiell 1947 mit der Erfindung des Transistors seinen industriellen Ursprung hatte. Heute sind viele Dinge für uns selbstverständlich, die vor 20-30 Jahren noch unvorstellbar waren. Wer Anfang der 90er Jahre unterwegs war und einer anderen Person dringend etwas mitteilen musste, war gezwungen nach einer Telefonzelle zu suchen. Die jungen Generationen wissen heutzutage oft nicht einmal mehr, was eine Telefonzelle ist. Heute sind wir durch Mobiltelefone zu jeder Zeit und an jedem Ort erreichbar. Mit Diensten, wie z.B. WhatsApp, lassen sich Sprache, Fotos, Videos und andere Informationen ganz selbstverständlich miteinander in Echtzeit teilen. Oder ein anders Beispiel, an das sich sicherlich noch viele erinnern: Wer sich in den 90er Jahren mit dem Auto auf Reisen begab, musste sich erst einmal Kartenmaterial besorgen und seine Reiseroute sorgfältig planen. Ohne Beifahrer mit der Karte auf dem Schoß durch Großstädte zu navigieren, war damals immer der pure Stress. Heute geben wir unser Ziel einfach ins Navigationsgerät ein und das Gerät führt uns auf der schnellsten Route, vorbei an Staus, zu unserem Ziel. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie die Digitalisierung in einem Zeitraum von 20-30 Jahren unser Leben komplett verändert hat. Der digitale Wandel ist eine zentrale Aufgabe für unsere Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Digitalisierung bietet sehr große Potenziale, allerdings damit auch verbunden neue Herausforderungen und Risiken. Nur wer sich mit diesem Wandel aktiv beschäftigt, oder ihn sogar gestaltet, wird sich in der Zukunft zurechtfinden.

Gesellschaft und Technologie wandeln sich derzeit so schnell wie nie zuvor. Welche Folgen ergeben sich daraus für Unternehmen?

Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Die Disruption – ein Phänomen, welches die Ablösung bestehender Geschäftsmodelle und Technologien durch innovative Neuerungen beschreibt – ist eine der zentralen Herausforderungen für Unternehmen in allen Branchen. Schnellere Innovationszyklen, getrieben durch die Digitalisierung, drastische Preissenkungen und politische Unsicherheiten verändern die Märkte von morgen. Die neue Schnelllebigkeit stellt Unternehmen zunehmend vor Herausforderungen. Die Kunden von heute sind nicht mehr automatisch auch die Kunden von morgen. Neue Wettbewerber aus anderen Industrien oder vorgelagerten Wirtschaftsstufen tauchen unerwartet auf. Klare Ursache-Wirkungszusammenhänge sind schwer zu bestimmen, während die Zahl der Einflussparameter stetig zunimmt. Unternehmen müssen daher jederzeit in verschiedenste Richtungen denken und entsprechende Szenarien durchspielen. Die Planung für die Zukunft und langfristige Strategien sind zunehmend schwieriger zu steuern. In der Industrie werden nur die Unternehmen überleben und erfolgreich sein, die sich am besten an diese Veränderungen anpassen können. Die Größe eines Unternehmens schützt dabei nicht vor der Disruption. Neue Player des digitalen Zeitalters können aus einer Garagenfirma irgendwo auf der Welt entstehen. Sie werden viele der zukünftigen Innovationen und Disruptionen treiben. Berühmte Beispiele dazu sind Apple, Google oder Amazon. Die Liste spricht für sich selbst und lässt sich beliebig weiterführen.

Der Fachbereich „Digitale Transformation“ an der EBS Executive School wird in enger Partnerschaft mit Siemens Advanta aufgebaut. Können Sie einen Ausblick darauf geben, welche besonderen Einblicke die Teilnehmer erwarten?

Siemens Advanta ist eine strategische Geschäftseinheit von Siemens, die es Unternehmen ermöglicht, die digitale Zukunft zu erschließen, indem sie sie auf ihrer individuellen Digitalisierungsreise von Anfang bis Ende begleitet. Mit unserem Programmangebot lernen die Teilnehmer unmittelbar an der Schnittstelle von wissenschaftlicher Forschung und Unternehmenspraxis. Bei der Gestaltung war es uns ein besonderes Anliegen, das Thema „Digitalisierung“ nicht nur aus der technologischen Brille zu betrachten, sondern das große Ganze der Digitalisierung zu vermitteln. Die Teilnehmer werden von erfahrenen Experten Einblicke aus der Praxis erhalten, die hoch relevante Innovations-, Organisations- und Arbeitsprinzipien der Digitalisierung in Zusammenhang bringen.

Im Kern des Curriculums des neuen Zertifikatsprogramms „Grundlagen Digitale Transformation“ geht es darum, Verständnis für die zentralen Treiber der Digitalen Transformation und deren Auswirkungen auf Unternehmen und individuelle Arbeitsgestaltung aufzubauen. Wo sehen Sie hier den größten Nutzen für die Programmteilnehmer?

In unserem universitären Zertifikatsprogramm lernen die Teilnehmer, wie sie sich den Entwicklungen erfolgreich anpassen und diese im nächsten Schritt sogar mitgestalten können. Innovationsmanagement und die Produktgestaltung in der digitalen Welt spielen hier eine zentrale Rolle. Wir bringen den Teilnehmern näher, worauf sie dabei achten müssen und wie sie sich durch den richtigen Umgang mit Daten einen Vorteil schaffen können. Ich sehe den größten Nutzen für die Teilnehmer darin, dass sie von Experten Erfahrungen, Einblicke und Lessons Learned aus der realen Praxis eines High Tech Unternehmens bekommen, welche man sonst nirgendwo nachlesen kann. Durch die Einbettung in das Weiterbildungskonzept der EBS Universität erleben die Teilnehmer eine einzigartige Kombination von neuesten Erkenntnissen aus Forschung, Lehre und Unternehmenspraxis.

Können Sie uns aus Ihrer Praxiserfahrung heraus aufzeigen, in welchen Unternehmensbereichen Digitalisierung entscheidend sein wird für Erfolg?

Digitalisierung wird in allen Bereichen eines Unternehmens entscheidend für den Erfolg sein: bei den Themen Innovation, Business-Modelle, digitale Prozesse, sowie in der digitalen Arbeitswelt. Covid-19 hat eben dies speziell mit Blick auf eine digitale Arbeitswelt gezeigt. Von einem Tag auf den anderen mussten die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Prozesse, Workshops, Kundenmeetings mussten digital funktionieren. Was sich zuvor niemand vorstellen konnte, oder wo es vorher immer große Bedenken und Diskussionen gab, funktionierte auf einmal. Die EBS Universität hat ihr Lehrprogramm erfolgreich in den virtuellen Raum transferiert und startet in das neue Semester mit einem ausgeklügelten Hybrid-Lehrsystem. Bei Siemens konnte mit einer innovativen, Cloud-basierten IT-Infrastruktur das digitale Arbeiten schnellstmöglich realisiert werden. Die IT-Abteilungen der Unternehmen haben hier Großartiges geleistet. Siemens hat mit dieser neuen Arbeitsweise derart gute Erfahrungen gemacht, dass das mobile Arbeiten, dort wo es sinnvoll machbar ist, zur neuen Normalität etabliert werden soll. Dieses zukunftsweisende Arbeitsmodell setzt auf einen ergebnisorientierten Führungsstil und auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter anstatt auf Präsenz im Büro. Um als Unternehmen Erfolg zu haben, ist es wichtig zu verstehen, dass es bei der Digitalisierung eben nicht ausschließlich um den Erwerb neuster Technologien geht. Die digitale Transformation muss in allen Unternehmensbereichen ankommen und gelebt werden.

Welche Erkenntnisse nehmen Teilnehmer mit in ihre Unternehmen?

Für das Weiterbildungskonzept der EBS Universität ist der Transfer in die Unternehmenspraxis ein essenzieller Faktor. Bei uns lernen die Teilnehmer in kleinen Gruppen Techniken und Tools kennen, die sie in ihren ganz individuellen beruflichen Situationen unterstützen. Wir arbeiten miteinander an Fallstudien und Living Cases aus unserer und der Praxis der Teilnehmer – sowohl remote und als auch in Präsenzvorlesungen auf dem Universitätscampus im Rheingau und bei Siemens Advanta in München. So stellen wir gemeinsam sicher, dass die Studierenden und ihre Arbeitgeber maximal vom Weiterbildungsprogramm an der EBS Universität profitieren.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird die EBS Universität das Thema „Digitale Transformation“ in der beruflichen Weiterbildung ausbauen?

Das Zertifikatsprogramm „Grundlagen Digitale Transformation“ ist ein idealer Einstieg, um gegenwärtige Technologietrends und -entwicklungen zu verstehen. Für Menschen, die ihre Karriere auf diesem Gebiet planen oder ausbauen wollen, kreieren wir derzeit den berufsbegleitenden Studiengang „Master in Business mit Spezialisierung Digitale Transformation“. Wer das Zertifikatsprogramm „Grundlagen Digitale Transformation“ erfolgreich abgeschlossen hat, bekommt dieses bereits mit 6 ECTS auf den Master angerechnet.

Was fasziniert Sie persönlich am meisten an den jüngsten Entwicklungen im Bereich digitale Transformation?

Die Digitalisierung bietet uns großartige Möglichkeiten. Wir müssen neue Technologien aber auch kritisch hinterfragen und uns verantwortungsbewusst mit ihnen auseinandersetzen. „Big Brother is watching you“ – mich fasziniert es, dass Georg Orwells Roman „1984“ aus dem Jahr 1949 an Aktualität nicht verloren hat. Was ich damit meine, ist, dass wir großartige Möglichkeiten in der Digitalisierung haben, dass wir uns aber auch kritisch und verantwortungsbewusst mit den Technologien in Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auseinandersetzen müssen.


An der Schnittstelle zwischen erfolgreichem Unternehmen und universitärer Forschung verbindet Prof. Dr. Christoph Fuchs zwei Welten. Als Honorarprofessor für Lifecycle Management an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht und Senior Principal bei Siemens Advanta arbeitet der Experte für Produktmanagement und -innovationen im Spannungsfeld digitaler Transformation und pendelt dafür zwischen München und dem EBS Campus im Rheingau.

Das universitäre Zertifikatsprogramm „Grundlagen Digitale Transformation“ startet online am 30. Oktober 2020. Vom 2.-3. November 2020 treffen sich die Teilnehmenden zur ersten Präsenzphase im Rheingau.

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