Financial Supply Chain Management

Das Thema Financial Supply Chain Management (FSCM) hat in den letzten Jahren und besonders im Zuge der Finanzkrise eine immense Aufmerksamkeit in der Unternehmens-, aber auch in der akademischen Welt erhalten. Während in den 1990er Jahren Optmierungspotentiale im klassischen Bestandsmanagement Unternehmen zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen helfen konnten, so stoßen einige Unternehmen bereits an ihre Grenze – weitere Verbesserung sind nur mühsam möglich. Um die Lieferkette weiterhin zu optimieren, ist als also längst an der Zeit auch die Finanzflüsse in eine ganzheitliche Optimierung einzubeziehen, ergo FSCM zu betreiben. Mit FSCM können Unternehmen also erfolgreich weitere effektive Wege identifizieren, um ihr working capital (WC) zu verringern und ihre Prozesse zu verbessern. Dies schlägt sich nicht nur in erhöhter Liquidität, deren Wichtigkeit seit der Finanzkrise erhöhte Wertschätzung erfährt, sondern auch in tatsächlicher Leistungsverbesserung nieder.

FSCM umfasst Planung, Management und Überwachung aller Prozesse und Transaktionen, die mit dem Finanzfluss entlang der kompletten Lieferkette verbunden sind. Wie die folgende Abbildung zeigt, kann FSCM als Schnittstelle zwischen Supply Chain Management, Corporate Finance und Risk Management aufgefasst werden. Wenn auch einige Schwerpunkte innerhalb dieses Bereiches altbekannt sind, stellt das ganzheitliche Management dieser Unternehmen vor neue Herausforderungen und die Forschung vor interessante Forschungsfragen.

Im Folgenden sind die Forschungsfragen, mit dem sich das ISCM innerhalb des FSCM beschäftigt, visualisiert.

Forschungsgebiete

Themenschwerpunkte

Das Forschunsgebiet Financial Supply Chain Management manifestiert einen Hauptpfeiler der Forschungsaktivitäten des ISCM. Forschungsergebnisse, die unter andem in weltweit führenden A-Journals veröffentlicht wurden und auf internationalen Konferenzen wie der POMS oder EDSI Konferenz vorgestellt wurden, liefern wichtige Beiträge auf verschiedenen Abstraktionsebenen

Die Forschungsthemen fangen bei betriebswirtschaftlicher Grundlagenforschung mit Fragen wie „Wie wird FSCM in Unternehmen betrieben?“ an und reichen bis hin zu anwendungsorierten Optimierungsmodellen, die z.B. Fragen nach der Ausgestaltung von SC-weiten Zahlungszielen beantwortet. Damit trägt die Forschung des ISCM dazu bei, sowohl innovative Lösungen für Unternehmen zu identifizieren, als auch unser theoretisches Verständnis von der Schnittstelle zwischen Operations Management und Finance voran zu treiben. Die folgende Graphik stellt einige der relevanten Fragestellungen dar.

Methoden

Seit der Gründung der Forschungsgruppe Financial Supply Chain Management in 2009 wurde ein umfangreiches Methodenwissen aufgebaut, das bereits mehrfach in Studien erfolgreich zum Einsatz gekommen ist. Diese vielschichtigen Kompetenzen sind unabdingbar, um die Herausforderungen der Multidimensionalität und Komplexität von FSCM effektiv zu untersuchen. Insbesondere umfassen die Kompetenzen dabei:

  • Formal-analytische Modellierung (Inventory Management, stochastische Differentialgleichungen, Innovations-Diffusions Modellierung)
  • Spieltheorie (kooperative und nicht-kooperative)
  • Großzahlig empirische Erhebungen (Sekundärdaten)
  • Qualitativ-interpretative Studien (grounded theory, Theoriebildung)

Publikationen

Protopappa-Sieke, M., Seifert, R.W., 2011. Interrelating operational and financial performance measurements in a multiproduct inventory system. International Journal of Services and Operations Management 10(3), 328-347.

Protopappa-Sieke, M., Seifert, R.W., 2010.Interrelating operational and financial performance measurements in inventory control. European Journal of Operational Research 204 (3), 439-448.

Kooperationen

Viele Unternehmen haben bereits mit dem ISCM in Forschungsthemen rund um FSCM kooperiert. Nicht nur seit der Finanzkrise ist das Thema auf die Agenda führender Unternehmen in nahezu allen Branchen gerückt, denn sie haben erkannt, welche Potenziale im Finanzfluss ihrer Supply Chain liegen. Konkrete Projekte des ISCM umfassen beispielsweise:

  • Optimierungsmodell zur Bestandsfinanzierung mit einem Logistikdienstleister
  • Qualitatives Benchmark zum Thema FSCM mit einem Chemieunternehmen
  • Quantitative Studie zum Thema Supply Chain Finance mit einer Großbank

Auf großes Interesse stieß ebenso ein „Praktikertag FSCM“, der 2011 vom ISCM ausgerichtet wurde. Mit über 20 Experten wurden Ergebnisse einer qualitativen Benchmark Studie diskutiert und Einblicke in Best-Practices gegeben. Klarer Tenor bei den Teilnehmern: Das Thema FSCM ist sehr wichtig, aber noch in den Kinderschuhen. Kooperationen aus Wissenschaft und Praxis sind nun von großer Bedeutung, um schnell die großen Potentiale aufzuspüren.

Neben diesen Kooperationen aus dem Bereich der Auftragsforschung organisiert das ISCM regelmäßig Workshops und Praktikertage. So das erste Supply Chain Finance Symposium 2011, zu dem Unternehmensvertreter und internationale Spitzenforscher eingeladen wurden. Dieses Symposium, das 2012 seine Fortsetzung am MIT Zaragoza findet, bietet eine Diskussionsebene sowohl für Forschungsideen als auch für Probleme aus der Praxis und stellt die Verbindung zwischen beidem her.

Folgende Grafik verdeutlicht die Einbettung von typischen Themen des FSCM in eine stilisierte Supply Chain mit Logistikdienstleister („3PL“). Zu vielen dieser Themen besitzt das ISCM führendes Forschungswissen und führt angewandte Forschungsprojekte mit Unternehmen aller Branchen durch. Deutlich wird an dieser schematischen Darstellung, dass es unzählige Anknüpfungen gibt, in der FSCM dazu beitragen kann, die Lieferkette effizienter zu gestalten.