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Jurastudierende organisieren Crime-Workshops mit prominenten Praktikern

30.07.2018 | Von:
Gisela Friedrichsen EBS Crime Time

Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen

Berühmteste deutsche Gerichtsreporterin, bundesweit bekannter Profiler und Bestsellerautor, renommierter Rechtsmediziner und engagierter Polizeisprecher gaben EBS Studierenden Einblicke in die Tiefen von Verbrechen und Strafverfolgung

Neben dichtem Curriculum auf dem Weg zum Staatsexamen den Blick über den Tellerrand werfen und Einblicke in praktische Bereiche gewinnen: Um diesem Interesse in der Studierendenschaft der Wiesbadener Wirtschafts- und Rechtsuniversität nachzukommen, organisierte das 30-köpfige Team des rechtspraktischen studentischen Ressorts den Workshop-Tag „EBS CrimeTime“ mit Einblicken in kriminalistische und justizielle Abläufe.

Ein Bericht von Luca Manns, studentischer Leiter der Veranstaltung

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, leitete Vera Herting, Dekanatsleiterin der EBS Law School in Wiesbaden, einen ganz besonderen Tag ein, der sich mit den Grenzen des Menschen, der Menschlichkeit und seinen unveräußerlichen Rechten befassen sollte. Im exklusiven Kleingruppenformat trafen die Teilnehmer auf prominente Redner, darunter Deutschlands bekannteste Gerichtsreporterin, Gisela Friedrichsen (WELT N24, vormals DER SPIEGEL). Die erfahrene Journalistin berichtete über mit Boulevardmedien paktierende Prozessbeteiligte, Nebenkläger mit Exklusivverträgen bei Boulevardmedien und viele beobachtete Großprozesse, in denen Angeklagte immer öfter vorab an den Pranger gestellt würden. In über vier Stunden diskutierten die Studierenden mit Friedrichsen auch über den jüngst zu Ende gegangenen NSU-Prozess, dem sie seit fünf Jahren fortwährend in München beigewohnt hatte. Die Gerichtsreporterin schilderte dabei anschaulich Szenen aus der Verhandlung – vom Verhalten des Vorsitzenden bis zum Kleinkrieg um die Zschäpe-Verteidiger – und sprach über Grenzen dessen, was ein Prozess für Opferangehörige leisten kann.

Dem Täter auf der Spur

Bis es allerdings überhaupt zu einem Prozess kommen kann, müssen die Täter ausgemacht, genügend Spuren gesichert und bestenfalls auch ein Motiv gefunden werden; deshalb folgten auf Friedrichsen der Bremer Profiler Axel Petermann und der Rechtsmediziner Prof. Dr. Marcel A. Verhoff aus Frankfurt am Main.

Petermann, Gründer der Dienststelle „Operative Fallanalyse“ beim LKA Bremen, Bestsellerautor und Berater des ARD-Tatort nahm die Studierenden mit auf eine Reise in die Psyche von Tätern und Opfern – beides zu vereinen sei eine wichtige und gleichwohl herausfordernde Aufgabe, so der Profiler. Wenn Petermann davon sprach, zur „Spur hinter der Spur“ vorzudringen, blieb er nachdenklich und rief zugleich die jungen Teilnehmer zum Querdenken und zu unkonventionellen Ansätzen auf. Anhand wahrer Fälle – vom mysteriösen Erschossenen im Zugabteil bis zur über zehn Jahre lang spurlos verschwundenen jungen Frau – illustrierte der erfahrene Beamte sein Vorgehen.

Diese Eindrücke rundete der Leiter der Frankfurter Rechtsmedizin, Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, ab. Von der klassischen Leichenschau über die Toxikologie bis hin zu schwierigsten Einzelfällen schilderte er die Arbeitsweise seiner Mitarbeiter auch anhand von fotografischen Darstellungen und lebensnahen Berichten. Unter anderem im Kachelmann- oder Tugce-Prozess als Gutachter bestellt, hob er zudem die Rolle der forensischen Medizin hervor, bei der Gutachten über Gewalteinwirkungen, mögliche Ursachen und eventuelle Selbstherbeiführung im Rahmen polizeilicher oder gerichtlicher Verfahren erstattet werden. Verhoff unterstrich zudem die Relevanz sorgfältiger Prüfungen, um der hohen Bedeutung rechtsmedizinischer Spuren gerecht zu werden.

Mit Hashtag und Handschelle

„Wir können mehr als nur 280 Zeichen“, versprach Kriminaloberkommissar Daniel Scherf. Der Pressesprecher für Soziale Medien des Polizeipräsidiums Westhessen (Wiesbaden) veranschaulichte nicht nur in lockerer und offener Art den angehenden Juristen den notwendigen Spagat zwischen Bürgernähe und Einsatztaktik, sondern führte auch Vor- Nachteile der einzelnen Medientypen (Facebook, Twitter, Instagram) durch die Besprechung zahlreicher Postings aus. Intensiv diskutierten die EBS Studierenden auch hier, nachdem Scherf von teils heftigen bis strafbewährten Entgleisungen auch auf Seiten in Sozialen Medien des zuständigen Polizeipräsidiums Westhessen im Zuge des Tötungsdelikts um Susanna F. berichtet hatte.

Zahlreiche Erkenntnisse gewonnen

Als studentische Leiter freuen wir uns sehr, dass wir Deutschlands berühmteste Vertreter zahlreicher spannender Professionen gewinnen konnten. Das einhellig begeisterte Feedback der Teilnehmer trägt der langwierigen und vollständig studentischen Planung und Durchführung Rechnung und bestärkt uns.

Zudem sind wir Vera Herting, Leiterin des Dekanats der EBS Law School, dankbar, die ergänzt: „Wir sind stolz auf das großartige und professionelle Gelingen dieses Pionier-Workshops. Als Universität legen wir darauf trotz des intensiven Lehrpensums hin zu einem erfolgreichen Staatsexamen höchsten Stellenwert. Zur Akquise so prominenter Gäste kann ich den Organisatoren nur gratulieren“.

Die Einleitungsrede von Gisela Friedrichsen über den Wandel in der Berichterstattung, Wahrnehmung und Abhandlung von Großprozessen kann über folgenden Link als PDF-Datei geöffnet und gelesen werden.

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