Global Sourcing

Global Sourcing Concept
Unter Global Sourcing wird die zielgerichtete Integration und Koordination globaler Einkaufs- und Produktions- strategien verstanden, um die Wertschöpfung eines Unternehmens zu optimieren. Allein die Verdoppelung des Welthandelvolumens von 1995 bis 2005 deutet nachhaltiges Wachstum des Global Sourcing an, das insbesondere anhand der Entwicklung der „Emerging Markets“ wie China und Indien verfolgt werden kann. Nachweislich wird zunehmend Wertschöpfung ins Ausland verlagert. Eine wesentliche Frage für Unternehmen ist hierbei, wo und durch wen die Wertschöpfung erbracht wird und ob sie durch eigene Produktionsstätten im In- oder Ausland oder durch den Einkauf in alternativen Regionen erfolgen soll. Hierbei werden Unternehmen der Komplexität der Global Sourcing-Entscheidung selten gerecht. Zum einen sind interdependente Entscheidungen des Einkaufs (z. B. Auswahl von Lieferanten, Preis- und Mengengestaltung), Produktion (z. B. Eigen- vs. Fremdfertigung, Produktdesign, Standardisierung von Komponenten) und Logistik (Verkehrsträgerwahl, Beschaffungszeiten, Bestände) zu koordinieren. Zum anderen besteht die wachsende Notwendigkeit, Nachhaltigkeitsaspekte und Risiken in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Dabei kommt der Flexibilität eine besondere Bedeutung zu, da sie zum einen aktiv für das Management von Risiken herangezogen werden kann, aber zugleich zu negativen Effekten in Bezug auf die Nachhaltigkeit haben kann (z. B. nicht ausgelastete Transportmittel oder Sondertransporte).
Wissenschaftliches Ziel
Ziel des Teilprojekts ist es, neuartige Methoden zur Analyse und Bewertung von Global Sourcing- Alternativen zu entwickeln, die sowohl interdependente Teilaspekte aus Einkauf, Produktion und Logistik als auch die zuvor angeführten Zieldimensionen berücksichtigen. Basierend auf einer neuartigen Global-Sourcing Typologie wird ein Entscheidungsunterstützungssystem entwickelt, das der skizzierten Komplexität der Entscheidung gerecht wird. Die Begründung der Themenwahl leitet sich aus dem Spannungsfeld ab, das sich aus der Vielzahl von Global Sourcing-Alternativen und ihrem Bezug zu unterschiedlichen Organisationseinheiten in den Unternehmen ergibt. Relevante Sourcing-Alternativen umfassen beispielsweise den Einkauf von Leistungen im Ausland (Offshore Outsourcing), den Aufbau eigener Produktionskapazitäten (Offshoring) sowie das Contract Manufacturing (Beauftragung eines Unternehmens mit der Produktion). Je nach Alternative sind außerdem unterschiedliche Organisationseinheiten (z. B. Einkauf, Produktion) in die Entscheidungsfindung eingebunden. Hierbei kommt es, insbesondere aufgrund fehlender Entscheidungsunterstützung, selten zu einer integrierten und funktionsübergreifenden Entscheidung auf Basis ökonomischer Zielkriterien, Nachhaltigkeitskriterien und Risikoerwägungen. Eine Integration von interdependenten Entscheidungen des Einkaufs, der Produktion und der Logistik ist bisher nicht erfolgt.
Methodik
Für die Entwicklung eines Decision Support Systems ist die Analyse der Global Sourcing- Entscheidung inklusive möglicher Schnittstellen zu den Entscheidungsprozessen Produktion und Logistik notwendig. Unter Einsatz von Fallstudien werden Global Sourcing-Entscheidungsprozesse empirisch analysiert. Ziel ist es, durch Fallstudien zu identifizieren, wie Global Sourcing-Entscheidungsprozesse aussehen und welche Funktionsbereiche die Auswahl auf Basis welcher Zielkriterien beeinflussen.
Projekt
Das Forschungsprojekt „Dynamo PLV“ wird als Schwerpunkt im Rahmen des hessischen Förderprogramms LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) gefördert. Beteiligte Partner sind die TU Darmstadt sowie die European Business School. Ziel des Projekts ist die Überwindung von Grenzen, die Wertschöpfungssystemen durch Entwicklungen wie Globalisierung, steigende Volatilität sowie Urbanisierung gesetzt sind. Integrierte Wertschöpfungsnetzwerke bestimmen zukünftig die Wettbewerbsfähigkeit von Industriestandorten, was eine übergreifende Optimierung der Teilsysteme Produktion, Logistik und Verkehr erfordert. Die nahtlose Betrachtung der Teildisziplinen ist daher notwendig, um die Entscheidungsbasis für ein integriertes Gesamtoptimum zu schaffen.