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EBS Alumna Gloria Seibert gehört zu den Capital – Top 40 unter 40

18. Januar 2022 | Von: Pressestelle EBS Universität
Capital 40 unter 40_Gloria Seibert

Gloria Seibert, Gründerin und CEO von Temedica


Capital 40 unter 40: Unternehmen

Zum 14. Mal kürt die Redaktion des Wirtschaftsmagazins Capital 2021 die „Junge Elite – die Top 40 unter 40“. Darunter sind die wichtigsten Talente aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu finden – ausgewählt von Politiker:innen, Spitzenbeamt:innen, Manager:innen, Unternehmer:innen, Berater:innen sowie bereits Ausgezeichneten. In diesem Jahr mit dabei: EBS Alumna Gloria Seibert.

Sie suchen Lösungen für die Probleme unserer Zeit – deswegen wurden Sie von „Capital“ in die „Top 40 unter 40“ für das Jahr 2021 gewählt. Herzlichen Glückwunsch! Erzählen Sie doch bitte kurz von Ihrem Unternehmen und was es so besonders macht?

Unsere Vision bei Temedica ist „Crafting the Future of Personal Health“, denn wir sind davon überzeugt, dass jeder Mensch ein Grundrecht auf eine individualisierte Behandlung und Therapie hat. Deshalb sorgen wir mit Temedica dafür, dass chronisch erkrankte Patienten zwischen ihren Arztbesuchen einen digitalen Begleiter haben. Diese „Patientenbegleiter“ sind Apps, die wir spezifisch für verschiedene chronische und schwere Krankheiten entwickeln: Unsere Apps sind auch außerhalb der Arztbesuche im kontinuierlichen Austausch mit den Patienten und unterstützen sie mit Ratschlägen und Erinnerungen. Gleichzeitig kann der Patient regelmäßig seinen Gesundheitszustand erfassen und somit seinen individuellen Krankheitsverlauf und verschiedene Einflussfaktoren, wie zum Beispiel Wetterumschwünge, besser verstehen.

Durch die direkte und langfristige Interaktion mit hunderttausenden Patienten generieren wir zudem einzigartige und bisher unbekannte Erkenntnisse über verschiedene Krankheitsverläufe und die individuelle Wirksamkeit von Therapien in der realen Welt.

Wie entstand die Idee zu Temedica?

Nach meinem Wirtschaftsrechtsstudium an der EBS bin ich in die Unternehmensberatung bei McKinsey eingestiegen. Nach ein paar Jahren merkte ich allerdings, dass dieser klassische Karriereweg nicht zu mir passt. 2016 beschloss ich deshalb, Temedica zu gründen: Meine Idee war es, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, um die Patientenversorgung zu verbessern. Dabei spielten auch persönliche Erfahrungen eine Rolle: In meiner Familie habe ich miterlebt, wie Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen ihren Alltag bestreiten und mit ihren Symptomen zurechtkommen müssen. Mein Opa litt in den 70er-Jahren an einer schweren Form der Multiplen Sklerose (MS). MS ist eine neurologische Autoimmunerkrankung und bis heute nicht heilbar. Die Auswirkungen treten in Schüben auf und können zu unterschiedlichen Symptomen und sehr schweren Verläufen führen. Vergleicht man die Versorgung meines Großvaters mit der heutigen Situation von MS-Patienten, so gibt es zwar glücklicherweise eine Reihe innovativer Therapien - die Rahmenbedingungen, also alles außerhalb der Therapie, haben sich hingehen wenig verändert. Auch heute sehen chronisch schwerkranke Patienten nur durchschnittlich acht Mal im Jahr ihren Arzt, am Ende bleiben damit 357 Tage, an denen die Patienten auf sich allein gestellt sind. Die Suche nach Möglichkeiten, den Patientenalltag zu unterstützen und zu erleichtern braucht viel Zeit und gelegentlich auch einen anderen Blick. Einflüsse wie beispielsweise ein Wetterumschwung oder veränderte Alltagsroutinen können einen entscheidenden Einfluss auf die Symptomatik, also wie es dem Patienten tagtäglich geht, haben. Aus dieser Erfahrung heraus entstand die Idee, digitale Begleiter für chronisch kranke Patienten zu entwickeln. Mit unseren interaktiven Apps verstehen Patienten ihre Krankheit besser und können damit ihren Alltag einfacher bewältigen. Wir sind überzeugt, dass sich dadurch die Therapietreue und letztlich auch die Therapieergebnisse verbessern. Außerdem können die Patienten ihre Gesundheits- und Krankheitsverlaufsdaten über eine Exportfunktion in den Apps mit ihren behandelnden Ärzten teilen. Dieser genaue Überblick über den Langzeitverlauf ermöglicht den Ärzten, die Therapie ihrer Patienten besser zu überwachen und bei Bedarf anzupassen.

Was ist Ihre Vision? Was treibt Sie an?

Meine Arbeit soll einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Bei Temedica finden wir, dass jeder Mensch eine individualisierte, auf ihn zugeschnittene Therapie verdient – dafür stehen wir mit unserer Version „Crafting the Future of Personal Health“. Wie kann es sein, dass wir heutzutage unsere Schuhe und T-Shirts personalisieren können, aber hunderttausende MS-Patienten ein und dieselbe Therapie erhalten? Für eine Veränderung ist die personalisierte Medizin der Schlüssel und diese Entwicklung möchten wir mit Temedica unterstützen. Um auf Patienten individuell zugeschnittene Therapien zu ermöglichen, braucht es sowohl eine personalisierte Patientenbegleitung (das erreichen wir über unsere Temedica Apps), als auch ein umfangreiches und spezifisches Wissen über die einzelnen Patienten, damit sie personalisierte Therapien erhalten können. Hierzu leisten wir mit unseren Erkenntnissen, die wir in unserer Permea Plattform generieren, einen großen Beitrag.

Die Corona-Pandemie hat uns alle gefordert und fordert uns auch weiterhin. Wie haben Sie Ihr Unternehmen durch die Krise gebracht?

Corona hat wahnsinnig viel verändert – unter anderem hat die Digitalisierung einen enormen Aufschwung erlebt. Ein beeindruckendes Beispiel aus unserer Branche ist, dass vor Corona telemedizinische Angebote kaum genutzt wurden – innerhalb weniger Monate fand plötzlich jeder zweite Arztbesuch virtuell statt. Auch wir haben eine große Nachfrage unserer Temedica Apps erlebt und im letzten Jahr zwei weitere Apps für die Erkrankungen MS („Brisa“) und Morbus Bechterew („Ilio“) auf den Markt gebracht. Außerdem stecken wir aktuell mitten in der Entwicklung eine App für Patienten mit Schuppenflechte, die Mitte diesen Jahres gelaunched wird.

Das Virus hat uns in vielen Bereichen zum Umdenken gezwungen. Sind Sie neue Wege gegangen und haben Sie auch Chancen in den Herausforderungen sehen können?

Wir sind damals in 2016 als kleines Team aus einer Handvoll Leuten gestartet – unser Ziel war und ist es, die Gesundheitsbranche neu zu denken und den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen. Hierfür sind wir mutig neue Wege gegangen und haben uns und unser Umfeld ständig hinterfragt, neue Dinge ausprobiert und Chancen hinter scheinbar verschlossenen Türen gesucht. Durch dieses Mindset, das wir seit Beginn von Temedica leben, konnten wir uns auch an die veränderten Rahmenbedingungen durch Corona schnell anpassen. Zwischenzeitlich sind wir auf über 100 Mitarbeiter gewachsen, auf dem Weg dahin mussten wir uns immer wieder neu erfinden.

Wie oder worin finden Sie einen Ausgleich?

Mein Alltag als Gründerin ist natürlich stark geprägt von Temedica und nimmt entsprechend sehr viel Zeit ein. Aber ich sehe darin auch ein großes Privileg, denn vermutlich gibt es wenige andere Möglichkeiten auf dieser Welt, durch die ich persönlich vergleichbar viel lernen kann. Zum Ausgleich versuche ich regelmäßig ein paar Stunden im Fitnessstudio zu verbringen und eine große Energiequelle sind die Spaziergänge mit meinem Hund. Dabei sortiere ich meine Gedanken und kann den Alltagsstress hinter mir lassen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die EBS Universität?

Ich hatte damals das EBSpreneurship-Forum ins Leben gerufen und bis heute erinnere ich mich sehr gerne an den „großen Tag“, als renommierte Unternehmer wie Arndt Kwiatkowski (Gründer von ImmobilienScout24) oder Rainer Schaller (Gründer von McFit) auf unserem schönen EBS Campus über ihre Erfahrungen bei ihren Unternehmensgründungen gesprochen haben. Das war schon ein besonderer Moment für mich und hat sicherlich auch meinen unternehmerischen Lebensweg beeinflusst.

Inwiefern hat Sie die EBS auf Ihren Karriereweg vorbereitet?

Schon damals stand die EBS für einen Ort für Menschen, die etwas bewegen möchten. Wer Unternehmer werden oder Führungsverantwortung übernehmen wollte, studierte hier. Bei der Gründung von Temedica spielte dieses Mindset natürlich auch eine Rolle. Während meiner beiden Praktika und im Auslandssemester in Hong Kong habe ich viele Facetten und Arbeitsweisen, aber auch das „einfach mal Zähne zusammenbeißen“ gelernt. Wichtig waren natürlich auch das Handwerkzeug und Wissen, dass ich an der EBS erworben habe. Der Spirit und Teamgeist, aber auch der Wettbewerb haben die Weichen gestellt, um eine verantwortungsbewusste Führungspersönlichkeit zu werden: Agilität, Begeisterungsfähigkeit, Empathie und Mut sind beim Gründen besonders wichtig, vor allem der Mut, auch mal Fehler zu machen. Fehler helfen einem dabei zu erkennen, wie etwas nicht funktioniert und bieten die beste Möglichkeit zu lernen und zu wachsen.


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