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Service Learning während der Corona-Pandemie: Verantwortungsvolles Handeln wichtiger als je zuvor

14. Januar 2021 | Von: Dr. Marcus Kreikebaum, Dozent für Ethik und Service Learning

Die Corona-Pandemie machte es für die EBS Studierenden kaum möglich, ihre Praxistätigkeiten im Rahmen des Service Learning Programms weiterhin durchzuführen. Studierende engagieren sich nun vor allem durch indirekte Services in unseren Partnereinrichtungen mit Kindern und Senioren.

Das seit 2008 verpflichtende Service-Learning-Modul für alle Studierenden ist ein am Zentrum für Unternehmensethik entwickeltes Konzept sozial engagierter Lernprojekte. Mit über 200 helfenden Studierenden schafft es Semester für Semester einen großen sozialen Mehrwert für die Region und weltweit. Die EBS Studierenden wurden kreativ und suchten aktiv nach Möglichkeiten, weiterhin für ihre Mitmenschen da zu sein.

Dr. Marcus Kreikebaum, Dozent für Ethik und Service Learning, fasst das Semester zusammen:

Die Corona-Pandemie hat viele direkte Service Learning-Projekte der EBS Universität in diesem Jahr unmöglich gemacht. Wir haben darauf reagiert, indem wir unser Programm umgestellt haben: Studierende engagieren sich nun vor allem durch indirekte Services in unseren Partnereinrichtungen mit Kindern und Senioren. Außerdem haben wir unser E-Mentoring Programm erweitert und die Unterstützung der Geflüchteten durch Lebensmitteltransporte und digitale Bastel- und Back-Events gewährleistet.

Wie alle unsere Partner im Mentoring, sind Frau Strobl und Frau Schwartz und ihr Team vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) in erster Linie den Kindern verpflichtet, die mit weniger Privilegien als andere leben. Sie engagieren sich darüber hinaus aber schon seit Jahren auch darin, unseren Studierenden ein Verständnis für soziales Engagement und ein Gespür für gesellschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln. Da das EBS Team aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht mehr an der Gruppenpädagogischen Betreuung teilnehmen konnte, hat es sich dazu entschlossen, den DKSB durch eine Fundraising-Kampagne zu unterstützen. Durch Spendenaufrufe und Sammelboxen haben sie bereits über 700 Euro einwerben können. Auch das Trafohaus in Wiesbaden-Sauerland und das Kinderdorf Bethanien konnte die EBS in diesem Jahr durch kleine Fundraising-Kampagnen und andere Aktionen weiter unterstützen.

Mit dem Vincenzstift in Rüdesheim konnten wir ein neues Service Learning-Projekt starten. Hier geht es um die Unterstützung des Lindenkinos, das als integrativer Betrieb bewirtschaftet wird. Die Studierenden haben eine Kampagne gestartet, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und drehen aktuell einen Imagefilm für das Kino.

Unterstützen konnten wir auch das Heimatlädchen Hallgarten, das als integrativer Betrieb der Stiftung Lebensraum eine wirkliche Alternative im Bereich des nachhaltigen und sozial verträglichen Lebensmittelkonsums darstellt. Das EBSTeam konnte Frau Barbara Thiel und ihr Team durch mehrere Marketingaktionen wirksam bei der Akquise neuer Kunden unterstützen.

Im Bereich der Lebensmittelversorgung haben sich Studierende auch in diesem schwierigen Jahr weiter bei den Tischen und Tafeln im Rheingau, Wiesbaden und an vielen anderen Orten engagiert. Als die Tafeln im Rheingau wegen der Pandemie ausfielen, hat ein EBS Team mit Sondergenehmigung des Rheingau Taunus Kreises die Lebensmittel selbst eingesammelt und zu geflüchteten Familien in Lorch und Bad Schwalbach gebracht. Studierende werden in diesen Services meist zum ersten Mal mit den versteckten ökologischen und sozialen Kosten unserer derzeitigen Produktion und Verteilung von Lebensmitteln konfrontiert. Das führt nicht nur zu einem tieferen Verständnis von ökonomischen, ökologischen und sozialen Zusammenhängen, sondern auch zu einer nachhaltigen Veränderung des eigenen Konsumverhaltens im Sinne einer Vermeidung von Verschwendung von Lebensmitteln.

Besonders gravierend ist die Situation in den Altersheimen. Aufgrund der mangelnden technischen Infrastruktur, sind Seniorinnen und Senioren sowie das betreuende Personal auch digital gänzlich von der Außenwelt abgeschlossen. Sabine Gotta und ihr Team im Thomas Morus Haus haben dennoch aktiv den Kontakt zu uns gesucht und ein EBS Team versorgt nun die Bewohnerinnen dort mit kleinen Einkäufen, pflegt Brieffreundschaften und bestückt digitale Endgeräte für Senioren mit Lern-, Spiel- und Unterhaltungsprogrammen. Brieffreundschaften wurden ebenfalls mit dem Haus Hildegard und dem Haus Wilhelmine gestartet, mit denen wir auch weiterhin in Verbindung stehen.

Im Bereich der Unterstützung von geflüchteten Menschen in den Sammelunterkünften in Lorch, Geisenheim und Bad Schwalbach konnten wir neben der Versorgung durch Lebensmittel die Stiftung „Mäcenas“ aus Frankfurt zur Ausweitung ihres Projektes „Frauen kommen an“ auf den Rheingau gewinnen, gemeinsam an einer Professionalisierung der Kompetenzen vor allem von Müttern und Alleinerziehenden mit Migrationshintergrund zu arbeiten. Außerdem hat das EBS Team zu Beginn der Adventszeit mit der „Caritas“ eine Aktion gestartet. Um mit den geflüchteten Familien in Kontakt zu bleiben, wurden Utensilien zum Basteln gekauft und Rezepte verschickt. Seit Anfang Dezember treffen sich die Studierenden mit den Menschen aus Lorch und Geisenheim jeweils Samstagsnachmittag online per Zoom und Whatsapp, um gemeinsam Plätzchen zu backen, Dekorationen zu basteln und Bingo zu spielen.

Auch intern konnten wir die Integration von internationalen Studierenden durch unser SL-Programm vorantreiben. Die Studierenden haben ein digitales Buddie-Programm organisiert mit derzeit über 30 Tandems zwischen internationalen und deutschen EBS Studierenden.

Im Bereich des internationalen Lernens intensivierten sich unsere Kooperationen mit unseren Partnern in Uganda und Benin. Dank Dr. Regis Guedozje, der gleichzeitig als Dozent für die deutsche Sprache an der Ecole Superieur in Benin und der EBS Universität tätig ist, konnten wir rund 20 E-Mentorships zwischen afrikanischen und deutschen Studierenden organisieren, durchführen und auswerten. Studierende lernen einen jungen Menschen ihres Alters aus einer anderen Kultur kennen und tauschen sich über ihre Ziele, Werte und Traditionen aus. In wöchentlichen Online-Treffen vereinbaren sie jeweils kleine Schritte bei der Verfolgung ihrer Ziele und tauschen sich über Erfolg oder Misserfolg aus. Idealerweise sollten sowohl Mentor wie auch Mentee kleine Ziele oder Vorhaben formulieren und sich gegenseitig in der Umsetzung dieser Vorhaben unterstützen und kontrollieren. Das Programm adressiert besonders leistungsstarke und talentierte Studierende, die gerne im Ausland ihre Studien fortsetzen möchten und hierfür Hilfestellung im Bereich der Bewerbung für Stipendien benötigen. Die studentischen Mentoren gewinnen durch dieses Projekt nicht nur Einsicht, sondern auch praktische Erfahrung in der Handhabung von Mentoring als Werkzeug der Personalentwicklung. Zudem lernen sie die afrikanische Kultur unmittelbar durch einen Menschen ihres Alters kennen. Nicht selten führt dies zu anhaltenden Beziehungen, die über das rund dreimonatige Mentorship-Programm hinaus gepflegt werden.

Dank Herrn David Windsor und Frau Pros Katumba konnten wir im Herbstsemester mit der Makare Universität aus Kampala, Uganda eine der ältesten Universitäten Afrikas, zur Kooperation mit der EBS Universität gewinnen. Bereits in diesem Herbstsemester führen wir ein Pilotprojekt mit Studierenden der EBS und der Makarere University durch, das wir im nächsten Jahr auch auf Masterebene implementieren möchten.

Bereits seit 2014 arbeiten Studierende an Hilfsprojekten mit Partnern in Uganda. Unsere Ko-Dozenten sind Moses Kiza von GoSmile Uganda e.V. sowie Sarah Bartlick und Lukas Heun von Helpcore e.V., die eine Grundschule am Viktoria See unterstützen. Mit Moses Kiza haben die EBS Teams bereits mehrere landwirtschaftliche und urbane Mikrogenossenschaften gegründet. So unterstützen sie mit „Give a goat“ in Dörfern lokale Frauengemeinschaften beim Aufbau einer Ziegenzucht. Mit „Go Honey“ konnten wir in diesem Jahr gemeinsam eine neue Genossenschaft von rund 70 Familien gründen, die nun als Imker ihre Existenz sichern können. Ein weiteres EBS Team unterstützt eine Gruppe von Frauen in Kampala in der Produktion von Kunstgewerbe. Diese Frauen sind aus dem Norden vor dem Bürgerkrieg geflüchtet und wollen wieder in ihre Dörfer zurückkehren. Daher engagiert sich das Team auch für den Bau von Häusern für die Frauen, die damals zerstört wurden. Insgesamt ist die Situation in Afrika aufgrund der Pandemie sehr viel gravierender als in Deutschland. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Kooperationen auch im nächsten Jahr fortsetzen.

Wir bedanken uns bei allen Partner und Unterstützerinnen, unsere Studierenden und freuen uns auf die Zusammenarbeit im kommenden Jahr!

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Kontakt
Marcus Kreikebaum

Dozent für Ethik und Service Learning

Executive Director des Centers für Unternehmensethik

+49 611 7102 1424
marcus.kreikebaum@ebs.edu