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Verantwortungsvoll in die Zukunft

24. Januar 2020 | Von: Pressestelle EBS Universität
Portrait Marcus Kreikebaum

Die EBS Universität will verantwortungsvolle und starke Führungspersönlichkeiten in die Berufswelt entsenden. Menschen also, die andere Menschen begeistern und mitreißen können, empathisch sind und sich agil auf verändernde Herausforderungen einstellen. Einer, der für diesen Anspruch einsteht, ist Dr. Marcus Kreikebaum. Der Dozent für Ethik und Service Learning bringt seinen Studierenden soziales Engagement nahe, indem sie im Rahmen seiner Service Learning Einheit sich engagieren und soziale Projekte umsetzen. Wir haben mit ihm gesprochen:

Herr Dr. Kreikebaum, Sie sind an der EBS Universität Dozent für Ethik und Service Learning und haben mit Ihrem Vater das Institut für Unternehmensethik gegründet. Aus Ihren Erfahrungen: Wie würden Sie soziales Engagement in der heutigen Zeit einschätzen?

Soziales Engagement ist heute notwendiger denn je. Wir leben in einer Zeit, in der wir sehr viele Möglichkeiten haben, uns in unsere Komfortzonen und sozialen Blasen zurückzuziehen und immer weniger von dem Fremden wahrnehmen zu müssen. Wir können mit unseren Scheuklappen gut leben. Deswegen ist es wichtig, soziales Engagement zu zeigen, um jenseits der Barrieren zu kommen.

Was motiviert Sie persönlich sich für Soziales Engagement einzusetzen?

Mein Kollege Richard Raatzsch sagt: „Der Verlust der Selbstverständlichkeit ist die Wurzel aller Reflektion.“ Als Philosoph reflektiere ich gerne. Deswegen muss ich mich selbst immer wieder meiner Selbstverständlichkeit berauben, um in die Reflektion zu kommen.

Im Rahmen Ihrer Service Learning Einheit Sie haben das Socio Cultural Impact Projekt ins Leben gerufen: Was kann man sich unter dem Projekt vorstellen und welche Ziele verfolgt das Projekt?

Das Ziel des Projektes ist, den nachwachsenden Führungskräften die Möglichkeit zu geben, mehr Wahlmöglichkeiten zu haben. Es gibt verschiedene Arten, wie wir wertschöpfen können. Es ist sehr wichtig, dass wir uns über diese verschiedenen Arten verständigen, wir Sie verstehen und wir dann die jungen Leute in die Lage versetzen auf verschiedene Art und Weise für sich wertzuschöpfen.

Welchen Mehrwert bietet das Projekt für die Studierenden der EBS Universität?

Die Studenten schreiben in vielen Essays, dass man mehr rausbekommt, als man rein gibt. Und ich glaube der Mehrwert liegt zum einen darin, dass sie merken, dass sich Engagement lohnt, dass sich jede kleinste Geste lohnt, weil man etwas dafür zurückbekommt. Und das andere ist, dass sie merken, dass sie auch ihre akademischen Studien durchaus mit dem Gedanken zur Steigerung des sozialen Mehrwerts verbinden können, also dass sich das nicht ausschließt.

Wie engagieren sich die Studierenden konkret?

Es gibt drei Methoden für das Projekt: Die Erste ist der direkte Service. Die Studenten kommen in eine Eins-zu-Eins-Situation mit Klienten von sozialen Einrichtungen, seien es Senioren, Behinderte, Kinder, Obdachlose oder Geflüchtete. Die zweite Möglichkeit ist ein indirekter Service, d.h. sie machen etwas für eine Organisation. Sie erstellen beispielsweise einen Geschäftsplan für eine NGO oder organisieren eine Fundraising-Kampagne für einen gemeinnützigen Zweck. Die dritte Methode nennen wir „Advocacy“. Dabei versuchen die Studenten Stimmen von Menschen, die weniger Stimmrecht haben, größer zu machen und diesen Menschen eine Stimme im gesellschaftlichen Diskurs zu verleihen.

Was bekommen Sie für Rückmeldung von den Studierenden?

Viele Studenten fangen diese Projekte an, um die Punkte zu bekommen. In vielen Essays lese ich: „Am Anfang habe ich das nur gemacht, um die Punkte zu bekommen, aber dann habe ich verstanden, worum es hier wirklich geht.“ Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Die Studenten erleben die Sinnhaftigkeit ihres Tuns ganz unmittelbar, selbstverständlich und praktisch und das bringt das Programm voran und hält sie bei der Stange weiterzumachen. Wenn Sie einmal im Supermarkt Sachen, die weggeschmissen werden sollen, genommen, sortiert und weitergegeben haben, dann ist das sinnvoll und gleichzeitig eine intrinsische Motivation weiterzumachen. Ein weiteres Beispiel: Wenn Sie einem Kind mit Migrationshintergrund etwas in Mathe oder Deutsch erklären konnten, wofür es dankbar ist, dann haben Sie eine ganz unmittelbare soziale und sinnvolle Interaktion gehabt. Das ist das, was unsere Studenten vorantreibt.

Gab es in der Vergangenheit ein Projekt der Studierenden, das Sie besonders bewegt hat?

Mich berührt immer wieder, wenn Studenten, auch diejenigen, die wenig Deutsch sprechen, in Organisationen gehen, wie beispielsweise die Lebenshilfe. Unsere chinesischen Studenten sind oftmals relativ isoliert in diesem Land. Und ich hatte eine Chinesin, die schrieb mir im vorletzten Semester: „Am Anfang dachte ich, ich könnte in Deutschland überhaupt keine Freunde haben. Jetzt weiß ich, dass ich viele Freunde habe. Am Anfang hatte ich fast Angst vor den Behinderten. Jetzt weiß ich, dass sie genauso sind, wie ich.“ D.h. in dieser Person hat eine Wandlung stattgefunden. Und das ist das, was mich am meisten berührt: Diese Wandlung, die durch das Projekt in den Menschen stattfindet.

Herr Dr. Kreikebaum, herzlichen Dank für das Gespräch.

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