Finanzökonomie
Das Zertifikatsprogramm “Finanzökonomie” der Executive School der EBS Universität beschäftigt sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz im Financial Planning. Informieren Sie sich jetzt!
Der aktuelle Datenreport zeigt, wo die Technik hilft und wo menschliche Beratung unverzichtbar bleibt.
Soll ich in ETFs investieren? Wie sichere ich mein Vermögen für die Kinder ab? Solche Fragen stellen immer mehr Menschen zuerst einem Chatbot. Auch Finanzberater:innen setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz. Wie verbreitet das bereits ist, belegt der Datenreport 2026 „Künstliche Intelligenz im Financial Planning & Estate Planning“ des FPSB Deutschland. Befragt wurden 1.046 zertifizierte Finanzplanerinnen und Finanzplaner.
Von Prof. Dr. Rolf Tilmes, Academic Director
Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2026
85,6 Prozent der CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®-Professionals arbeiten laut Report mit KI. Prof. Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des FPSB Deutschland und Academic Director Finance, Wealth Management & Sustainability an der EBS Executive School, stellte die Ergebnisse am 7. Oktober auf dem World Financial Planning Day in Köln vor.
Ausgeschöpft ist das Potenzial der Technik bislang nicht. Die Befragten erwarten, dass sich der Anteil KI-gestützter Prozesse in der Finanzplanung binnen 24 Monaten versechsfacht. Den größten Nutzen sehen sie bei administrativen Aufgaben, bei der Datenanalyse und bei der Vorbereitung komplexer Finanzstrategien.
Das internationale Financial Planning Standards Board hat im Juni 2026 eine Practice Guidance Note zum Einsatz von KI veröffentlicht. Sie benennt die Risiken: mangelnder Datenschutz, fehlende Transparenz, algorithmische Verzerrungen und erfundene Ergebnisse, sogenannte Halluzinationen.
Acht Prinzipien sollen dem begegnen, von Kundenzentrierung und Integrität bis zu Kompetenz, Vertraulichkeit und Sorgfalt. Finanzplaner:innen legen die KI-Nutzung gegenüber Kund:innen offen. Sie prüfen Ergebnisse kritisch und geben keine Kundendaten in öffentliche KI-Tools ein. Die Verantwortung für die Beratung liegt weiterhin bei ihnen.
Das Zertifikatsprogramm “Finanzökonomie” der Executive School der EBS Universität beschäftigt sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz im Financial Planning. Informieren Sie sich jetzt!
Privatanleger:innen rät Tilmes zur Vorsicht, wenn ein Chatbot allein entscheiden soll. Eine KI fragt nicht von sich aus nach. Sie verarbeitet, was im Prompt steht. Risikobereitschaft, Zeithorizont und finanzielle Verpflichtungen müssen Anleger:innen selbst angeben. Selbst dann bleibt die Antwort eine Momentaufnahme. Historische Muster erkennt KI gut, künftige und persönliche Risiken beurteilt sie nur eingeschränkt.
Hinzu kommt die Formulierung der Frage. Sie beeinflusst die Empfehlung systematisch, nicht zufällig. Erfundene Angaben gelten als strukturelles Problem. Ohne Live-Suche sind Informationen veraltet, und mit Live-Suche gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Dazu kommt die Frage der Unabhängigkeit: Werbung oder Kooperationen können Empfehlungen allgemeiner Chatbots beeinflussen. Eine Aufsicht oder einen Entschädigungsfonds gibt es für frei zugängliche Angebote nicht.
Qualifizierte Finanzplaner:innen fragen strukturiert nach und erfassen die gesamte Lebens- und Vermögenssituation. Sie übernehmen die Verantwortung für ihre Empfehlungen und sind den ethischen Prinzipien des FPSB verpflichtet, die den KI-Einsatz ausdrücklich einschließen.
Die Technik übernimmt dabei die Routine: Datenanalyse, Dokumentation und die Vorbereitung komplexer Entscheidungen. „Sie räumt die Werkbank auf, damit mehr Zeit für Beratung bleibt“, so Tilmes. Zwei Drittel der befragten Berater:innen gehen sogar davon aus, dass Empathie in der Beratung durch KI zunimmt. Der Mehrwert liegt künftig vor allem in der strategischen Begleitung und in komplexen Strukturierungen wie Nachfolgeplanung, Family-Office-Dienstleistungen oder Stiftungsvermögen.
Ein Chatbot kann informieren und beim Lernen helfen. Eine individuelle Finanz- und Nachfolgeplanung ersetzt er nicht. Oder, wie Tilmes es zusammenfasst: Finanzplanung ist Lebensplanung.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Stand Oktober 2026.
Prof. Dr. Rolf Tilmes verantwortet als Academic Director alle Zertifikatsprogramme im Bereich Finance, Wealth Management und Sustainability Management an der EBS Executive School der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden /Rheingau (EBS). Darüber hinaus war er u.a. Dekan der EBS Business School und Vizepräsident der EBS Universität. Seine Lehr- und Forschungsaktivitäten liegen im Bereich Finance und Sustainablility Management.
Neben seiner Tätigkeit an der EBS Universität ist Prof. Dr. Rolf Tilmes Vorstandsvorsitzender des FPSB Deutschland.
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Prof. Dr. Rolf Tilmes
Wissenschaftliche Leitung
Künstliche Intelligenz kann große Datenmengen analysieren, Muster erkennen und Finanzprognosen automatisieren. Unternehmen profitieren dadurch von effizienteren Planungsprozessen, fundierteren Entscheidungen und der Möglichkeit, frühzeitig auf finanzielle Veränderungen zu reagieren.
KI kann die Finanzplanung beschleunigen, manuelle Tätigkeiten reduzieren und die Genauigkeit von Prognosen verbessern. Besonders bei der Budgetierung, Liquiditätsplanung und Risikoanalyse bietet sie Potenzial, finanzielle Entwicklungen schneller zu erkennen und unterschiedliche Szenarien zu bewerten.
KI wird unter anderem für Umsatzprognosen, Cashflow-Analysen, Budgetplanung, Risikomanagement und Finanzreporting eingesetzt. Durch die Analyse historischer und aktueller Daten können Unternehmen finanzielle Trends erkennen und ihre Planung kontinuierlich anpassen.
KI kann viele Prozesse der klassischen Finanzplanung automatisieren und unterstützen, ersetzt jedoch nicht die fachliche Expertise von Finanzverantwortlichen. Strategische Entscheidungen, die Bewertung von Risiken und die Interpretation von Prognosen erfordern weiterhin menschliches Urteilsvermögen.
Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen unvollständige oder fehlerhafte Daten, mangelnde Transparenz von KI-Modellen sowie Datenschutz- und Sicherheitsfragen. Unternehmen sollten deshalb auf eine hohe Datenqualität, nachvollziehbare Ergebnisse und klare Kontrollmechanismen achten.