
Integrierte Supply Chains
Wie macht sich Integration in der Wertschöpfungskette bezahlt?
Die Supply Chain vor der Zerreißprobe: Internationale Arbeitsteilung und global verteilte Wertschöpfungsketten sind der Alltag von Supply Chain Managern. Jedoch stellt sich häufig die Frage: Ist viel Integration erstrebenswert? Wann macht sich Integration bezahlt? Die Antwort aus dieser Studie: Es kommt darauf an – und zwar auch auf die Einstellung zur Integration (Wollen), die Strukturen für die Zusammenarbeit (Können) und die tatsächliche Anwendung von Techniken und Praktiken (Machen). Der Dreiklang aus Wollen – Können – Machen ist jedoch nicht in allen Bereichen der Integration umgesetzt.
Interne Integration: Die interne Integration ist Voraussetzung für weitere Dimensionen der Integration. Ohne diese können Lieferanten- und Kundenintegration nicht auf den Erfolg der Supply Chain wirken. Zur internen Integration gehören die Aspekte funktionsübergreifende Vereinheitlichung, Standardisierung, Vereinfachung und strukturelle Anpassung an die Unternehmensbedürfnisse. Die Compliance ist hier zwar gewünscht, aber noch nicht umgesetzt.
Kundenintegration: Die Integration von Kunden in Wertschöpfungsketten ist insbesondere in dynamischen Märkten elementar. Dazu gehören die spezifische Ansprache von Kundensegmenten und die Flexibilität, auf unerwartete operative Ereignisse eingehen zu können. Die Orientierung am Hauptkunden bleibt dabei ein wenig hinter den Erwartungen zurück; bei der Notwendigkeit zur Reaktion auf spezielle Kundenbedürfnisse würden die Unternehmen hingegen gerne weniger stark Ressourcen investieren müssen.
Lieferantenintegration: Die Lieferantenintegration entfaltet ihre Wirkung auf die Supply Chain insbesondere in eher stabilen Märkten, die Effizienz-getriebene Lieferketten erfordern. Dabei spielt die strategische Ausrichtung des Lieferanten im Wollen, Können und Machen die größte Rolle. Die operative Anbindung und das Lieferantenmanagement gehören selbstverständlich auch dazu. Die finanzielle Verflechtung mit Lieferanten ist zwar gewünscht, aber weder strukturell noch in der Anwendung bisher umgesetzt.
Planungs- und Technologieintegration: Die Planungs- und Technologieintegration ist in einem nahezu harmonischen Dreiklang, wenn Einstellungen, Strukturen und Anwendung miteinander vergleichen werden. Dabei ist das Informationsmanagement als Voraussetzung für alle anderen Facetten zu betrachten. Hinzu kommen die interne Kommunikation, Anbindungsintensität und das collaborative Forecasting.
Controllingintegration: Die konkrete Umsetzung der Controllingintegration bleibt weit hinter dem Wollen und teilweise auch den Strukturen zurück. Die mehrdimensionale Erfolgsmessung, Total-Cost-Ansätze, einheitliche Standards zur Bewertung sowie die Messung der finanziellen Auswirkungen von Maßnahmen in der Supply Chain warten demnach noch auf ihren flächendeckenden Einsatz.
Beziehungsintegration: Für die Beziehungsintegration herrscht ein insgesamt mittleres Niveau für das Wollen, Können und Machen vor. Dabei werden Rollenklarheit, Richtlinien und Risikoteilung ähnlich bewertet. Lediglich die Informationsbereitstellung an die Partner wird stärker umgesetzt als gewünscht.
Risikomanagement-Integration: Beim Risikomanagement herrscht die größte Diskrepanz zwischen dem Grad der Anwendung und dem gewünschten Engagement. Dabei werden die Aspekte der Risikodefinition, -bewertung und entsprechender Maßnahmen einbezogen.
Wissensmanagement-Integration: Die Integration von Wissensmanagement in das Management integrierter Supply Chains deckt Offenheit, das Bestehen von Regularien sowie den Grad der Formalisierung ab. Hier Liegen das Können, Wollen und Machen auf einem mittleren Niveau.
Machen sich integrierte Supply Chains bezahlt? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. In eher dynamischen Märkten lohnt sich die Kundenintegration, in stabilen und effizienz-getriebenen Märkten ist die Lieferantenintegration Erfolg versprechend. Asymmetrische Integrationsmuster sind somit envogue. Dennoch ist kein Ausruhen möglich – die Märkte warten nicht auf komplizierte Abstimmungsprozesse sondern wollen integrierte Supply Chains sehen.