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Center für Corporate Compliance

Michael Nietsch

Compliance beschreibt die Notwendigkeit, durch Maßnahmen der betrieblichen Organisation für die Rechtmäßigkeit unternehmerischen Handelns zu sorgen. Das betrifft gleichermaßen die Geschäftsleitung wie die im Betrieb beschäftigten Personen.


Ein sich wandelndes Regulierungsverständnis, die fortlaufende Verdichtung rechtlicher Anforderungen und eine breitflächige Sanktionierung von Rechtsverstößen veranlassen Unternehmen in zunehmendem Maße, sich den mit Compliance verbundenen Anforderungen zu stellen. Gefordert sind dabei neben im Ausgangspunkt grundlegenden rechtlichen Analysen vor allem die Erarbeitung betriebswirtschaftlicher Umsetzungs- und Kommunikationsstrategien. Hinzu tritt die Entwicklung und Verwirklichung unternehmensethischer Grundprinzipien.

Das Center for Corporate Compliance an der EBS Law School ist eine Forschungsstelle, an der in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Förderern wissenschaftliche Untersuchungen und Veranstaltungen zu allen mit Compliance verbundenen Fragen durchgeführt werden. Zugleich dient das Center der Einbeziehung von Compliance in die universitäre Ausbildung in Rechts- und Betriebswirtschaft und dem Angebot eines qualifizierten beruflichen Weiterbildungsangebots.

Schwerpunkte

Die Forschungsarbeit des Centers gliedert sich in vier Säulen:

  • Grundlagen von Compliance
  • Bank- und Kapitalmarktcompliance
  • Compliance-Organisation und Unternehmensverantwortung
  • Internationales

Das „Grundlagenreferat“ befasst sich mit Compliance-Themen übergreifender Natur, also solchen, die nicht spezifisch einer bestimmten Industrie oder einer Branche zuzuordnen sind. Dazu gehören etwa die verbandsrechtlichen oder arbeitsrechtlichen Grundlagen von Compliance. Behandelt werden demzufolge beispielsweise Themen wie Hinweisgebersysteme, interne Untersuchungen, der Compliance-Officer oder die Haftung für fehlerhafte Compliance.

Die Säule „Bank- und Kapitalmarktcompliance“ trägt dem Umstand Rechnung, dass die in der Kreditwirtschaft zu beobachtende Rechtsentwicklung einerseits vielfach Leitbildfunktion hat, sie andererseits in besonderer Weise und zugleich hoher Intensität Adressat von Unternehmensorganisationspflichten ist. Beides gebietet, ihr einen besonderen Stellenwert einzuräumen.

Im Bereich „Compliance-Organisation und Unternehmensverantwortung“ sind Compliance flankierende Bereiche erfasst. Dazu gehören zum einen die betriebswirtschaftliche Umsetzung von Compliance, aber auch damit verbundene empirische Fragen, wie etwa ihre Messbarkeit oder der mit ihr verbundene Beitrag zur Wertschöpfung im Unternehmen. Die Bearbeitung dieser Themen erfolgt zum Teil in enger Kooperation mit der EBS Business School.

Angesichts der sich in der Unternehmenswirklichkeit zunehmend verdichtenden Erkenntnis, dass Compliance nicht allein durch rechtliche Regelungen oder wirtschaftliche Anreize bewirkt werden kann, werden unter dem Begriff der Unternehmensverantwortung Fragen wertebasierter Unternehmensführung und der Unternehmensethik behandelt.

Der Bereich „Internationales“ trägt dem Umstand Rechnung, dass sich Compliance-Phänomene selten auf eine Rechtsordnung beschränken, sondern multilateral auswirken. Zudem hat die Entwicklung in einem Staat häufig Leitbildcharakter für die in anderen Jurisdiktionen. Gegenstand dieser Forschungssäule sind daher rechtsvergleichende Themen. In sie fließen zudem Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Compliance und Anti-Korruption“ der Law Schools Global League mit ein. Der Leiter des Centers ist Mitglied dieser Arbeitsgruppe.