Strategy and Operations
Definition
Das Themenfeld "Strategy and Operations" umfasst einerseits die strategische Ausrichtung der Einkaufsfunktion und dessen organisatorisches Design und daraus abgeleitet die operative Ausgestaltung im Sinne der Priorisierung und Implementierung von Purchasing Practices zur Maximierung des Einkaufserfolges und damit des Unternehmenserfolges.
In diesem Themenfeld werden von Dr. Evi Hartmann (Juniorprofessorin) innovative Problemstellungen sowohl aus dem Bereich des strategischen als auch des taktisch-operativen Supply Managements erforscht. Thematische Schwerpunkte sind Strategy, Organization, Operations Excellence, Sourcing Services und HR Management.
Strategy
Um sich im globalen Marktumfeld wettbewerbsfähig zu positionieren, ist es zwingend erforderlich, dass der Einkauf strategisch mit der Unternehmenszielsetzung integriert ist. Allerdings herrscht in der Wissenschaft bisher Unklarheit darüber, welche Einkaufskompetenzen hierfür notwendig sind. Unsere Forschung hat sich zum Ziel gesetzt, anhand einer großzahligen internationalen Studie den positiven Zusammenhang zwischen Business Unit Strategie, der Priorisierung der Einkaufspraktiken und der Business Performance aufzuzeigen und zu erklären. Theoretische Grundlage bilden Ansätze aus der Operations Management Forschung, aus der Strategischen Management Forschung, Kontingenztheorie und Resource-Based View. Zur Auswertung der Studie sind verschiedene quantitative Methoden im Einsatz (z.B. Profile Deviation, Strukturgleichungsmodelle).
Ein Spezialthema im Rahmen der Strategiefindung ist die Fragestellung des Offshoring. In diesem Themenfeld liegt der Fokus unserer Forschung auf der konzeptionellen Entwicklung einer klaren Definitionssystematik und der Analyse der Beweggründe zu einer Offshoring-Entscheidung. Im Rahmen einer Forschungskooperation testen wir derzeit das entwickelte Modell zur Offshoring-Entscheidungsfindung anhand von verschiedenen Case Studies in Deutschland und USA.
In diesem Kontext wird auch der Frage nachgegangen, welches die optimalen externen Ressourcen sind, um im globalen Umfeld wettbewerbsfähig zu sein. Insbesondere im Zuge der Öffnung der Märkte im Osten und in Asien liegt ein besonderes Augenmerk auf der Akquise von Ressourcen in Emerging Markets. Für diese Forschungsfragen bildet insbesondere die Resource-based View die theoretische Grundlage.
Organisation
Obwohl die Entwicklung einer Global Sourcing Strategie bei vielen Multinationals auf der Agenda des Chief Purchasing Officers (CPO) steht, scheitern viele dieser Unternehmen bei der Umsetzung einer solchen Strategie. Mit Hilfe verschiedener theoretischer Ansätze und Modelle entwickeln wir Erklärungsansätze und Konzepte, um verschiedene Kontrollmechanismen im Global Sourcing Kontext erfolgreich einzusetzen. Neben einer Langzeitstudie in der Pharmaindustrie, die bei der Konzeptentwicklung einer globalen Einkaufsstruktur beginnt, deren Implementierung begleitet und eine Erfolgsmessung vornimmt, ist unsere Forschung in diesem Feld sehr stark auf qualitative Methoden, insbesondere Case Study Research, fokussiert. So wird im Rahmen einer umfangreichen Fallstudienreihe die Anwendung unterschiedlicher Kontrollmechanismen bei zehn der größten deutschen Unternehmen untersucht und interessante Unterschiede in der Ausgestaltung der Global Sourcing Strategien identifiziert. Diese können durch verschiedene Einflussfaktoren, wie bspw. dem Sitz des internen Kunden und der Expertise im Einkauf, erklärt werden. Es stellt sich jedoch auch heraus, dass viele Unternehmen noch nach praxisgerechten Ansätzen suchen, um Global Sourcing erfolgreich umzusetzen.
Um unserem Anspruch einer anwendungsnahen Forschung zu genügen, haben wir zusammen mit unseren Praxispartnern und im Rahmen einer Forschungskooperation mit der Helsinki University of Technology (HUT) einen Portfolioansatz entwickelt, der Unternehmen bei der Ausgestaltung einer Global Sourcing Strategie unterstützt. Basierend auf diesem Ansatz können Unternehmen ihre unterschiedlichen Materialgruppen nach bestimmten Kriterien klassifizieren und entsprechende Maßnahmen für die Umsetzung von Global Sourcing ableiten.
Operations Excellence
Nach der Strategieentwicklung steht deren erfolgreiche Umsetzung im Mittelpunkt. Allerdings ist es bei der Vielzahl an Einkaufspraktiken entscheidend, welche den größten Beitrag zum Gesamterfolg haben. Dieser Fragestellung sind wir im Rahmen einer umfangreichen internationalen Studie nachgegangen und konnten einige Schlüsselfunktionen identifizieren. Gemäß dieser Studie sind die Fähigkeiten der Mitarbeiter im Einkauf und die gelebte und wahrgenommene Einkaufskultur entscheidend für den Gesamterfolg.
Im Bereich Operations Excellence gibt es ein weiteres Thema, dem sich die Forschung in besonderem Maße widmet. Hier steht die Frage nach den Auswirkungen der internen Vernetzung des Einkaufs mit allen Schnittstellen zu anderen Funktionen (z.B. Produktion, Marketing, Vertrieb, F&E) auf den Einkaufserfolg im Vordergrund. Auf Grundlage des IMP-Ansatzes entwickeln wir ein internes Key-Account-Management-Konzept, das wir in einer großzahligen Studie in Deutschland testen.
In diesem Forschungsfeld sind quantitative Methoden verstärkt im Einsatz, um die entwickelten theoretischen Bezugsrahmen anhand von Strukturgleichungsmodellen empirisch zu testen. Zur Auswertung werden PLS und LISREL verwendet.
Sourcing Services
Im Bereich Sourcing Services liegt das Augenmerk auf Einkaufskategorien, die unter dem Begriff Services zusammengefasst werden (z.B. Marketing Services, Consulting, IT Services, Training/ Weiterbildung). Im Gegensatz zu Sachgütern ist diese Kategorie bisher weniger im Fokus der Forschung. Allerdings bemisst das zugekaufte Einkaufsvolumen an Services durchschnittlich die Hälfte des Gesamtvolumens und hat damit einen substantiellen Anteil des Akquisitionsvolumens an externen Ressourcen. Die Forschung im Bereich Sourcing Services beschäftigt sich mit Problemstellungen beim Einkauf von Serviceleistungen.
In einem Kooperationsprojekt mit der University of Tennessee und der Colorado State University wird mit Hilfe von Wissenschaftstheorien (z.B. Principal Agent Theory) eine theoretische Analyse der Probleme durchgeführt und abgeleitete Hypothesen mit verschiedenen Case Studies fundiert. Insbesondere wird auch die Schnittstelle zwischen Einkäufer, internem Kunden und Lieferanten erforscht. Zunächst liegt der Fokus auf Marketing Services (im Service Bereich eine der größten zugekauften Leistungen). Hierzu wurde im Frühjahr 2006 eine Focus Group mit Teilnehmern aus der Industrie (z.B. BMW, Merck, Lufthansa, Nestlé, DAW) durchgeführt, um eine enge Verzahnung aus Praxis und Wissenschaft sicherzustellen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurden mit Forschern der Eindhoven University of Technology und der RSM Erasmus University Rotterdam theoretische Lösungsansätze anhand einer Case Study entwickelt.
In einer weiteren Forschungsreihe in Kooperation mit der Copenhagen Business School wird am Beispiel eines Marktführers in der Prozessindustrie die Integration zwischen Einkauf und Marketing untersucht. Es wird Fragestellungen nachgegangen, welche Barrieren eine Kooperation zwischen beiden Funktionen behindern. Das Forscherteam entwickelte hierfür ein Modell mit Hypothesen, das mit der detaillierten Case Study validiert und für eine großzahlige empirische Studie vorbereitet wird. In einem zweiten Schritt werden die entwickelten Konzepte auf andere Servicebereiche übertragen.
Human Resource Management
Mit dem Wandel des Einkaufs von der in der Vergangenheit überwiegend operativen zu einer strategischen Ausrichtung hat sich das Anforderungsprofil an den Einkäufer stark verändert. Die Forschung im Bereich HR Management beschäftigt sich einerseits mit der Analyse des "Skills gap" zwischen neuen Anforderungen an den Einkäufer und vorhandenem Leistungs- und Qualifikationsprofil und, darauf aufbauend, mit der Messung und Weiterentwicklung der benötigten Fähigkeiten. Im Bereich der Weiterentwicklung steht im Fokus, welche Effekte Einkaufstrainings auf die Mitarbeiterperformance der Einkäufer haben. Andererseits wird unter dem Schlagwort „Talent Management“ untersucht, welches die geeigneten Strategien sind, um Einkaufstalente, innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu rekrutieren und in ihrer Funktion zu entwickeln. Schließlich steht im Rahmen des Retention Management die Analyse von Methoden im Mittelpunkt, mit denen eine höhere Mitarbeiterbindung erzielt werden kann. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund der asiatischen Länder, da in diesen eine hohe Mitarbeiterfluktuation zu beobachten ist.
Kooperationen
Wir unterhalten vielfältige Beziehungen zu anderen Forschern (z.B. Professor Thomas Ritter, Copenhagen Business School, Professor Finn Wynstra, RSM Erasmus University Rotterdam, Professor Wendy van der Valk, Eindhoven University of Technology, Professor Wendy L. Tate, University of Tennessee, U.S., Professor Lisa M. Ellram, Colorado State University, U.S.). Namhafte Unternehmen wie bspw. Merck KGaA unterstützen uns und sind maßgeblich am Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis beteiligt.