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Start-ups und Venture Capital in Zeiten der Coronakrise

16. April 2020 | Von: Pressestelle EBS Universität
Start-ups & Venture Capital in Zeiten der Coronakrise

Prof. Dr. Katrin Burmeister-Lamp und ihr Doktorand Tom Orben, MSc zeigen die Auswirkungen der Coronakrise auf das Investitionsverhalten in Start-ups auf.

Die Auswirkungen von COVID-19 werden immer deutlicher in der gesamten Weltwirtschaft spürbar. Börsen-Indizes knicken ein, Regierungen schüren Rettungspakete für Unternehmen und die „schwarze Null“ ist Vergangenheit. Von Krisenzeiten gebeutelt werden aber natürlich nicht nur etablierte Unternehmen, sondern auch Start-ups. Junge Unternehmen sind zur Finanzierung oftmals auf externe Wagniskapitalgeber angewiesen, sogenannte Venture Capital Unternehmen. Prof. Dr. Katrin Burmeister-Lamp und Tom Orben (Doktorand im Bereich Entrepreneurship & Innovation) haben sich gefragt: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Krise für diese Beziehung und welche Risiken entstehen für Start-ups?

Für Investoren ist eine Rezession eigentlich eine gute Zeit, um zu investieren. Dies gilt im Besonderen für klassische Venture Capital Unternehmen, die Risikokapital in Start-ups investieren. Falls diese entweder erst vor kurzem frisches Kapital beschafft haben oder generell noch ausreichend zur Verfügung haben, können sie in Zukunft von niedrigeren Bewertungen der Start-ups profitieren (mobihealtnews, 2020; Crunchbase, 2020). Investoren bekommen in einer Krise also mehr Anteile für weniger Geld. Es gibt eine ganze Reihe von Daten, die zeigen, dass Investoren, die während eines wirtschaftlichen Abschwungs aktiv investiert haben, viel höhere Renditen erzielten als Fonds in einem „bull market“ (mobihealtnews, 2020). VCs investieren heute Gelder, die sie gestern gesammelt haben. Sie sind vielleicht vorsichtiger, was die Auswahl der Start-ups angeht (können diese Unternehmen einen Abschwung verkraften?), aber dieses Jahr werden wir wahrscheinlich keinen drastischen Rückgang der Finanzierung erleben. Einige prominente VCs (Lakestar, Holtzbrinck Ventures) haben bereits in Interviews angekündigt, dass sie weiterhin auf der Suche nach neuen potenziellen Investments sind (Crunchbase, 2020; Gründerszene, 2020).

Anders sieht die Situation bei sogenannten Corporate Venture Capital Unternehmen aus. Diese beziehen ihr Kapital von etablierten Unternehmen und investieren es in junge Start-ups. Sie agieren also nicht unabhängig (wie traditionelle VCs), sondern stehen meist in enger Bindung mit ihrem Mutterunternehmen. Diese Mutterunternehmen nutzen aktuell sämtliche Ressourcen um selbst mit COVID-19 fertig zu werden, dementsprechend findet eine Verschiebung der Prioritäten statt (Gründerszene, 2020; mobihealtnews, 2020). Der Deal-Flow im CVC-Umfeld wird sich also wahrscheinlich auf kurze Zeit verlangsamen. Dieser Rückgang spiegelt sich bereits in Q1’20 wider. Das weltweite CVC Finanzierungsvolumen fiel gegenüber Q4’19 um 13% auf $34B. Die Zahl der CVC Transaktionen ging im Quartal um 19% auf 1.337 im gleichen Zeitraum zurück. Im Vergleich zu Q1’19 ist dies sogar ein Rückgang von 24% (CB Insight, 2020).

Was für VCs positiv sein mag (fallende Bewertungen) ist im Umkehrschluss für Start-ups aber natürlich negativ zu betrachten. Unter attraktiven Bedingungen neues Kapital einzusammeln wird in naher Zukunft wahrscheinlich schwierig. Da CVCs ihre Investmentfrequenz drosseln, könnte diese Finanzierungsalternative ebenfalls zunächst zum Erliegen kommen. Gründer sollten sich daher genau anschauen, wie lange ihre liquiden Mittel noch ausreichen und sich nicht auf weitere Finanzierungen zu attraktiven Bedingungen verlassen.


Quellen:

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