Excellence in Supply Chain Sustainability
Das Ziel der Studie „Excellence in Supply Chain Sustainability“ war es, das Wesen von Nachhaltigkeit, ihre Umsetzung, Hindernisse und Treiber in Firmen zu untersuchen.
Die Studie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit vom Institute for Supply Chain Management - Procurement and Logistics (ISCM) der EBS Business School, das die wissenschaftlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt hat, und Logica, dem Beratungs- und IT-Dienstleister, der die Studie begleitet und mit den notwendigen Unternehmenseinblicken unterstützt hat.
Mehr als 100 Unternehmen aus einer Vielzahl von Industrien haben an der Studie teilgenommen. Die Mehrheit führt ihre Geschäfte in Europa, aber viele sind auch global aktiv.
Die Datenerhebung fand zwischen November 2010 und Februar 2011 statt.
Im Zuge der Analyse wurde ein besonderes Augenmerk auf die Logistikbranche gelegt aufgrund ihrer Bedeutung als einer der drei größten Industriezweige Deutschlands und aufgrund ihrer weitreichenden Auswirkungen auf die Umwelt. 49% der Teilnehmer in der Stichprobe kommen aus der Logistik- und Transportbranche.
Die wichtigste Erkenntnis der Studie stellt die Beziehung zwischen Nachhaltigkeit und der Unternehmensperformance dar. Je mehr Unternehmen Maßnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung durch die Produktion und zur nachhaltigen Entwicklung umsetzen, umso besser ist ihre wirtschaftliche Performance. Je intensiver Unternehmen Aktivitäten wie die Modernisierung der Fahrzeugflotte oder die Zusammenstellung der Transportmodi nach Nachhaltigkeitsaspekten verfolgen, umso nachhaltiger ist aller Voraussicht nach ihr Wettbewerbsvorteil verglichen mit dem Industriedurchschnitt.
Weitere Hauptergebnisse waren die folgenden:
Unternehmen erklären Nachhaltigkeit zu einem Ziel mit höchster Priorität
Laut den Teilnehmern der Umfrage ist Nachhaltigkeit ein vorrangiges Ziel für Firmen aller Industrien, mit dem man sich auf höchster Strategieebene befasst. Wenn es hingegen um den Ressourceneinsatz für Nachhaltigkeit geht, ist der Rückhalt bedeutend geringer. Jedoch gaben 68% der Teilnehmer an, dass der Anteil am Gesamtjahresbudget, der Nachhaltigkeit gewidmet ist, in den nächsten drei Jahren ansteigen wird. Top-Performer widmen Nachhaltigkeit doppelt so viel Aufmerksamkeit wie Low-Performer. Obwohl den Logistikfirmen oft der direkte Kontakt zum Endkonsumenten fehlt, betreiben sie fast genauso viel Aufwand für Nachhaltigkeit wie Nicht-Logistiker.
Die Unternehmensführung und die Kunden treiben Nachhaltigkeit an
Es herrscht eine Diskrepanz zwischen verschiedenen Stakholdergruppen. Insgesamt spielen Investoren, Wettbewerber, Mitarbeiter und Lieferanten eine Nebenrolle als Treiber für Nachhaltigkeit.
Die wichtigsten Treiber für Nachhaltigkeit sind die Unternehmensführung, Regierungen und Kunden. Dieses Bild wird sich in der Zukunft noch verstärken: 87% der Teilnehmer gehen davon aus, dass Kunden noch wichtiger werden, und 75% glauben das gleiche von der Unternehmensführung.
Es ist nicht die Aussicht auf einen möglichen Aufschlag auf den regulären Preis, der Unternehmen motiviert, sondern die Kundennachfrage nach Nachhaltigkeit und das Risiko, das Kunden zu Wettbewerbern wechseln könnten.
In Bezug auf Regierungen als Treiber von Nachhaltigkeit, legen Top-Peformer auch einen Schwerpunkt auf zukünftige Regularien, d.h. sie versuchen diese im Voraus zu bedenken und sich dementsprechend vorzubereiten, während sich Low-Performer darauf beschränken, gegenwärtige Regularien zu erfüllen.
Logistikunternehmen nehmen Kunden und die allgemeine Öffentlichkeit als noch wichtigere Treiber wahr.
Ein Mangel an Commitment ist hemmender als die Kosten von Nachhaltigkeit
Die größten Hindernisse für Nachhaltigkeit in Firmen sind die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Kunden für Nachhaltigkeit und unzureichendes Commitment der Unternehmensführung. Außerdem wird der notwendige Zeitaufwand für Nachhaltigkeit als hemmender wahrgenommen als hohe Anfangsinvestitionen und mögliche hohe laufende Kosten, die im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit entstehen könnten. In Zukunft wird der Mangel an zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen noch vordringlicher werden.
Sowohl Logistikfirmen als auch Low-Performer empfinden alle Arten von Hindernissen als schwerwiegender als Nicht-Logistiker und Top-Performer.
Firmen fangen mit ihren eigenen Produktionsstätten an, wenn es um das Praktizieren von Nachhaltigkeit geht
Der Fokus liegt auf der Verringerung der Umweltbelastung durch die Produktion anstatt durch die Logistik. 80% der Teilnehmer setzen Maßnahmen zur Verringerung des Wasserverbrauchs um, 65% Maßnahmen zur Abfallreduzierung und 63% Maßnahmen zur Verringerung des Materialverbrauchs. Top-Performer sind hierbei wesentlich aktiver als Low-Performer. Logistikfirmen sind offenkundig führend in Maßnahmen wie der Modernisierung der Fahrzeugflotte, der Bündelung von Lieferungen und der Zusammenstellung der Transportmodi nach Nachhaltigkeitsaspekten.
Top-Performer verfolgen eine ganzheitliche Integration von Stakeholdern in die Formulierung einer Nachhaltigkeitsstrategie
Interne Stakeholder wie z.B. Mitarbeiter und Kunden plus die allgemeine Öffentlichkeit sind die Gruppen, die Firmen am meisten in die Formulierung einer Nachhaltigkeitsstrategie einbinden, wohingegen externe Stakeholder wie Investoren, Regierungen oder Wettbewerber weit abgeschlagen sind in Bezug auf ihre Strategieeinbindung.
Low-Performer scheinen ihren Fokus nur auf Mitarbeiter und Kunden zu richten, während Top-Performer bei der Integration von Stakeholdern eine ganzheitliche Herangehensweise verfolgen. Nicht-Logistiker integrieren ihre Mitarbeiter bei weitem mehr als Logistiker dies tun.
ISO-Zertifizierungen spielen die wichtigste Rolle
Die Qualitätsmanagementnorm ISO 9000 und die Nachhaltigkeitsmanagementnorm ISO 14000 sind die Zertifizierungen, die Unternehmen am meisten anstreben, während alle anderen (z.B. EMAS, SA 8000) weit abgeschlagen sind. Top-Performer haben wesentlich mehr Erfahrung mit Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement als Low-Performer. Diese scheinen mit einigen der abgefragten Zertifizierungen sogar überhaupt keine Erfahrung zu haben. Nicht-Logistiker haben mehr Erfahrung mit Zertifizierungen als Logistiker, was zum Teil aber auch dadurch erklärt werden kann, dass viele Zertifizierungen keine Anwendbarkeit auf Logistikunternehmen finden.
Mit Hilfe der Umfragedaten können Empfehlungen gegeben werden, wie eine Firma nachhaltig werden kann
Nach dem theoretischen Modell von Nidumolu, Prahalad und Rangaswami (2009) kann eine Firma – je nachdem wie sie das Thema Nachhaltigkeit angeht – als Dreamer, Qualifier, Follower oder Winner klassifiziert werden. Mit Hilfe der Analyse der Umfragedaten sind wir in der Lage, klare Empfehlungen zu geben, wie die vier Stufen jeweils erreicht werden können.
Dreamer kommen nur den Mindestanforderungen für Nachhaltigkeit nach wie z.B. das Erfüllen von derzeit geltenden Gesetzesrichtlinien. Um ein Qualifier zu werden, muss ein Unternehmen Maßnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung umsetzen wie z.B. Maßnahmen zur Verringerung des Wasser- und Energieverbrauchs. Wenn eine Firma die nächste Stufe erreichen und sich als Follower qualifizieren will, muss sie ihre Kunden und die allgemeine Öffentlichkeit in die Formulierung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie mit einbeziehen. Um die Spitzenklasse der Winner und somit die maximale Performance zu erreichen, müssen Firmen nicht nur alle der oben genannten Aktivitäten umsetzen, sondern auch neue Technologien verfolgen und Investoren, Mitarbeiter und Wettbewerber einbinden, um gemeinsam mit diesen eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwerfen.