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Großprojekt: Digitale Lösungen für eine immer älter werdende Gesellschaft

10. Juni 2021 | Von: Pressestelle EBS Universität
Julia Krönung

Prof. Julia Krönung ist beteiligt am Großprojekt SMART-AGE.


Prof. Julia Krönung ist beteiligte Wissenschaftlerin an dem Großprojekt „Smartes Altern im kommunalen Kontext: Untersuchung intelligenter Formen von Selbstregulation und Ko-Regulation unter Realbedingungen“ (SMART-AGE), das von der Universität Heidelberg koordiniert und von der Carl-Zeiss-Stiftung mit rund 4,5 Millionen Euro gefördert wird. Im Interview stellt Julia Krönung das Projekt sowie ihre Rolle vor und teilt mit, wann erste Ergebnisse zu erwarten sind.

EBS: Frau Krönung, was ist das Ziel des Großprojekts?

JK: Das Projekt zielt darauf ab die Megatrends der Digitalisierung und des demografischen Wandels zu untersuchen. Dazu wird die Wirkung der Vernetzung von unterschiedlichen intelligenten Assistenzsystemen als zukunftsweisende Möglichkeit zur ganzheitlichen Unterstützung der Lebensqualität älterer Menschen untersucht. Die zentrale These von SMART-AGE ist es, dass die intelligenten Assistenzsysteme vor allem in ihrer Vernetzung eine optimale komplementäre Wirkung im Hinblick auf mehrere Dimensionen von Lebensqualität im höheren Lebensalter entfalten können. Somit wird untersucht, ob diese Vernetzung ausgewählter Systeme ältere Menschen in ihrer Lebensqualität auf besondere Weise fördern und unterstützen kann.

EBS: Wie genau sieht Ihre Rolle aus?

JK: Ich bin als Professorin für Wirtschaftsinformatik verantwortlich für das Teilprojekt der IT-Akzeptanzforschung. Für die Zielgruppe der Studienpartner:innen, gibt es in der IT-Akzeptanz-Literatur kaum empirisch basierte Forschung. Generell geht die Literatur der IT-Akzeptanz davon aus, dass ältere Menschen aufgrund geringer IT-Fähigkeiten und demzufolge niedriger Nutzungsperformanz IT-Systeme generell meiden. Zusammen mit meinen Mitarbeitern Frau Sophie Kliemisch und Herrn Markus Nöltner wird von uns die Ausgangssituation der IT-Akzeptanz der Studienpartner:innen untersucht. Über die Laufzeit hinweg werden wir kontinuierliche Messungen hierzu durchführen. Somit lassen sich für uns Veränderung hinsichtlich der Akzeptanz aber auch hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Akzeptanz und allgemeinem Wohlbefinden erkennen und Beweggründe nachvollziehen.

EBS: Wie gehen Sie methodisch vor?

JK: Wir werden unsere Untersuchungen auf Basis der verfügbaren Nutzungsdaten der Systeme durch die Probanden sowie durch quantitative Fragebögen durchführen. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit Emotionen und Verhalten im häuslichen Umfeld zu beobachten, unter anderem durch das Feedback der Studienpartner:innen. Somit haben wir die Möglichkeit in dem Bereich der effektiven und adaptiven Nutzung von IT durch ältere Menschen auch die in der IT-Akzeptanzforschung kaum beachtete Rückkopplung von eigenen Erfolgserlebnissen älterer Menschen mit neuer IT auf ihre künftige Nutzungsbereitschaft hin zu untersuchen. Zur Untersuchung der längerfristigen Akzeptanz von IT finden die Erhebungen in regelmäßigen Abständen in einem longitudinalen Studiendesign statt.

EBS: Wann erhoffen Sie sich erste Ergebnisse?

JK: Erste Ergebnisse werden wir nach der ersten Datenerhebung hinsichtlich der Ausgangslage erwarten dürfen. Sofern alles nach Plan läuft, wird das noch in diesem Jahr der Fall sein.

EBS: Zum Einsatz kommen unter anderem Apps. Der Umgang mit neuartiger Technik bereitet vielen Senioren jedoch Probleme. Wie werden die Senior:innen an die Technik herangeführt?

JK: Zunächst möchte ich Sie hier auf ein Stereotyp hinweisen. Die Nutzergruppe ältere Menschen ist ausgesprochen heterogen. Unsere Studienpartner:innen sind 67 Jahre und älter. In dieser Altersgruppe sieht die Anzahl der IT-Nutzer bereits anders aus als bei den Hochaltrigen. Wir können davon ausgehen, dass die Studienpartner:innen teilweise bereits Erfahrungen im Umgang mit IT gemacht haben. Die Einführung der „neuartigen Technik“ wird für alle Studienpartner:innen gleich ablaufen. Die Doktorand:innen des Projekts werden die Technik ausrollen und den Studienpartner:innen eine Einführung geben.

EBS: Wurden eigene Apps entwickelt?

JK: Jein, es wird auf Apps aufgebaut, bzw. vorhandene Apps adaptiert. Die Apps, auf die wir uns stützen wurden bzw. werden aktuell noch wissenschaftlich untersucht und nach unserem Bedarf bzw. dem der Studienpartner:innen angepasst.

EBS: Inwiefern hatte die Corona-Pandemie Einfluss auf Ihre Untersuchungen? Zum Beispiel auch auf die Zusammenarbeit mit den anderen Wissenschaftlern?

JK: Bisher haben die Workshops im Konsortium und die Kommunikation unter den Wissenschaftler:innen online stattgefunden. Bisher war es nicht möglich, dass sich das komplette Forschungskonsortium in live und Farbe trifft. Somit begrüßen wir bei den großen online Treffen neue Doktorand:innen oder Postdocs durch die Winken-Funktion bei Zoom. Aber wir blicken optimistisch in die Zukunft. Für den Bereich Oktober/November soll der Beginn des Projektes im feierlichen Rahmen gewürdigt werden, dann auch mit dem kompletten Konsortium. Also drücken Sie die Daumen!

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