Logistik als LebensretterHektik auf Haiti: Hilfsgüter sind nicht der EngpassDaniel Pulko, M.Eng., Dr. Heiko von der Gracht Erdbeben? Tsunami? Zehntausende in Not? Kein Problem, die Katastrophenlogistik hilft. Sie gibt den Hungrigen Nahrung und den Obdachlosen Schutz. Schnell, unbürokratisch und umfassend. Tatsächlich? Schön wär’s ja. Doch in der Realität steckt die Logistik gegen die Not selber in Not. Helfen, retten, bergen: Drei Zahlen - Bis zu 80% der Kosten für Hilfseinsätze werden nicht für Hilfsgüter, sondern für Disaster Relief Logistics aufgewandt, die dafür sorgt, dass die Hilfsgüter trotz meist zerstörter Infrastruktur vor Ort gelangen
- 2,6 Mrd. Menschen waren von 1990 bis 1999 von Naturkatastrophen betroffen. In der Dekade davor war es noch eine Milliarde weniger
- 400 Katastrophen zählte die Independent Evaluation Group der Weltbank im Jahr 2005. 1975 waren es noch weniger als 100: Das Zeitalter exogener Schocks hat begonnen
| Im letzten Jahr zerstörte ein schweres Erdbeben große Teile von Haiti. Die darauf einsetzende Hilfsbereitschaft war überwältigend. Aus aller Welt brachten Flugzeuge Hilfsgüter. Einziges Problem: Sie konnten nicht landen. Nicht weil das Erdbeben alle Flugplätze zerstört hätte. Sondern weil Logistiker des US-Militärs aus Furcht vor Terror-Anschlägen anfliegende europäische Flugzeuge von THW oder Rotem Kreuz zurückwinkten: "Keine Landefreigabe! Wir können Sie nicht zweifelsfrei identifizieren." Was läuft hier schief? Die Flugzeuge mussten auf entlegene Flugplätze ausweichen. Die Auslieferung der dringend benötigten Hilfsmittel verzögerte sich wegen der zerstörten Infrastruktur. Für Haiti und andere Naturkatastrophen untersucht seit 2010 der Arbeitskreis "Humanitäre Logistik" der BVL und der TU Berlin allfällige Engpässe bei Hilfsorganisationen. Das betrifft nicht nur Haiti. Engpass Integration Eigentlich ein unfassbarer Zustand: Die Hilfsgüter und Medikamente sind im Überfluss vorhanden, die Transportmittel ebenfalls, oft sind die Paletten mit den Hilfsgütern sogar bereits in den betroffenen Ländern angelandet – aber sie liegen dort und schaffen nicht die berühmte letzte Meile zu den Notleidenden. Nicht weil es an Penicillin, Zelten, Wasser oder Milchpulver fehlen würde. Es fehlt an etwas völlig Abstraktem: Kommunikation, Koordination, Kooperation und Integration. Und nicht nur in der Dritten Welt! Sogar Deutschland, der Logistik-Champion, war vor zwei Jahren in diesem Sinne logistisches Notstandsgebiet: Es war Schweinegrippe und die Impfdosen kamen nicht bei den Arztpraxen an. Wie lassen sich diese rätselhaften Versorgungspannen vermeiden? Koordinieren statt Transportieren Zum einen stimmen die logistischen Verhältnisse noch nicht: Für jeden LKW-Fahrer, jeden Mehlsäcke verteilenden Helfer auf der Ladefläche im Brennpunkt des Geschehens wären eigentlich drei bis manchmal sieben Supply Chain Manager "in der Etappe" nötig, die den Informationsfluss zwischen den einzelnen Hilfsorganisationen, NGOs, Streitkräften, Regierungsvertretern und Behörden koordinieren, lange schon vor der nächsten Katastrophe allfällige Szenarien in Kooperation mit diesen Partnerorganisationen durchspielen und alle diese Partner besser in die übergreifende Supply Chain integrieren. Zum anderen benötigt es überhaupt erst einmal Menschen, die dazu fähig sind. Zu allem fähig Die Hilfsgüter sind längst en masse vorhanden, die Menschen dafür noch nicht in ausreichender Zahl. Die zunehmenden Katastrophen unserer Zeit verlangen nicht nach noch mehr wohlmeinenden Helfern, sondern nach Supply Chain Managern, die zum Beispiel schon in den ersten Tagen einer Katastrophe den improvisierten Tourenplan der im Einsatz befindlichen LKW so optimieren können, dass die Gesamtzahl der gefahrenen Kilometer halbiert und damit die Zeit bis zum Eintreffen der Hilfslieferungen an den jeweiligen Ausgabestellen verkürzt wird – was Leben rettet. Kurz gesagt: Es ist nicht die Logistik, die Menschenleben rettet. Es ist der qualifizierte Disaster Relief Chain Manager, der Supply Chain Manager für den Katastrophenfall. ^ Grüne Ideen, schwarze ZahlenNeue Studie zur "Excellence in Supply Chain Sustainability"Obwohl die meisten Unternehmen gerade sehr damit beschäftigt sind, die Umsatzverluste der beiden "verlorenen" Jahre aufzuholen: Nachhaltigkeit ist und bleibt das Prioritätsziel für alle Branchen. Ein Ziel, das auf höchster strategischer Ebene verhandelt und verfolgt wird, wie die neue Studie feststellt. Die Studie - Logica, der Management- und IT-Beratungsdienstleister, und das SMI haben zusammen geforscht
- Jetzt wurde die neue Studie vorgestellt
- Die Studie räumt mit einem beliebten Mythos der Nachhaltigkeit auf
| Dass es in Sachen Nachhaltigkeit deutliche Unterschiede gibt, zeigt die Studie an über 100 Unternehmen aus einer Vielzahl von Industrien: Top-Performer widmen dem Thema doppelt so viel Aufmerksamkeit wie Low-Performer. Die wichtigste Erkenntnis der Studie dürfte jedoch der Sturz eines hartnäckigen Mythos sein. Nur ein Mythos Es gibt einen eindeutig messbaren Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Unternehmensperformance. Je intensiver Unternehmen Aktivitäten wie die Modernisierung der Fahrzeugflotte oder die Zusammenstellung der Transportmodi nach Aspekten der Nachhaltigkeit verfolgen, desto nachhaltiger ist aller Voraussicht nach ihr Wettbewerbsvorteil, verglichen mit dem Industriedurchschnitt. Dieses Studienergebnis zerstört das hartnäckige Missverständnis, dass Nachhaltigkeit nur Geld koste. Es ist genau umgekehrt: Wer in Nachhaltigkeit investiert, hat das bessere Ergebnis. Die Studie liefert neben den statistisch fundierten Erkenntnissen auch konkrete Praxishilfe: Mit Hilfe der Umfragedaten können die SMI-Forscher und Logica interessierten Managern theoretische sowie praktische Empfehlungen geben, wie sie ihr Unternehmen nachhaltiger gestalten können. ^ Barometer fürs Business"Branchenbarometer Logistik" vorgestelltDass in den Herbstgutachten die Konjunktur-Gurus regelmäßig das voraussichtliche BIP-Wachstum im kommenden Jahr mit X Prozent angeben, empfinden selbst Erstsemester als wenig hilfreich. Die Zahl ist einfach zu hoch aggregiert, um dem Manager an der Rampe nützlich zu sein. Auch deshalb haben das SMI und das Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der EBS ein Prognostikum mit etwas mehr Spezifität entwickelt: das Branchenbarometer Logistik, das soeben vorgestellt wurde. Nützliche Zahlen - Das Barometer prognostiziert die Entwicklung von zwölf Kostentreibern der Logistik für das laufende Jahr
- Der schlimmste Kostentreiber ist dabei nicht der Dieselpreis, sondern die Bank
- Mittelfristig soll das Kostenniveau das Vorkrisenniveau übersteigen
| Welche Kosten werden in diesem Jahr besonders stark wachsen? Sprit, Lohn, Lohnnebenkosten? Diese Kostenarten steigen alle – wie erwartet. Doch eine echte Kostengranate zündet in unerwarteter Ecke. Schock auf der Bank Einen rasanten Anstieg der langfristigen Zinsen um rund 27 Prozent, der kurzfristigen Zinsen um rund 39 Prozent und der mittelfristigen Zinsen um sagenhafte rund 71 Prozent prognostiziert das Barometer. Bedrückende Aussichten für das nächste Gespräch mit dem Bankberater, könnte man meinen. Dem widerspricht Dr. Heiko von der Gracht, Leiter des Center für Zukunftsforschung und Wissensmanagement (CEFU), dessen Forschergruppe das Barometer zusammen mit dem SIIE konstruiert hat: "No news is bad news. Schlimmer als eine Kosten-Rallye ist, ohne Vorwarnung von ihr erfasst zu werden." In diesem Sinne bietet das neue Barometer jedem interessierten Logistik-Manager die nötige Transparenz für vorausschauende und vor allem wissenschaftlich fundierte Business-Entscheidungen. ^ CoMo kommt!Methoden für die ZukunftFrüher schrieb man mit dem Federkiel. Ein Brief kommt auch so zustande. Mit Word geht’s aber schneller, einfacher, bequemer. Analoges gilt für die Zukunft: Die Kristallkugel ist nett, aber mit Computer geht das besser. Wie? Genau das untersucht CoMo. Das Projekt CoMo - Das Akronym steht für Competitiveness Monitor: ein innovativer Methodenbaukasten zur strategischen Zukunftsplanung in der Logistik
- Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Spitzencluster-Initiative gefördertes Projekt
- CoMo ist Teil des EffizienzClusters LogistikRuhr, in dem 120 Unternehmen und 11 Forschungseinrichtungen zusammengefasst sind mit dem Ziel, 100 Innovationen zu entwickeln und zu vermarkten
- Die Leitung des Verbundprojektes liegt bei Dr. Heiko von der Gracht, Leiter des Center für Zukunftsforschung und Wissensmanagement (CEFU) am SMI
| CoMo entwickelt eine so geniale wie pragmatische Idee bis zur Prototyp-Reife: Hat ein Logistiker eine Frage zur Zukunft seiner Branche und seines Business, geht er ins Internet auf die CoMo-Plattform, loggt sich ein und gewinnt direkten Zugriff auf drei wissenschaftlich fundierte Zukunfts-Tools. Erstens auf das Branchenvariometer, mit dem er das Marktpotenzial einer frisch angedachten oder entwickelten Innovation testen kann. Das geschieht über einen Prognosemarkt, der sehr viel genauer arbeitet als die üblichen Meinungsumfragen. Das zweite Tool ist eine Trend-Datenbank, die dem Nutzer die neuesten Marktentwicklungen in der Logistik anzeigt. Und das dritte Instrument ist eine Zukunfts-Werkstatt online, in der die Akteure aus dem Cluster gemeinsam an Handlungsoptionen und Lösungswegen für logistische Herausforderungen arbeiten können. Der Cluster zuerst Die einzelnen Instrumente sind miteinander verknüpft, so dass das Gesamte mehr nutzt als die Summe seiner Teile. Die Tools werden derzeit noch entwickelt und getestet. Bis Mitte 2013 sollen ersten Ergebnisse vorliegen. Unternehmenspartner des Projektes sind Bayer MaterialScience, dilotec und BrainNet. In einer ersten Phase soll der CoMo-Prototyp nur den Cluster-Mitgliedern zur Verfügung stehen. In einer weiteren Phase dann über den Cluster hinaus der gesamten Logistik und auch Unternehmen über die Branchengrenzen der Logistik hinaus. Denn Zukunft geht alle an. ^ Zukunft für den MittelstandDie System Alliance holt alle ins BootNormalereise ist die Zukunftsforschung der Wirtschaft angestammte Domäne der Konzerne mit ihren millionenschweren Stäben und Forschergruppen. Dass die System Alliance, eine Kooperation mittelständischer deutscher Logistikdienstleister, jetzt die Zukunft für sich und ihre Mitglieder entdeckt hat und mit modernen Mitteln bearbeitet, ist wegweisend. Die Zukunfts-Werkstatt - Über mehrere Monate wurden acht Foresight-Workshops mit insgesamt 80 Logistikexperten aller Hierarchiestufen, eine Online-Befragung von weiteren 256 Logistikern, Interviews mit 19 Top-Executives und Analysen von 22 Zukunftsstudien durchgeführt
- Das alles, um die zentralen Logistiktrends der kommenden Jahre zu identifizieren
- Mit dem Ziel: Entwicklung von Zukunftsstrategien für die System Alliance
| An Konzeption und Realisation der Workshops und bei der Erstellung des in diesen Tagen vorgestellten Zukunfts-Reports waren maßgeblich SMI-Forscher beteiligt. Was sind die Kernbotschaften des Reports? Im Kern Die abgeschlossene Zukunfts-Werkstatt hat ihre Themenausbeute zu handlichen Kernbotschaften zusammengefasst, unter anderem: Die Zukunft der Logistik muss aktiv, das heißt nicht nur in der Trendnachfolge, sondern in der Trendgestaltung angegangen werden. Sie muss fundiert diskutiert werden: Das bedeutet, nicht auf Basis der aktuellen, eher auf Befürchtungen und plakativen Annahmen über die Zukunft geführten Diskussion, sondern auf Grundlage von Experten-, Kundenbefragungen und wissenschaftlichen Studien. Der Zukunfts-Report sieht auch eine Verschiebung der Schwerpunkte: Zwar wird die Logistik auch in Zukunft transportieren, lagern und kommissionieren. Doch werden in Zukunft jene Logistikdienstleister die Nase vorn haben, die vor allem auf Innovation, neue Supply Chain Services und neue Lösungen für Kundenbedürfnisse setzen. ^ Sommer! Sonne! Schule!International Study Experience: Durham at EBSAb ins Ausland in den Semesterferien! Wer kein Auslandssemester einlegen kann oder möchte, bekommt mit der Summer School die Gelegenheit, sich in interessanten Ländern mit Themen zu beschäftigen, die über den Stoff der normalen Vorlesung hinausgehen und einen regionalen Fokus auf die Gegebenheiten im Gastland legen. Diese attraktive Gelegenheit nahmen unlängst elf Studierende des berufsbegleitenden MBA-Programms der Durham Business School auf Einladung der EBS an. Summer School - Die MBA-Studierenden kamen aus England, Mexiko, Kanada, Indien, Türkei und China
- Die Ingenieure, Rechtsanwälte und anderen Teilnehmer verfügten über bis zu 15 Jahre Berufserfahrung
- Mit SMI-Betreuung unter Leitung von Dr. Inga-Lena Darkow beschäftigten sie sich mit den besonderen Gegebenheiten des Supply Chain Managements in Deutschland, insbesondere in der Automobilindustrie, weshalb sie auch zur Werksbesichtigung bei Opel in Rüsselsheim waren
| Und nicht nur dort. Die Gäste besuchten während ihres zehntägigen Aufenthalts auf ihren Exkursionen auch den Frankfurter Flughafen und die Europäische Zentralbank. Bei den Vorlesungen im Seminarsaal beschäftigten sie sich mit den spezifischen Herausforderungen der deutschen Industrie. Spezifisch deutsch Es ging um branchenübergreifende Themen wie die inzwischen übergroße Variantenvielfalt in der industriellen Produktion, um die Konsolidierung der Märkte und die Fragmentierung der Wertschöpfungsketten. Eine konkrete Entscheidungsfindung innerhalb der SCM-Problematik und ihre finanziellen Konsequenzen spielten die Teilnehmenden in einer Business-Simulation durch. Daneben besuchten sie auch einen "German Survival Course" in Deutscher Business-Etikette, bei dem es um typisch deutsche Eigenarten wie das geschärfte Verständnis für Pünktlichkeit, die betonte Förmlichkeit oder die oft missverstandene direkte Kommunikation ging. Neben ihrem Teilnahme-Zertifikat nahmen die Gäste auch persönliche Eindrücke von Land und Leuten mit, die sie bei offiziellen Essen, beim Weinkeller-Besuch oder bei der obligatorischen Rheingau-Tour gewonnen hatten. Wie der Name "International Study Experience" schon andeutet: Es geht um Studieren und Erfahren. ^ Gute Entscheidung2. EDSI Conference steht vor der TürAuf die Kernkraft zu setzen war möglicherweise keine so gute Entscheidung. Wer weiß das schon? Was ist überhaupt eine gute Entscheidung? Das ist Gegenstand der Forschung. Die Wissenschaftler dieses Forschungsgebiets treffen sich in diesen Tagen im Rheingau zu ihrer zweiten europäischen Konferenz. Die Konferenz - Am 24. und 25. Juni ist die 2nd European Decision Sciences Institute (EDSI) Conference zu Gast an der EBS
- Aus ganz Europa kommen Wissenschaftler zusammen, die Grundlagen-, angewandte und theoretische Forschung zur Entscheidungsfindung betreiben
- Für das Programm der Konferenz zeichnen auf Seiten des Ausrichters die SMI-Professoren Richard Pibernik, Michael Henke und Constantin Blome verantwortlich
| An der kommenden Konferenz werden auch herausragende Forscherpersönlichkeiten aus den USA teilnehmen sowie die Präsidenten des übergeordneten Decision Sciences Institute (DSI).Das bereits 1968 in Atlanta gegründete DSI ist die weltweit führende Forschungsorganisation auf dem Gebiet der Entscheidungsforschung. Das EDSI vereinigt die europäischen Forscher dieser Forschungsrichtung, von denen sich viele über Europas Grenzen hinaus einen Namen gemacht haben. Unter dem Motto der aktuellen Konferenz, "Bridging Communities", sollen die starken aber verstreuten Communities in ganz Europa zu einem Netzwerk von Entscheidungsforschern zusammengeführt werden. Kein Jahr zu früh. Guter Zeitpunkt Angesichts der abwechselnden Wirtschafts- und Naturkatastrophen stellt sich inzwischen auch die bürgerliche und gesellschaftliche Community immer ernüchterter die Frage nach validen Vorab-Kriterien für "gute" Entscheidungen. Der mit der Einladung zur 2. EDSI Conference versandte Aufruf des Organisationskomitees zur aktiven Netzwerkbildung mit der Initiierung vieler neuer, europa-übergreifender Projekte und Kooperationen während der Konferenz kommt deshalb gerade zur rechten Zeit: Je stärker das Netzwerk, desto besser die Forschung. ^
|