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EBSdigital: Studieren in der Coronakrise

25. März 2020 | Von: Pressestelle EBS Universität
Student Luca Manns beim Studieren zuhause

„Empowering You in Times of Social Distancing“: Wie gehen EBSler mit der aktuellen Situation um? Jurastudent Luca Manns berichtet, wie er die vergangenen Wochen in der Coronakrise erlebte.

Noch Anfang März versprachen meine kommenden Wochen voller Abwechslung zu werden, und ich freute mich darauf. Nach einigen letzten Klausuren und Terminen sollte ich nach München reisen, um ein Praktikum bei einer US-amerikanischen Wirtschaftskanzlei zu beginnen. Befassen wollte ich mich mit internen Untersuchungen, Compliance und Streitbeilegung. Stattdessen bin ich nun zuhause in einer dörflichen Region Mittelhessens und wasche mir andauernd die Hände.

Warum? Einerseits und offensichtlich: Weil Sars-CoV-2 das öffentliche Leben nahezu völlig stillgelegt hat. Das neuartige Virus dominiert Politik, Medien und Gesellschaft, mehr oder weniger differenziert, engagiert, alarmiert. Und greift tief in unser aller Leben ein. Andererseits kann ich diesen Text aber auch deshalb verfassen, weil zumindest wir Studierenden – die nicht in einer medizinischen oder alltagsversorgenden Branche tätig sind oder uns um Mitmenschen kümmern müssen – auf einmal viel Zeit „gewinnen“. Veranstaltungen wurden verschoben, unnötige Termine abgesagt und die wenigen übrigen verlaufen oft effizienter. Dass dies möglich ist und wir bereits seit Mitte März umfassende Onlinesitzungen nutzen können, ist vor allem ein Verdienst unserer IT-Abteilung. Umso kleinlicher erscheinen aus der Retrospektive alle früheren Argumente gegen Online-Teaching und -Meetings. Vielleicht kann das einer der wenigen positiven Aspekte jener Zeit sein: Sich künftig sorgsamer zu überlegen, was „wirklich nicht geht“ – inner- und außerhalb der Universität.

Diese Krise ist ganz sicher eine der größten seit Bestehen der Bundesrepublik. Umso irritierender war es, Menschen in Cafés sitzen, in Parks flanieren oder noch besser: abends dort grillen zu sehen. Diese Rücksichtslosigkeit und Arroganz legen auf traurige Weise offen, wieso es so vieler Beschränkungen bedarf, wieso also Versammlungen verboten und Betriebe geschlossen werden müssen. Für eine Demokratie wie die deutsche, die – nicht zuletzt ihrer historischen Verantwortung wegen – die Freiheit aller Bürger besonders sorgsam zu schützen sucht, ist das eine bittere Erfahrung. Mich hat daher besonders gefreut, dass viele meiner Kommilitonen in den Sozialen Medien gegen solches Verhalten Position bezogen. Auch unsere Studentensprecher warnten vor „Corona-Partys“.

Im vergangenen Jahr stellte die EBS Universität das Thema „Unsicherheit“ in den Mittelpunkt ihrer Forschung. Wenn wir in den vergangenen Tagen eines waren, dann genau das: verunsichert. Wie die meisten Hochschulen haben auch wir schrittweise Regelungen verschärft, Veranstaltungen abgesagt und das Campusleben eingeschränkt. Es sind Zeiten, in denen alle „auf Sicht fahren“. Zwischen dem Aufrechterhalten jener Gemeinschaft, auf die wir unter dem Schlagwort EBSpirit so stolz sind, und dem Ziel, die Gesundheit der Universitätsfamilie zu schützen, richtig zu entscheiden war schwierig. In unserem Universitätsalltag konnten wir das erleben: Die einen wollten letzte Klausuren mit Verweis auf ihre berufliche Zukunft noch (unter Wahrung hoher Abstandsgrenzen, wie jetzt im Abitur praktiziert) schreiben, die anderen am liebsten seit Wochen nicht mehr vor die eigene Haustür.

In der Rückschau halte ich drei Dinge für wichtig. Erstens, dass alle von Corona-bedingten Maßnahmen Betroffene nachsichtig mit den Entscheidern sind. Zweitens, dass jene Verantwortlichen (auch emotionale) Kritik respektieren und auf die direkte Kommunikation setzen, auch wenn sie zu Redundanzen und einer hohen zeitlichen Belastung führt. Und drittens, dass, wie EBS Präsident Markus Ogorek unlängst formulierte, „Regeln für den Menschen da sind – und nicht umgekehrt“. Also, dass spätestens jetzt jeder seinen Beitrag leistet; ob – wie selbstverständlich – zur Eindämmung des Virus oder auch nur innerhalb der Universität, wenn es darum geht, Kommilitonen Ängste wegen verschobener Prüfungen und geschlossener Bibliotheken zu nehmen. Auf die für mich in einigen Wochen beginnenden Online-Vorlesungen bin ich besonders gespannt und zugleich optimistisch, dass wir auch als Kommilitonen untereinander trotz Social Distancing digital vernetzt bleiben.


Hintergrund:

Während der größten globalen Pandemie seit der Spanischen Grippe sind wir alle gefordert, die Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich zu verlangsamen. Die EBS Universität möchte ihren Beitrag dazu leisten und bietet Lehrveranstaltungen seit Montag, den 16.3.2020, bis auf weiteres komplett in Form von interaktiven Video- oder Audiokonferenzen und E-Learning an, in welchen die Studierenden mit ihren Professoren in den direkten Austausch treten, Raum für Diskussionen haben und es grundsätzlich keinen Unterschied zu einer normalen Vorlesung gibt (außer die Präsenz). So halten wir die Lehre vollumfänglich aufrecht. Wir sind durch die Maßnahmen in der Lage, für die Studierenden den rechtzeitigen Abschluss des Semesters bzw. des Studiums wie geplant sicherzustellen. Die Sicherheit und Gesundheit der EBS Gemeinschaft sowie aller Besucher und Besucherinnen ist für die EBS Universität von größter Bedeutung. Wir verfolgen die Entwicklungen aktiv seit den ersten Berichten über die auf SARS-Cov-2 basierende Krankheit in China. Bisher gibt es weder bestätigte noch vermutete Krankheitsfälle an unserer Universität oder in ihrem Umfeld. Nach wie vor halten wir den persönlichen Kontakt zu den Studierenden für einen wichtigen Bestandteil eines erfolgreichen Studiums und für einen gelungenen Studienstart: alle Mitarbeiter und Professoren sind per Telefon, Mail oder Videocall erreichbar – im Homeoffice oder als letzte Verbliebende aus dem Büro.

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