Was wollen wir trinken?Trinkwasserlogistik in Zeiten der Großen DürrePhilipp Ecken, MBA, Dr. Heiko von der Gracht Erinnern Sie sich an den letzten James Bond? Der Oberschurke Dominic Greene wollte die Welt erobern – mit Wasser. Unter dem Vorwand einer Ölbohrung annektierte er das Grundwasser eines lateinamerikanischen Staates und nahm das Volk als Trinkwasser-Geisel. Am Ende rettete James Bond die Nation. Wer rettet uns? Wasser des Lebens - 16.000 Liter Wasser werden für die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch benötigt, vor allem für die Aufzucht des Getreides, das als Viehfutter dient
- 126 Liter Wasser verbraucht der Deutsche im Schnitt pro Tag. Ein Inder 25 Liter
- 480 km legt eine Plastik-Einwegflasche im Durchschnitt bis zum Endkunden zurück. 260 km sind es für die Mehrwegflasche aus Glas: Mehrweg ist Klimaschutz!
| Trinkwasser, das heute noch in jedem Discount auf uns wartet, könnte schon in wenigen Jahren knapp werden. Eine zwangsläufige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass 97,5 Prozent des Wassers der Erde völlig ungenießbar sind und die Menschheit jährlich um 80 Millionen zunimmt, die Jahr für Jahr 64 Milliarden Kubikmeter Wasser mehr brauchen und verbrauchen. Experten des World Resources Institute befürchten: Ändert sich der Umgang mit Wasser nicht grundlegend, wird im Jahr 2025 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung unter Wasserarmut leiden. Eisberg auf Reisen Unter den Vorzeichen dieser drohenden Not erscheinen Überlegungen nicht wirklich utopisch, das Trinkwasserproblem mit Eisbergen zu lösen. Wissenschaftler haben in mehreren Szenarien ermittelt, dass unter realistischen Bedingungen (Sturm, Gegenwind, Strömung) von einem fast sieben Millionen Tonnen schweren Eisberg nach dem Transport im Schleppverband eines Schiffes immerhin noch mehr als vier Millionen Tonnen als Supereiswürfel zur Trinkwassergewinnung im Zielhafen ankommen. Doch die Frage, wie man Eisberge abschleppt, ist nicht die einzige Herausforderung für die Trinkwasserlogistik. Transport & Nachhaltigkeit In Zeiten der Nachhaltigkeit ist ausgerechnet die Mineralwasserlogistik alles andere als das. Sie setzt eigentlich auf das falsche Transportbehältnis. Im Gegensatz zum Trinkwasser aus dem Wasserhahn kommt die Sprudelflasche nämlich per LKW ins Haus. Der LKW schluckt Sprit und pustet CO2 in die Luft – das Wasserrohr dagegen nicht. Wer zum Beispiel zwei Liter Wasser am Tag trinkt, könnte mit derselben Energiemenge, die für den Transport des Wassers zum Wasserhahn benötigt wird, zwei Kilometer mit seinem Auto fahren. Kauft der Konsument sein Wasser dagegen im Supermarkt, kann er 2000 Kilometer weit Auto fahren: Trinkwasser benötigt für seine Bereitstellung bis zu tausend Mal weniger Energie als Mineralwasser. Und das ist nicht das einzige Problem des Wassers auf Rädern. Ein Schluck Östrogen Eben wegen der geringen Nachhaltigkeit von Mineralwasserflaschen stellten viele Getränkeunternehmen vor Jahren von der Glas- auf die PET-Flasche um: weniger Gewicht, weniger Spritverbrauch, weniger Umweltbelastung und Kosten (bei Mehrwegflaschen). Die Bäume freuen sich darüber – der Mensch weniger. Denn Forscher der Universität Frankfurt a.M. entdeckten bedeutende Mengen östrogenähnlicher Substanzen in PET-Flaschen. Wie sich diese auf die Gesundheit von Menschen auswirken, ist noch größtenteils unerforscht. Viele europäische Regierungen warten diesbezüglich erst einmal die Forschung ab. Australien ist da schon weiter. Keine Flaschen im Busch Vor zwei Jahren verbot der Regierungschef des australischen Bundesstaates New South Wales seinen Behörden, in Flaschen abgefülltes Wasser zu kaufen. Er nannte das "eine Verschwendung von Ressourcen". Kurz darauf verweigerte der Gemeinderat des 2000-Einwohner-Ortes Bundanoon einem Getränkehersteller die Abfüllrechte: Das Unternehmen wollte vor Ort Trinkwasser aus einer Quelle schöpfen, in Tankwagen 100 Kilometer weit nach Sydney transportieren, dort in Flaschen abfüllen, dann zurücktransportieren und in Bundanoon wieder verkaufen. Das war den Bürgern dann doch etwas zu viel Ressourcenverschwendung. Und das ist nicht nur in Australien so. Logistik heißt Lösung Längst steckt die Trinkwasserlogistik nicht nur in Australien in einem Dilemma: Sie soll immer mehr eines immer knapper werdenden Lebensmittels zu immer mehr Menschen bringen – und das immer nachhaltiger. Doch genau das ist die Spezialität von Logistikern: Das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Selbst wenn man dafür Eisberge anzapfen muss... ^ Die Besten der WeltNeue SMI-Studie greift in die ZukunftHAL 9000 heißt der Supercomputer in Arthur C. Clarke’s Weltraum-Epos "A Space Odyssey". Werden Computer in der Zukunftsforschung künftig eine ähnlich prominente Rolle spielen? Die Studie - "The Future of ICT-Based Futures Research"
- Es geht um die zukünftige Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologie in der Zukunftsforschung
- Eine Studie im Rahmen des Spitzenclusterprojektes der Bundesregierung
| Wer heute aus einer Punktwolke einen Trend herausrechnen will, nimmt dafür einen Computer. Wer wissen will, was nächsten Sommer Mode ist, der googelt. Die Frage ist: Sind Kleinstquadratschätzer und Google das Höchste, was Computer zur Zukunftsforschung beisteuern können? Um diese Frage dreht sich die neue Studie des Centers für Zukunftsforschung (CEFU) am SMI. Dafür befragt ein Forscherteam in den kommenden Wochen die besten Zukunftsforscher der Welt. Die Zukunft aufs iPhone Mit der Studie knüpft das Team an die aktuellen Arbeiten internationaler Zukunftsforscher an, wie sie zum Beispiel beim Oxford Futures Forum 2011 vorgestellt und diskutiert wurden. Dort wurde zum Thema auch eine Arbeitsgruppe gebildet aus Mitgliedern des World Economic Forum (WEF), des Massachusetts Institute of Technology (MIT), von Shell und natürlich aus SMI-Forschern. Die Studie wird Ende des Jahres erste Ergebnisse vorlegen – auf die auch Apple gespannt sein dürfte. Denn was bislang Domäne von Wissenschaftlern und Future Groups von Unternehmen war, kann morgen schon Konsumgut für den Normalverbraucher werden: Zukunftsforschung als App auf dem iPhone. Utopie oder Option? Genau diese und andere Fragen untersucht die Studie. ^ Wozu Persönlichkeit?Neuer Trend: Einkauf als CharakterfrageWozu braucht man Persönlichkeit? Im Einkauf? Die Frage drängt sich angesichts einer neuen Entwicklung auf: Einige Unternehmen haben damit begonnen, Personalentwicklung mit Persönlichkeitsentwicklung zu flankieren. Eine Frage des Charakters - Die berühmte Integration des Einkaufs ist in erster Linie keine Struktur- oder Prozessfrage
- Denn eine starke, integrative Persönlichkeit wird auch ohne geeignete Strukturen und Prozesse von den Fachabteilungen akzeptiert
- Die Frage ist: Woher kommt die starke, integrative Persönlichkeit?
| Im Umgang mit Fachabteilungen und externen Partnern der Supply Chain erheben sich für pro-aktive Manager und Mitarbeiter immer wieder dieselben Fragen: Wie setze ich mich ohne Disziplinarhoheit durch? Wie überzeuge ich, ohne Frust und Trotz zu provozieren? Wie treffe ich schnelle und gute Entscheidungen? Was brauche ich dazu? Oder kurz: Wie kriege ich Persönlichkeit? Denn eines ist klar: Intern und extern akzeptiert wird nicht der Machtmanager, Paperpusher oder "Formularausfüller", sondern die gestandene Persönlichkeit. Das ist neu Bislang war das Thema "Persönlichkeit" Domäne des Topmanagements. Die Belegschaft bekam Trainings in Kommunikation oder Teamentwicklung. Dem internen und externen Standing von Einkauf und Supply Chain Management hat das nur wenig gebracht. Deshalb gehen einige Unternehmen weiter und greifen innerhalb einer neuen Persönlichkeitsbildung bislang ausgesparte Themen auf: Typologie und Verhaltensprädisposition, Motivstruktur und Karriereanker und vor allem multidisziplinäres und multifunktionales Wissen. Flankierend tauchen in den Konzepten weitere Themen auf wie persönlicher Kommunikationsstil, Auftritt und Wirkung, Change-, Zukunfts- und Coaching-Kompetenz und insbesondere Konflikt-, Komplexitätsnavigations- und Reflexionsfähigkeit. Keine abgehobenen Abstrakta, betrachtet man die Vorgänge im real vorhandenen Supply Chain Management. War doch nicht bös’ gemeint! Da wird zum Beispiel knallhart mit einem Lieferanten über den Preis verhandelt und hinterher erstaunt zur Kenntnis genommen, dass dieser den Geist der strategischen Kooperation verletzt. Wie könnte er auch anders, wenn er sich vom verhandelnden Supply Manager unfair angegangen fühlt und dieser die Missstimmung weder wahrnehmen noch sein eigenes Verhalten reflektieren kann? Bislang haben nur wenige Unternehmen solche Mängel in der Persönlichkeitsbildung auf dem Radar. Erste Trainingskonzepte werden geschrieben, unter anderem von der SMI Executive Education. Es braucht keinen Nostradamus, um das Trendpotenzial dieser Entwicklung zu erkennen. Vor allem deshalb, weil Einkäufer und Supply (Chain) Manager nach dem Trainingsbesuch bemerken: Es kauft sich leichter ein, wenn man von allen respektiert wird. ^ Wie wir entscheidenEuropäische Entscheidungsforscher tagen und prämierenDass wir täglich dutzendfach entscheiden müssen, ist klar. Wie wir entscheiden dagegen eher weniger. Kopf- oder Bauchentscheidung? Formales Entscheidungsmodell oder Trial & Error? Nicht nur solche Grundsatzfragen und die neuesten Entwicklungen der Entscheidungsforschung beschäftigten die Teilnehmer der 2nd Regional Conference of the European Decision Sciences Institute (EDSI) 2011. Die EDSI-Konferenz - Wissenschaftler aus der ganzen Welt referierten und diskutierten zwei Tage lang auf Einladung der EBS
- Der EDSI Best Paper Award ging nach Zürich
- Nächstes Jahr in Istanbul
| Mit dem Preis für das beste eingereichte Paper ausgezeichnet wurden Prof. Dr. Stephan M. Wagner und Dr. Christoph Bode von der ETH Zürich zusammen mit Prof. Zach G. Zacharia von der Lehigh University, Pennsylvania. Ihr Thema: Was treibt die lieferanten-getriebene Innovation? In Zürich entscheiden lernen Das transatlantische Forschertrio untersuchte eine kritische Entscheidungsschwelle moderner Supply Chains, nämlich die Innovation im Einkauf. Mit ihrem prämierten Beitrag präsentierten die Wissenschaftler ein Modell, das die Bedingungen aufzeigt, unter denen sich Lieferanten zu der nicht ganz selbstverständlichen Entscheidung durchringen können, ihre Innovationen mit ihren Kunden zu teilen. In der praktischen Anwendung bedeutet dies eine deutliche Verbesserung der Innovationsstärke einer Supply Chain. Enger knüpfen Neben vielen interessanten Referaten und Fachbeiträgen bot die Konferenz unter ihrem diesjährigen Motto "Bridging Communities" den versammelten Forschern auch die Gelegenheit, ihre weit verstreuten Forschergruppen näher zusammen zu bringen und ihr Netzwerk enger zu knüpfen. Dass die EDSI dabei auf gutem Weg ist, zeigte auch die im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsene Teilnehmerzahl der Konferenz. Dieser Wachstumskurs soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden, wenn die Konferenz auf Einladung von Prof. Sukran Kadipasaoglu an der Instanbul Kemerburgaz University zu Gast ist. ^ Konferenz mit KristallkugelZukunftsforscher treffen sich in VancouverVon 7. bis 10. Juli trafen sich Zukunftsforscher aus der ganzen Welt im kanadischen Vancouver zu ihrer jährlichen Konferenz. Auf deren Programm stand zum ersten Mal ein Vortrag des SMI. Sein Thema: Judgmental Forecasting. WorldFuture 2011 - 800 Teilnehmer aus Beratung, Industrie, Non Profit Organizations, Instituten und Universitäten
- Veranstaltet von der 1966 gegründeten World Future Society (WFS), die Mitglieder aus 80 Ländern vereint
- Diesjähriges Motto: Moving from vision to action
| Beim Judgmental Forecasting, über das Dr. Heiko von der Gracht referierte, handelt es sich um eine Klasse von Zukunftsinstrumenten, die prima facie dem wissenschaftlichen Anspruch zuwiderlaufen: Sie erheben keine objektiv messbaren Daten, sondern subjektive Einschätzungen von Wahrscheinlichkeiten. Und trotzdem oder gerade deshalb ergibt sich bei deren Anwendung am Ende ein oft verblüffend aussagekräftiges Bild der Zukunft. Um dieses Bild dreht sich alles. Die subjektive Zukunft Leider bedurfte es auch der schlimmen Krisen der jüngsten Vergangenheit, um der Zukunftsforschung im Zeitalter exogener Schocks auch in der Wirtschaft das nötige Gewicht zu verleihen. Seither erfreuen sich Konferenzen wie jene in Vancouver nicht nur des regen Interesses der ausgewiesenen wissenschaftlichen Erforscher der Zukunft. Mittlerweile ist die Zukunft auch ein Thema im Management, vor allem ihre Vorhersagbarkeit. Abgeschreckt vom oft großen quantitativen Aufwand für eine verlässliche Prognostik, bietet Judgmental Forecasting einen großen Trost für alle Praktiker: Die Zukunft kann nicht nur subjektiv erlebt, sie kann auch subjektiv prognostiziert werden. ^
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