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Start-up: Clutch

16. September 2020 | Von: Melanie Thomas, Digital Marketing Manager
EBS Alumnus Nicholas Hinrichsen und Chris Coleman, Geschäftsführer des US-amerikanischen Unternehmens Clutch

EBS Alumnus Nicholas Hinrichsen (links) und Chris Coleman, Geschäftsführer des US-amerikanischen Unternehmens Clutch


In dieser Reihe präsentieren wir Start-ups, die unsere EBS Alumni gegründet haben. EBS Absolvent Nicholas Hinrichsen ist Mitgründer des US-amerikanischen Unternehmens Clutch. Seine spannende Geschichte teilt er in diesem Interview mit uns!

Nicholas, du hast dein Studium an der EBS Universität im Jahr 2007 abgeschlossen. Könntest du uns bitte mehr über dich und deine Karriere erzählen?

Gerne! Ich habe in der deutschen Golf-Nationalmannschaft gespielt, bevor ich mich für ein Informatik- und Wirtschaftsstudium an der EBS entschieden habe. Obwohl ich während meiner Studienzeit weiterhin Golf spielte, konzentrierte ich mich viel mehr auf den akademischen Bereich und meine Auslandssemester. 2005 ging ich für sechs Monate nach Chile, und gleich nachdem ich Chile verlassen hatte, bin ich um die halbe Welt geflogen, um weitere sechs Monate in Sydney zu verbringen.

Nach meinem Abschluss im Jahr 2007 war ich mir wirklich nicht sicher, was ich tun wollte. Anstatt einen Job anzunehmen, habe ich zwei weitere Praktika absolviert. Zuerst habe ich drei Monate in München bei Bain & Company gearbeitet. Dann zog ich nach Frankfurt, um bei Merrill Lynch im Bereich M&A zu arbeiten. Offen gesagt waren beide Erfahrungen nicht das, wonach ich gesucht habe, und so kam ich schließlich bei einem Start-up-Unternehmen für erneuerbare Energien unter, das in Biomasse-, Solar- und Windprojekte in China und Indien investierte.

Ein Sprung auf das Jahr 2011: Ich bin in die Bay Area gezogen, um an der Business School in Stanford zu studieren. Ich wollte Tech aus erster Hand erleben und dachte, dass ein MBA eine gute Möglichkeit ist, einen Fuß in diese Tür zu bekommen. Nach meinem Abschluss im Jahr 2013 habe ich ein Unternehmen namens Carlypso mitbegründet. 2014 sind wir den Start-up Accelerator YCombinator durchlaufen, bis 2015 wurde insgesamt 10 Millionen Dollar an Risikofinanzierung aufgebracht und schließlich wurde das Unternehmen 2017 an carvana.com verkauft. Wir sind Carvana vor dem Börsengang beigetreten, gingen mit einer Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar an die Börse und sind jetzt mehr als 35 Milliarden Dollar wert, was Carvana zum wertvollsten Gebrauchtwagenhändler in den USA macht.

Mein Mitbegründer Chris und ich blieben drei Jahre bei Carvana und verließen das Unternehmen im Juni 2020, um eine digitale Plattform zur Refinanzierung von Autokrediten zu gründen. Das Ziel unseres neuen Unternehmens ist es, Amerikanern mit schlechter Bonität zu helfen. Wir freuen uns sehr, unseren Teil zur Bekämpfung der Einkommensungleichheit beizutragen!


Wie ist die Idee für Clutch entstanden?

Ich habe auf die harte Weise gelernt, dass Start-up-Ideen nicht über Nacht oder unter der Dusche entstehen. Man bekommt Ideen aus den Erkenntnissen, die im Gespräch mit Kunden gewonnen werden: Der beste Weg, ein Unternehmen zu gründen, ist, einfach etwas zu beginnen und zu aus seinen Erfahrungen zu lernen.

Mit unserem neuen Unternehmen Clutch haben wir – während wir Autos verkauften – zwei entscheidende Erkenntnisse für unser neues Unternehmen Clutch gewonnen:

  1. 80 % der Amerikaner, die ihre Autos finanzieren, schließen einen Kredit mit dem Händler ab. Leute schauen nach Autos, nicht nach dem passenden Kredit.
  2. 68 % der Amerikaner haben eine suboptimale bzw. schlechte Bonität. Die Kreditzinsen für ihr Auto können bis zu 29 % betragen, was total verrückt ist. Wenn sie jedoch ihre Zahlungen leisten, haben sie einen Anspruch auf einen niedrigeren Satz.

So haben wir im Laufe von sieben Jahren gelernt, dass die Menschen ihre Autokredite massiv überbezahlen und durch die Refinanzierung Tausende von Dollar sparen können: Im Moment ist der Markt für Autokredite ineffizient und die Raten total unübersichtlich.


Könntest du uns bitte das Konzept hinter Clutch erläutern?

Der Traum aller Amerikaner ist es, ein Haus zu besitzen! Es ist wirklich der Lebenstraum der meisten Amerikaner. 50 % aller finanzierten Hypothekenanträge sind jedoch Refinanzierungen! Das heißt, jede zweite Hypothek dient nicht dem Kauf eines neuen Hauses, sondern der Senkung des Zinssatzes für ein bestehendes Haus.

Allerdings sehen wir nicht dasselbe Phänomen im Automobilbereich: weniger als 5 % aller finanzierten Autokredite sind Refinanzierungen. Die meisten Menschen wissen einfach nicht, dass sie ihre Autokredite refinanzieren können. Die wenigen Menschen, die wissen, dass sie sich refinanzieren können, erkennen schnell, dass die Refinanzierung ein mühsamer Offline-Prozess ist.

Clutch ist eine digitale FinTech-Plattform zur Refinanzierung von Autokrediten. Kreditnehmer können innerhalb von Minuten Tausende von Dollar sparen, und zwar 100 % online und bequem von zu Hause aus.


Was sind die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Unternehmensgründung?

Die größten Herausforderungen bei jeder Neugründung sind all die Dinge, von denen man nicht weiß, dass man sie nicht weiß. Ja, ich meine die Dinge, von denen man nicht weiß, dass man sie nicht weiß. An Tag 1 hat man eine Überzeugung und liegt ganz sicher falsch. Das Wichtigste ist, flexibel zu bleiben und schnell zu lernen, bis man entdeckt, dass das Produkt am Markt passt und man wirklich Kapital einsetzen kann, um zu wachsen.

In unserem Fall dachten wir zum Beispiel, wir könnten ein großes Geschäft aufbauen, das die Verbraucher direkt anspricht. Wir haben unter anderem Rich Content über Autokreditrefinanzierung erstellt, um auf Google top platziert zu sein. Obwohl wir sehr schnell enormen Aufwind hatten, gewannen wir eine weitere unerwartete Erkenntnis: Alle Kreditgeber versuchen, Autokredite zu refinanzieren, haben aber keine Software, die sie dabei unterstützt.

Wir sind noch am Anfang, was uns ermöglicht, mehrere Wege zu gehen, um unser Ziel zu erreichen. Wir glauben derzeit, dass wir tatsächlich die größte Wirkung erzielen können, wenn wir Software für Banken entwickeln, anstatt direkt den Verbraucher anzugehen.


Hat sich die Nachfrage aufgrund der aktuellen Pandemie verändert? Und, hat die Corona-Pandemie eine Anpassung Ihres Geschäftsmodells erforderlich gemacht?

Während der Corona-Pandemie sind zwei Dinge geschehen, die unserem Unternehmen enorm geholfen haben:

  1. Die Amerikaner suchen nach kreativen Wegen, um Geld zu verdienen, und
  2. die Pandemie und die Beschränkungen haben fünf Jahre der digitalen Transformation auf 12 Monate komprimiert.

Bedenke: Wir sind eine digitale Plattform zur Refinanzierung von Autokrediten. Mit anderen Worten: Wir ermöglichen es den Amerikanern mit einem Autokredit, ihre monatlichen Ausgaben zu senken und auf kreative Weise Bargeld freizusetzen, während jeder andere etablierte Betreiber auf seine stillgelegten Filialen angewiesen ist. Das Timing könnte nicht besser sein!

Das sind aufregende Zeiten für Unternehmer – lasse diese Krise nicht ungenutzt verstreichen!

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