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Chinesisch für Anfänger - Part 1

Gestern Morgen um ziemlich genau 6:00 Uhr setzte die 747 von Lufthansa auf dem Flughafen in Frankfurt auf. Nach knapp einem halben Jahr im Ausland, fern ab von der Heimat, war das schon ein beeindruckender Moment - Grund genug einen Augenblick in die Retrospektive zu gehen und die letzten paar Monate noch mal Revue passieren zu lassen.

Begonnen hat alles mit der Wahl der Auslandsuni im Frühjahr 2011. Nachdem ich im Bachelor in den USA studiert hatte, war klar: Das scheidet aus! Aber wohin dann? Irgendwo in die Sonne? Vielleicht noch mal mein mittlerweile desolates Spanisch auffrischen? Oder Französisch? Da gab es schon die ein oder andere Möglichkeit. China hatte ich zunächst gar nicht auf dem Schirm. Ich war überhaupt nicht neugierig darauf, Freunde hatten mir berichtet, dass es hektisch sei, keiner spräche Englisch, Facebook und Youtube funktionierten nicht und das Essen ... ja, das hätte überhaupt nichts mit dem zu tun, was man so aus dem "Lotus Garden" um die Ecke kennt. Da würde man sich als Europäer ganz schön umstellen müssen. Insgesamt hatte ich also eine sehr grausige Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Auf der anderen Seite hingegen bereite ich mich derzeit darauf vor, beruflich in der Automobilindustrie Fuß zu fassen und wenn es da einen Ort gibt, an dem man besser mal gewesen sein sollte, dann ja wohl China. So kam es, dass ich vor der Entscheidung wohin es schlussendlich gehen sollte einen kleinen, inneren Zwist mit mir selbst auszutragen hatte. Am Ende hat die Vernunft gewonnen: You (Felix Derkum) have been allocated to Shanghai Jiao Tong University. China ich komme, zieh dich schon mal warm an! Letzten Endes dachte ich mir, wenn du schon die Zeit hast noch mal für länger weg zu kommen, dann bloß nicht irgendwohin, wo ich binnen 5 Stunden auch per Anhalter kommen kann und vielleicht schadet es auch nicht, die berühmt berüchtigte "Comfort Zone" mal zu verlassen und etwas gänzlich neues kennen zu lernen. Und wieder einmal musste ich lernen, dass man einfach alles besser selber ergründet. Andere sehen die Dinge eben nie so, wie man selbst. Ich bin froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin und China wirklich erlebt habe. Schon heute, einen Tag nach meiner Rückkehr, kann ich sagen: Es war eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens. Wie konnte es soweit kommen? Dazu später mehr ...

Wochenrückblick: Was das Eis uns lehrt

Es ist wirklich kalt geworden.

Seit ich hier schreibe, schreibe ich irgendwie noch häufiger über das Wetter und eröffne vor allem noch häufiger mit ihm als in den sieben Jahren davor. Und da gehörte es schon zu meinen Lieblingsthematiken. Was das rechtfertigt, ist allerdings seit jeher klar: Es geht nie nur um das Wetter.

Manchmal müssen wir eine ganze Weile warten, bis wir erfahren, was eigentlich bei einer Sache herausgekommen ist.

Was er eigentlich gebracht hat, all der Aufwand. Ob sie sich gelohnt hat, all die Mühe. Ob wir es beim nächsten Mal wieder genauso machen können, weil es funktioniert hat. Oder ob wir uns etwas Neues überlegen müssen, weil es fehlgeschlagen ist. Nicht alles entfaltet sofort seine Wirkung. Nicht alles liefert sofort ein Ergebnis. Oft ist Geduld gefragt, wenn wir wirklich wissen wollen, ob etwas gut war oder nicht. Manchmal ist es besser, etwas ruhen zu lassen, nachdem man etwas dafür getan hat. Nur indem wir es sich von da an entwickeln lassen, können wir feststellen, was wir tatsächlich bewirkt haben. Und manchmal haben wir auch schlicht keine Möglichkeit mehr, etwas nachzubessern, etwas hinzuzusetzen oder etwas wieder wegzunehmen, das wir bereuen.

Und je länger das Warten, je höher das Ziel und vor allem je mehr uns daran liegt, desto entscheidender ist dann der Moment der Wahrheit.

Am Montagmorgen war es noch der altbekannte Winter 2011/2012. So, wie er uns gut zwei Monate lang dazu gebracht hatte, uns an ihn zu gewöhnen. Es war trüb und mäßig kühl. So, dass es gar nicht auffiel.

Der Blick wanderte von Seoul hinaus aus dem Fenster auf den großen Parkplatz der Eswe. Wo Busse sich vorbei an dicht an dicht gereihten anderen, stehenden Bussen schlängelten, um zu tanken, um saubergemacht zu werden, um einfach nur den Parkplatz zu verlassen und den Dienst draußen in der wahren Welt anzutreten. Der Blick wanderte hinaus auf die Fahrer, die in ihrer üblichen Arbeitskleidung umherschlenderten, wie von Geisterhand die vordere Tür des nächstbesten Busses öffneten und einstiegen. Oder auf jene, die ihren Bus, mit dem sie nun Gott weiß wie lang unterwegs gewesen waren, neben einem anderen stehenden Bus abstellten, sorgsam parallel und platzsparend, damit auch ja alle hierhin passten, wenn es wieder Nacht und in Wiesbaden für ein paar Stunden nichts mehr fahren würde.

Was nicht alles passiert ist, seit ich vor genau sechs Jahren mein Praktikum bei Eswe Verkehr gemacht habe, genau dort, in dem Gebäude am Busparkplatz. Zu Zeiten, da dieser moderne Bau nebenan noch was weiß ich wem gehörte. Zu Zeiten, da wohl noch niemand je ernsthaft an eine EBS Law School gedacht hatte. Wer hätte da vermutet, dass ich etwas später mal hier, in diesem modernen Bau, ein paar Meter weiter, Jura studieren würde?

Diesseits der Fenster stand Caroline Fündling vorn an der Tafel, an dieser Tafel in Seoul, die, wie alle Tafeln dieser Art, wie alle Tafeln in den kleinen Räumen bei uns, nirgends richtig einrastet und stehen bleibt außer ganz oben, was die Flexibilität des An-ihr-Schreibens schon arg einschränkt, aber irgendwie geht es immer. Schuldrecht-AG. Diese Woche: AGB. Praxisrelevant, klausurenrelevant und eines der neusten Regelungsgebiete des BGB. Was will man mehr?

Wie so oft in Gesetzbüchern galt es sich auch hier einzuprägen: das AGB-Recht quasi von hinten lesen. Je spezieller die Norm, desto vorrangiger zu prüfen. Das Allgemeine ist immer gültig. Das Besondere aber wird immer den Vorzug erhalten, wenn es angebracht ist. Es ist ein altes Spiel, das nicht die Rechtswissenschaft für sich erfunden hat. Das Unspezifische, das Gewöhnliche kommt erst in Betracht, wenn das Spezifische, das Außergewöhnliche nicht passt. Sollte es zumindest. Und auch da ähnelt Jura wieder dem Leben in seinem unergründlichen Sein-Sollen-Zusammenhang: Nur weil die AGB-Klausur dem Gefühl nach treuwidrig erscheint, heißt das noch nicht, dass sie nicht in einer viel spezielleren Vorschrift explizit sogar verboten ist. Man kann es sich bequem machen und die nächstbeste schwammige Generalbestimmung mit Inhalt füllen - oder man sucht ein bisschen länger und findet das Besondere, das wirklich zutrifft.

Die zweite Hälfte des AG-Montags hieß Strafrecht. Herr Schmidt-Nentwig hatte in einem sehr guten Gedanken vorgeschlagen, unsere Stunde doch auf den Tag vor der Klausur zu verlegen anstatt sie planmäßig am Donnerstag danach abzuhalten. ("Da seid ihr eh noch besoffen.")

Ein kleiner Mitgrund aber war freilich auch die Überlegung gewesen, dass wir so noch einmal ein bisschen Struktur, Konkurrenzen sowie Täterschaft und Teilnahme üben konnten. Wobei Letzteres zu meinem großen Erstaunen - ich hätte mal wieder meine Wetten verloren - anderntags nicht drankommen sollte. Doch wer kann andererseits schon Herrn Professor Haft einschätzen?

Hektisch und mehr ob des schlechten Gewissens, noch was zu tun - die anderen haben immer mehr BGH-Entscheidungen nachgelesen als man selbst -, denn aus Überzeugung noch einen vorerst letzten Abend mit seinem lieben Wessels verbracht, wurde einem so langsam bewusst, dass es Dienstag wird. Um ehrlich zu sein, gibt es keinen besseren Tag, eine Klausur zu schreiben, als Dienstag. Man hat im Zweifel bereits einmal halbwegs frühes Aufstehen hinter sich. Sollte also müde genug sein, um nicht um 2 Uhr noch verzweifelt irgendetwas essend vorm Laptop zu sitzen oder dergleichen. Darüber hinaus ergab sich hoffentlich noch keine Gelegenheit, nachmittags einfach mal einzuschlafen und so der erforderlichen Abendmüdigkeit direkt wieder eine Absage zu erteilen. Und allzu lang und kräftezehrend kann die Woche dienstagmorgens auch noch nicht gewesen sein. Also dann.

9 Uhr, die gewohnte Zeit. Pascal und ich waren recht irritiert, als wir ein komplett leeres Honkong betraten. Zugegeben, es war kaum halb. Im Dezember noch, ich erinnere mich, waren allerdings schon um diese Zeit die ersten Übermotivierten da gewesen. Vielleicht lag es daran, dass diesmal generell keine so große Panik herrschte wie vor BGB seinerzeit. Die Hausarbeit war bei einigen gut gelaufen, und die meisten anderen hofften wenigstens, aus ihr gelernt zu haben. Und so war die Stimmung vor Strafrecht eine andere.

Wer dadurch jedoch auf die Idee käme, sie sei entspannt gewesen, würde übertreiben.

Schwer - nun, das war sie letztlich nicht. Es wird kaum jemand widersprechen. "Fair", nannte Lance sie. Die Beschwerde - eine muss es ja immer geben - lag einhellig in dem altbekannten Spannungsfeld zwischen Länge einer Klausur und Zeit. Wie viele sinnvolle Wörter kann man pro Minute schon schreiben? Die lebensnotwendige Skizze und das bisschen Nachdenken zwischendurch mit einkalkuliert. Ein Thema allerdings, das einem Deutsch- und Englisch-LKler wie mir in der Oberstufe etwas fremd geworden ist. In vier Stunden etwas zu Migrationsproblemen in den USA oder dem "Vorspiel auf dem Theater" des Faust zu schreiben, birgt andere Probleme. Kaum aber ein zeitliches. Mathe, klar, da fehlten bis zu guter Letzt mit beachtlicher Verlässlichkeit zehn Minuten für die letzte, im Zweifel größte, Aufgabe. Ansonsten aber sind Klausuren in der Schule in vielen Fächern zum Ende hin immer weniger auf Quantität pro Minute ausgelegt, sondern auf Qualität und Aufbau.

Jura indes scheint den alten Spruch meines Erdkundelehrers apodiktisch hochzuhalten: "- ist Wissen pro Zeiteinheit."

Und das obwohl es laut Haft ja gerade nicht um Wissen geht.

Eine Schlägerei zwischen einer Rockergang und nicht näher definierten "Türken" vor einem Fußballstadion war im Endeffekt der Schauplatz unserer ersten Strafrechtsklausur. Wer in einem Wirrwarr aus Händen und Füßen einen Stein wirft und jemanden trifft, den er nicht treffen wollte, dessen Tod ihn aber jetzt auch nicht sonderlich beeindruckt - wie wird der bestraft? Und was mit dem, der seinem Gegner einen Messerstich versetzt, den dieser aber überlebt hätte, wenn der Arzt bei der Not-OP nicht betrunken gewesen wäre? Und der Chirurg selbst, der gerade Frau und Kinder verloren hat und sich deshalb nicht anders zu helfen weiß, als seinen Dienst mithilfe von Alkohol durchzustehen?

Wer am Ende noch zu den Konkurrenzen kam - die Sachbeschädigung am Hemd des Messeropfers wird vom Totschlag verdrängt (ja, aber war es denn ein vollendeter Totschlag?) -, der hatte jedenfalls mit Sicherheit nicht alles Vorige so ausführlich diskutiert, wie die Lösungsskizze es propagiert. Ich versuchte mich mit Svens "Besser alles irgendwie abhandeln, als einen Teil ganz auslassen" zu trösten. Die Angst, nicht bestanden zu haben, wie sie noch im Dezember der Regelfall gewesen war, machte sich in den Korridorgesprächen danach allerdings rar. Und falls es knapp war, gibt es ja für alle Interessierten am letzten Tag im Februar eine Chance zur Verbesserung gegenüber diesem letzten Tag im Januar. Eine zweite Klausur, vollkommen freiwillig.

Seien wir in deren Zeichen mal gespannt, wie lang es diesmal dauert, bis wir erfahren, was eigentlich bei der Sache herausgekommen ist. Was der Aufwand gebracht hat, und so weiter.

Kaum war die ellenlange Mittagspause überstanden, kam dann der Alltag im Alltag zurück. 15 Uhr, Grundrechte. Herr Professor Kment, noch kerngesund, fuhr fort im Versammlungsrecht. Während erneut die Bedeutung eines so unscheinbar klingenden Grundrechts wie der Freiheit der Deutschen, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln, deutlich wurde. Und während mir der Gedanke kam, auch infolge eines FAZ-Artikels vom Vortag, der die Befürchtung aussprach, Europa als Wiege der Demokratie schaffe sich im Zuge der vordringenden Finanzherrschaft bald selbst ab, aus dieser postdemokratischen Schreckensvision eine Serie zu machen, bei der jede Folge mit einem Grundrecht als Voice-over beginnt, um das dann in den folgenden fünfundvierzig Minuten inmitten eines überwachenden, krisengebeutelten, entweder unitären oder völlig auseinander gefallenen Europa fern jeder Volkssouveränität gekämpft wird. Dann aber holten mich die realen Ansätze des Artikels wieder ein, und ich lernte lieber weiter etwas über die Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde. Damit es bei der Serie bliebe.

Vom Mittwoch blieb daraufhin eine Szene in Erinnerung, die mich fast dazu verleitet hätte, wieder mit ihm zu eröffnen.

Mittlerweile war es kalt geworden. Man mag es auch mir anlasten, der ich mich ja schriftlich über die Unwinterlichkeit dieses Winters beschwert habe. So oder so lief ich, in surrealem Maß frierend, die letzten Meter zur Uni. Da kam mir Theresa aus der berühmten Drehtür entgegen. "Grundrechte fällt aus", warf sie mir entgegen, hart wie die Kälte. "Der Kment ist krank."

Ich fragte dreimal, ob das ihr Ernst sei; doch es war ihr Ernst. Man unterhielt sich noch kurz, wie schön es sei, bei diesen frühlingshaften Temperaturen dennoch wenigstens ein bisschen draußen gewesen zu sein, so ganz umsonst, und sie ging nach Hause. Auf dem Weg fing sie noch ein paar Kommilitonen ab, denen sie die frohe Botschaft der Sinnlosigkeit ihres Aufstehens überbringen durfte.

Ich trabte dennoch noch einmal die Treppen hinauf an die Saftbar, wo ein paar Kollegen saßen, wohl in der Absicht, aus geteiltem Leid halbes zu machen. (Also, wir alle). An meiner Begrüßung an Benedict ("Da haben sich die zwei Stunden Zugfahrt ja mal richtig gelohnt") versuchte ich mich ein wenig aufzuheitern. Man gab sich alle Mühe, es gelassen zu nehmen. Es kam noch der eine oder andere, an dessen ungläubiger Reaktion man sich erfreuen konnte. Viele wären wir jedenfalls nicht geworden an diesem Mittwochmorgen, nach Strafrecht, bei -7 Grad. Wie ich erwartet hatte, weshalb ich gekommen war - in der Hoffnung auf eine gediegene Vorlesung in Ethik-LK-Atmosphäre. Nun, die zerschlug sich.

Man wurde sich noch schnell einig, dass es eindeutig die Falschen träfe. Die wenigen, die sich angesichts dessen auch zur juristischen Unzeit motiviert hatten. Einige gingen tatsächlich zur Feier des Tages in die Bibliothek. Der Rest fuhr nach den Unterhaltungen des Leidteilens wieder nach Hause. Machte sich Frühstück und legte sich wieder hin. Daraufhin verschlief ich Englisch um 13.15 Uhr.

Beide Ausgaben von VWL sahen sich dann in der Folge nicht allzu gut besucht. Was wieder für eine kleine Diskussion sorgte. Die natürlich wieder "die Falschen traf", nämlich die wenigen, die da waren. Die Gründe für die (halbe) Ethik-LK-Atmosphäre - zur kompletten Version dieses Sinnidealbildes fehlt hier das moralisch angehauchte Thema - in VWL dürften unterschiedliche sein. Die einen hatten ihre Wirtschaftskurse in der Oberstufe und "hatten das alles schon". Die anderen überziehen ihren, an sich völlig nachvollziehbaren, Fokus auf den juristischen Teil des Studiums. Wieder andere hatten vielleicht ihr kleines Motivations-Burnout nach Strafrecht diese Woche. Nochmals anderen fällt der Inhalt womöglich weitaus schwerer, als sie gedacht hatten, und sie stecken noch in Lern(Trauer)phase Nr. 1, dem Verdrängen. Der Rest der Abwesenden gehört eventuell zu jenen 21, die die Vorlesung lieber auf Deutsch gehabt hätten. Manches weiß man; manches ist bloße Theorie.

An Herrn Professor Demougins lebendiger, beispielreicher, zugleich weiser wie leidenschaftlicher Art kann es auf alle Fälle kaum liegen, finde ich.

Während es aufs Wochenende zuging, mehrte sich dann wie immer das Schuldrecht. Es wurde hin- und hergesprungen in den 2000 Paragraphen des BGB, einmal vom Sachen- zum Erbrecht und zurück. Zurückbehaltungsrechte des Schuldners quer durch alle Lebensbereiche.

Und am Freitag die "Einrede des nicht erfüllten Vertrages". Wo mal wieder klar wurde, wie viele Ausdrücke es gibt, die uns in der gewöhnlichen Welt begegnen, deren wahre Bedeutung uns aber erst die juristische Welt offenbart. Angefangen hat das alles beim Mord. Nicht jeder "Mord" in einer Krimiserie nämlich ist ein Mord, wie wir heute wissen. Vom "Selbstmord", der als Ausdruck überhaupt nicht haltbar ist, ganz zu schweigen. Achtung nur, wer sich mit Nichtjuristen unterhält.

Man muss eben weiterhin zwischen den Welten bleiben. In beiden. Balance, Ausgleich, der im Charakter angelegte Widerspruch. "Wo studierst du denn Jura?", fragte mich jemand in jener Sorte von völlig verrauchter Kneipe, von der man früher immer dachte, man würde sie nicht von innen sehen, bevor man 50 wäre, das war schon letzten Freitag. "An der EBS", erwiderte ich lächelnd. Er sah mich entsprechend an (und das wohlgemerkt als ehemaliger Privatschulkollege von mir). "Aber wie du siehst, bin ich trotzdem hier", meinte ich nur.

Die Szene zum Thema der Woche aber hatte der Freitag auch noch. Ich ging - Unsitte -, ehe ich zu Schuldrecht aufbrach am Morgen, "noch mal ganz kurz" bei Facebook on. Und dort stand in großen Lettern als neuste Meldung in der Law-School-Gruppe: "Ergebnisse wurden hochgeladen."

Und jeder wusste, was gemeint war.

BGB AT. Nach über sieben Wochen. Nach über sieben Wochen Geduld, weil wir wirklich hatten wissen wollen, ob es gut gewesen war oder schlecht. Ohne jede Möglichkeit, etwas nachzubessern, etwas hinzuzusetzen oder etwas wieder wegzunehmen, das wir bereut hätten.

6,6 las sich der Schnitt letztendlich. "Vertretbar", müsste der Jurist sagen. Und die Hauptsache lag ohnehin anderswo. In der Quote des Bestehens. Und die war hoch. Nur drei fanden sich jenseits der magischen Punktegrenze ("4 gewinnt") wieder. 60 (!) Leute waren irgendwo zwischen 4 und 7 gelandet. Und die meisten waren froh drum. Froh über diese erste Zensur der juristischen Laufbahn, die natürlich kein Vergleich ist mit den üblichen 13 Punkten in Deutsch und Englisch. Aber hier müssen nun mal andere Maßstäbe angelegt werden.

Und das war ja nur der erste kleine Moment der Wahrheit. Es wird noch viele geben. Noch viel Aufwand und viel Mühe und viel Warten. Was diese erste Klausur und ihr Ergebnis zum großen Bild letztlich beigetragen haben werden, ist wieder eine Sache der Zukunft. Die nächste.

Nur geht es jetzt weiter, ungeachtet. Und alles Weitere hat man wieder selbst in der Hand. Es ist eben nicht nur Warten.

Und zudem heißt es, jeden Sieg zu feiern.

Auch wenn es wirklich kalt geworden ist.

Am Freitagabend war es, irgendwann zwischen dem vorletzten und dem letzten Nachtbus, noch kälter geworden. -10 Grad wurden am Bahnhof angezeigt. Gut nur, dass es noch Leute gibt, die bei der Naspa sind.

Und ansonsten geht es nie nur um das Wetter. Wen kümmert schon Quecksilber? Das gefriert erst bei -39 Grad. Bis dahin haben wir noch ein bisschen.

Und vorher schaue ich hinaus - und sehe wolkenlosen Himmel, faszinierende Eisformen, malerische Sonnenuntergänge. Und wer dann einmal rausgeht in diesen richtigen Winter, wird zumindest spüren, dass er noch lebt.

Wochenrückblick: Die ewige Exposition

Was zeichnet uns aus?

Was macht uns so, wie wir sind? Was sind die entscheidenden Pinselstriche, die festlegenden Farbtupfer, die den Unterschied machen? Die auch hervorstechen aus diesem ganzen Rest, der uns ausmacht, den wir aber mit so vielen anderen gemeinsam haben, oder der doch gar nicht so wichtig ist, wie es diese vielen anderen denken.

Es heißt, ein guter Charakter in einer jeden Art von Fiktion soll weder eine völlige Blaupause sein noch bis zur letzten Ecke seines Wesens ausgemalt. Er soll mit ein paar Pinselstrichen gezeichnet werden. Mit jenen paar, die ihn ausmachen. Alles Übrige sei dem Leser und der Konsistenz der Geschichte überlassen und nur evoziert. Alles Übrige ergibt sich aus den Farbtupfern, die getan wurden. Selbst die Überraschungen und Widersprüchlichkeiten sind darin angelegt. Es soll nicht viel sein, was die Menschenhand der erschaffenen Figur unmittelbar gibt. Das meiste hat sie aus sich selbst heraus zu entwickeln. Aber das, was alles prägt, was alles färbt, was in allem mitschwingt und jede Handlung nachvollziehbar macht, muss da sein. Der Hintergrund, das Wesentliche - so unbestimmt der Begriff ist: der Charakter des Charakters. In dem vor allem jene so ungemein wertvolle Züge bereits stecken, die wir alle haben: die, die scheinbar nicht hineinpassen.

Also, was macht uns aus? Uns reale Figuren?

Man muss nur die richtige Frage stellen. Und schon hat man eine Woche hinter sich, voller Antworten.

Macht es uns aus, wie wir montagmorgens aufstehen?

Nun, bei manchen wird das durchaus etwas sein, das es zu erwähnen gilt. Wer besonders gern aufsteht - diese mythischen und mysteriösen Menschen -, der sollte das unter Umständen in einer Zeitungsannonce unterbringen. Es kann von Bedeutung sein. Denn wer dann auf einen Menschen trifft, der auch für eine Vorlesung um 11.30 Uhr noch einen Energydrink braucht, wird vorprogrammiert in eine Meinungsverschiedenheit geraten.

Wer mit der Sonne aufwacht, den kann das ausmachen. Vor allem verglichen mit der Mondliebe des anderen Extrems. Dass, wie vergangene Woche erwähnt, der Mond die Sonne im Sinne des Gesetzes sein kann, spielt dabei keine Rolle.

Caroline Fündling eröffnete erneut die Woche mit ihrer AG Schuldrecht. Die willkommene stichprobenartige Wiederholung des Stoffes der vorherigen Stunde. Der neue Fall, immer verbunden mit den neuen Paragraphen. Hier werden sie kennengelernt. In der Vorlesung wird das Dogmatische verabreicht. In den Klausuren wird Bekanntes kombiniert. Nur das Problem ist da neu - wenn man Pech hat, was meistens der Fall ist. Dieses Studium lebt in gewisser Hinsicht tatsächlich von den AGs.

Es schloss sich die magische letzte Stunde Strafrecht vor der Klausur an. Die freilich nicht ganz so zielgerichtet verlief wie eine letzte Stunde Physik oder so dramatisch wie eine letzte Stunde Mathe vor der Arbeit. Ihr Status machte sich im Grunde erst bemerkbar, als, nachdem bereits auf die Tische geklopft worden war, ein paar Studenten zwischen Eifer und Unsicherheit nach vorn zu Herrn Professor Haft stürmten, um die legendäre Frage zu stellen: Was kommt denn dran?

Und das einem Mann, der seine Aufgabe seit jeher darin sieht, uns "Fertigkeiten" an die Hand zu geben (statt Wissen), um jeden noch so unvorhersehbaren Sachverhalt prädikatsexamenwürdig bearbeiten zu können. Dementsprechend wird die Antwort ausgefallen sein, nehme ich an.

Macht es uns aus, wie wir uns vorbereiten?

So generell. Natürlich ist der Aufhänger hier eine Prüfung. Aber - so generell. Macht es uns aus, wie wir mit Erwartungen umgehen? Mit Sicherheit. Macht es uns aus, welche Ziele wir uns setzen, und was wir dafür tun? Der letzte Wochenrückblick des ersten Trimesters ist ein einziges großes Ja auf diese Frage gewesen. Macht es uns aus, welche Balance wir halten zwischen Carpe diem (respektive Carpe noctem) und dem langfristigen Denken mit seinen Pflichten? Vor allem wie groß die Differenz ist von dem, was wir uns vornehmen, und dem, was umgesetzt wird? Speziell Letzteres. Wer in den Tag hinein lebt - soweit das möglich sein soll - im Bewusstsein, dass er das tut, unterscheidet sich doch grundlegend von dem, der ein schlechtes Gewissen hat, getrübt von den Aufgaben, die er ursprünglich vorhatte, oder gar von dem, der in den Tag hinein lebt, ohne es zu merken.

Dienstagmorgen, noch schlimmer für den Energydrink-Typ, 9.45 Uhr. Strafrecht, Übung, mal wieder ein Fall rund um Kausalität und objektive Zurechnung. Wenn T im Getränkemarkt S gefährlich verletzt und S dann im Krankenwagen stirbt, weil ein Sanitäter einen folgenschweren Fehler begeht? Ist T noch für den Tod zur Verantwortung zu ziehen? Wenn der Krankenwagen einen Unfall hat, liegt die Sache dann anders?

Derlei Fragen beschäftigten uns schon im Rahmen der Hausarbeit? vorsichtig formuliert: ausführlich. Wenn jemand fahrlässig oder vorsätzlich in einen in Gang gesetzten Kausalverlauf einschreitet, was davon liegt noch in der vom ersten geschaffenen Ausgangsgefahr? Was davon kann ihm zugerechnet werden?

Macht es uns aus, wem wir, wenn es darauf ankommt, die Schuld an etwas geben?

Der Dienstag sah sich jedoch in erster Linie von einer völlig extracurricularen Veranstaltung geprägt. Für die man eigens früher aus der langen Mittagspause kam - oder überhaupt früher. Bei der man mal wieder auf Kollegen aus der geheimnisvollen anderen Vorlesungsgruppe traf, die sonst immer nur im Flur vorbeifliegen und einem allenfalls kurz die Tür aufhalten. Das Foyer ausgefüllt mit weiß gedeckten Stehtischen und einer Tafel mit Orangensaft und Sekt.

Macht es uns aus, dass wir uns Fragen stellen wie: Warum eigentlich immer ausgerechnet Orangensaft?

So oder so - überall heitere gruppenübergreifende Unterhaltungen in den in solchen Situationen üblich verteilten Dreier- und Viereransammlungen, gespickt von einzelnen zufälligen Vieraugengesprächen. Die Stehtische fleißig genutzt. Ein großes festliches Murmeln im Atrium. In der Nähe der weißen Tafel Geschäftsleute in Anzug und Krawatte ("Business ohne casual"). Auf der anderen Seite der Getränke der weibliche Teil von Dekanat und Verwaltung. Trimester-Auftaktveranstaltung nannte sich das Ganze. "Auch wenn das Trimester ja schon wieder zwei Wochen alt ist", wie der Dekan zu Beginn seiner Rede erkannte.

Im komplementären "Trimesterabschlussgespräch" im Dezember hatte Herr Professor Dr. Dr. von Hoyningen-Huene uns ja eine "Überraschung" fürs neue Jahr versprochen. Beim ersten Blick in den neuen Stundenplan hatten viele schon bösgläubig geschlussfolgert, die Rede sei von der Strafrechtsklausur in der vierten Woche gewesen. Oder von Grundrechten jeden Mittwoch um acht.

An diesem Dienstagmittag aber klärte sich, was wirklich gemeint gewesen war.

Nach ein paar letzten spannungssteigernd hinauszögernden Vorworten des Dekans, der sich in die Mitte der Treppe zum ersten Stockwerk gestellt hatte, war es so weit. Die Wand über den Sponsorentafeln neben dem Aufzug war seit einigen Tagen von einem großen blauen Vorhang verschleiert gewesen. Was er verbarg, stand unter strenger Geheimhaltung. Nun, auf der Treppe stehend mit einem Mikrofon in der Hand, bedeutete der Dekan, es zu enthüllen.

Daraufhin wurde einmal nicht geklopft, auch nicht auf die Stehtische, sondern applaudiert. So wie sonst nur in der ersten Woche des vergangenen Trimesters und in dessen letzter.

Es war ein Bild, ein Gemälde. Von einem belgischen Maler irgendwann kurz nach der Renaissance, Ende des 16.Jahrhunderts; jedenfalls ein guter Jahrgang. Der Dekan bot einen Abriss über Leben und Werk des betreffenden Malers und erläuterte anschließend vor allem die für uns spezielle Herkunft des Gemäldes. Die Enthüllung des Bildes ging nämlich einher mit der Präsentation eines neuen Sponsors. Prof. Dr. Dr. Werner Ebke, Direktor des Instituts für deutsches und europäisches Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht in Heidelberg, hatte das Bild gestiftet.

Ein Highlight dabei war eindeutig die Andeutung der Story davon, wie unser werter Prof. Dr. Dr. von Hoyningen-Huene überhaupt bei uns gelandet war. Die Geschichte eines unschuldig seinen Lauf nehmenden Zwiegespräches in einem Auto. Dessen Leitsatz gelautet haben soll: "Komm schon, dann hast du im Alter noch was zu tun."

Während die versammelte Studentenschaft, Professoren, Mitarbeiter und die erwähnten atmosphärisch unterstützenden Geschäftsleute andächtig lauschten, knipste ein Fotograf, ich nehme mal an vom Wiesbadener Kurier, fleißig seine Fotos. Der Blick fiel zwischendurch mal auf Herrn Professor Binder und Herrn Professor Will, die jetzt schon, nach nur einem Trimester und gut zwei Wochen im neuen, wie alte Lehrer wirkten, denen man zufällig auf dem Schulhof über den Weg läuft.

Dann fiel der Blick aber auch auf das Gemälde. Es zeigte Justitia, vor düsterem Hintergrund, mit ihrer Waage und ihrem Schwert. "Irgendwie weiß ich nicht, ob das so hier reinpasst", argwohnte jemand flüsternd. "So in dieses moderne Foyer." - "Gerade deshalb passt es doch", meinte ich da. "Vor allem genau dort, wo es hängt. Über unseren ganzen Sponsoren. Über den ganzen Kanzleien und Unternehmen. Über all ihnen hängt immer noch die Gerechtigkeit, verstehst du? Um uns daran zu erinnern, dass wir nicht nur hier sind, um später einmal Partner im größtmöglichen Anwaltsbüro zu werden und unsere 100.000? im Jahr zu verdienen - sondern auch (ich weiß nicht, ob ich "auch" oder "vor allem" sagte, um ehrlich zu sein) etwas studieren, das mit Gerechtigkeit zu tun hat. Dass das hier noch einen anderen Zweck hat. Dass wir eine andere Aufgabe haben. Und die thront über den Sponsoren."

In meiner ganzen Pathetik fühlte ich mich an die eindringliche Bitte aus Professor Hafts Juristischer Lernschule erinnert. So zu studieren, dass wir alles getan haben, um darauf vorbereitet zu sein, wenn eines Tages ein Mensch zu uns kommt, der sein Schicksal in unsere Hände legt.

Macht es uns aus, was wir in einem Gemälde neben einem Aufzug sehen?

Es folgte die große Abstimmung rund um VWL. Englisch oder Deutsch. Die Beibehaltung des Angedachten oder die Korrektur zugunsten vermeintlich besseren Verständnisses. Felix und Benedict als Studentensprecher übernahmen die Leitung. Stimmen der einen und sehr schüchterne Stimmen der anderen trugen ihre Argumente vor, immer die Metapher von Herrn Professor Demougin im Hinterkopf. "Wasser - fließt immer den Berg hinab. Es sucht sich den leichtesten Weg. Es fließt nie den Berg hinauf. Ich dachte, Sie alle seien zur EBS gekommen, weil Sie nicht wie Wasser sein wollen."

Das Ergebnis hieß am Ende 46 zu 21. Für Englisch. Den Berg hinauf. Damit galten alle ungeschriebenen Quoren als erfüllt. Über drei Viertel der Leute anwesend, die einfache Mehrheit deutlich erreicht. Etwaige Proteste hielten sich in Grenzen. Herr Demougin zeigte sich tags darauf trotz aller Bekundungen, er halte die Vorlesung genauso gern und gut auf Deutsch, froh ob unserer Entscheidung.

Macht es uns aus, wie wir Mühe und Nutzen, Arbeit und Vergnügen gegeneinander abwägen?

Auch dieser Aspekt zeigt, wie viel von der Frage, was uns ausmacht, schon in den Themen des letzten Trimesters steckte. Wir entsinnen uns der Überlegung rund um Zeit, die nie wieder so nachzuholen ist, rund um "Plan" und "Spiel", rund um das Heute und das Morgen und das Übermorgen in sieben Jahren, für das das Zweite Staatsexamen steht.

Macht es uns aus, welches Handynetz wir haben?

Manchmal ist es der allertrivialste mögliche Ansatz der ganzen Woche, der mich auf meine zentrale Frage bringt. Es war unmittelbar nach den Grundrechten, in ihrer studentenfreundlichen Ausgabe am späteren Dienstag, da lief ich die letzten paar Meter mit Lance zu seinem Auto, das er an keinem geringeren Ort geparkt hatte als an der Aral auf halbem Weg zum Bahnhof. (Und mit an der Aral meine ich wirklich auf dem Tankstellengelände). Was ich jetzt machen würde, fragte er obligatorisch. Zu Vodafone gehen, lautete meine unschuldige Antwort. Ach, er sei auch bei Vodafone, verriet er daraufhin. Ich gab ihm brüderlich die Hand, wie wenn man in einem erbitterten Meinungsstreit einen Verbündeten findet, und sagte irgendetwas von wegen: "Endlich mal noch jemand, der auch bei Vodafone ist."

Ein paar Meter weiter unten auf den Bus wartend, schoss mir dann die Frage durch den Kopf, was es eigentlich bedeuten soll, dass jemand bei Vodafone ist. Oder bei T-Mobile oder O2 oder E-Plus oder einem von dessen Verschnitten, von Aldi-Talk bis Ayildiz. Wie viele Diskussionen ich schon mit Leuten zu diesem Thema hatte. Zu objektiven Unterschieden, zum subjektiven Status. Vorrangig scherzhaft - aber ein in gewisser Hinsicht ernstgemeinter Kern steckte immer dahinter.

Macht es uns aus, wie wir darauf reagieren, dass es schneit?

Leute, denen Schnee gleichgültig ist, die ihn sehen und weitermachen, werden das verneinen. Leute, die ihn hassen, weil er Chaos beschert und Unfälle verursacht, werden das bejahen. Leute, die ihn lieben, weil er etwas von dem vielzitierten Besonderen hat, das immer allem innewohnen soll, weil er in diesen Breitengraden eine fast magische Wirkung haben kann und so oder so in nicht sofort wieder schmelzender Form toll aussieht und sich nutzen lässt, werden das genauso bejahen.

Am Donnerstagabend sah ich aus dem beschlagenen Fenster und ließ mich von ein paar sachten, unauffälligen Flocken im gelben Natriumdampflicht reichlich erstaunen. Anderntags waren nur die Dächer und die Wiesen bedeckt, und das auch nur mit einem gefühlten halben Zentimeter. Und doch war es für mich einer der Momente der Woche, obgleich er kaum einen Effekt hatte. In diesem Winter, der mehr ein einziger Ende Oktober ist, sinken die Ansprüche.

Der Freitag bestand, als Ausgleich zu einem einmal mehr uferlosen Donnerstag, der wirklich der neue Mittwoch ist, nur aus einer Vorlesung. Anderthalb Stunden gemütliches Schuldrecht, AGB-Recht in diesem Fall, bei Herrn Professor Nietsch. Die Kernszene der letzten Tages der Woche aber spielte sich davor ab. Als ich an der Fichtestraße in die 37 stieg, in der Jonas saß, ganz hinten in der Gangsterreihe. Ich setzte mich neben ihn, und er erkannte umgehend die Dose Effect in meiner rechten Hand. Und lachte. "Freitag, eine einzige Vorlesung um 11.30 Uhr - da braucht man eben einen Energydrink", sagte ich.

Ansonsten wurde es im Unibetrieb gegen Ende der vergangenen fünf Tage ruhiger. Die Kollegen verkrochen sich nach Hause und vergruben sich in ihren Wessels. Die Klausur Strafrecht AT kommenden Dienstag wurde allmählich selbst bei jenen Priorität, die sie so lang wie möglich verdrängt hatten. Am Freitagnachmittag war die Bibliothek - zum ersten Mal seit diesem verdammten Samstagabend, der mich damals dazu brachte, den schnellsten Weg als besten zu hinterfragen - wieder voll.

Oberflächliches bedeutet wenig. Ich kann von einem Handynetz oder einer Dose Aufputschmittel nur bedingt auf zentrale Charakterzüge schließen. Aber manchmal verbirgt sich in dem Oberflächlichen, in den banal scheinenden Details, nicht nur darunter, sondern direkt darin, etwas Entscheidendes.

Alles Übrige zu erkennen, dauert für gewöhnlich.

"Wochenende - Nachtspaziergänge - Diskutieren - Schreiben"

Was sagt das schon über mich aus?

Oder gar die übrigen "Likes", die sich in meinem Facebook-Profil wiederfinden:

I ♥ Wiesbaden, Die Bilderwerfer - Open Air Kino Wiesbaden, Schmolke Carbon, Für Garderobe keine Haftung, We are EBS 2011, Wiesbaden, Jura-Student/in, RainyMood.com, EBS Law School, ESWE Verkehrsgesellschaft mbH, Casino Wiesbaden, pizza.de, Thai-Express, Coyote Café Wiesbaden GmbH"

Bücher, Serien und Musik lasse ich mal weg.

Natürlich sind das alles irgendwie Teile von mir. Jeder von uns könnte eine solche Liste machen. Wie lang sie wäre, heißt nicht viel. Und natürlich fühle ich mich sofort mit Leuten verbunden, die auch Mumford & Sons hören oder Breaking Bad schauen. Oder erst mit Leuten, die gern lang schlafen, die Schnee mögen, oder die ich kostenlos anrufen kann.

Aber wie sie die entscheidenden Werte gegeneinander abwägen, ob sie Orangensaft infrage stellen, was für sie Vorbereitung bedeutet, was sie in einem Gemälde über ein paar Sponsorentafeln sehen, wie sie Schuld zuweisen, was sie so alles prägt, ausmacht, das ist schwierig zu entdecken.

Auf dieser Seite der mitunter schwammigen Grenze zwischen Realität und Fiktion bekommen wir nun mal nicht auf den ersten Seiten die Pinselstriche serviert, auf die es ankommt. Und selbst wenn wir sie einmal zusammenzuhaben glauben, verblassen sie tatsächlich schon wieder, weichen scheinbaren Kehrseiten, und es kommen immer wieder neue dazu.

Vor allem nur zu gern dann, wenn wir uns einmal selbst betrachten.

Wochenrückblick: Die praktische Konkordanz eines Mittwochmorgens

Immer noch vorbei an Weihnachtsbäumen. Verwaist daliegend, den Bürgersteig blockierend. Der Mond, ziemlich halb, über allem. Es ist eiskalt. Eiskalt und sternenklar und dunkel und irgendwie leise für einen Morgen mitten in der Woche um halb 8 und an sich ja typisch winterlich und doch ungewöhnlich, vielleicht auch weil es ein nur sehr selten typischer Winter war und ist, und eiskalt und sternenklar.

Alle Frontscheiben, alle Heckscheiben, alle Seitenscheiben gefroren. Bei jenen Autos, die das Glück haben, sich an diesem Tag nicht bewegen zu müssen, sind sie es sogar nachmittags noch. In diesen Minuten aber sind sie es ohnehin. Bedeckt von einer gnadenlosen Schicht festgewordenem Wasser, an deren unbarmherziger Struktur mit ihren Ecken und Kanten man sich schneiden könnte.

Ich laufe zur Uni an diesem Mittwochmorgen. Mal wieder die guten zweieinhalb Kilometer, weil ich diese Busse zur morgendlichen Rush Hour hasse. Die Brille beschlägt - wenn man an der Fichtestraße überhaupt noch Platz findet in der 37 und nicht auf die nächste warten muss -, auf einmal sind es 28 Grad, und der gefühlte Kohlenstoffdioxidgehalt geht auf die 100% zu.

Außerdem liebe ich es nun mal, zu laufen. Die alten Leser wissen es längst. Den neueren wird es spätestens im Frühjahr mit Sicherheit anschaulich werden.

Aber an diesem Morgen? - Immer noch vorbei an den Weihnachtsbäumen. Fünf Grad unter null. Der Mond, ziemlich halb, über allem.

Doch wie man weiß, kann ja der Mond die Sonne im Sinne des Gesetzes sein.

Es muss nur gut begründet sein.

In der Mitte anzufangen, ist, wie ich im Zuge der Taschenlampe des Bürgerlichen Rechts schon mal erwähnte, nicht das einfachste.

Eröffnet sah sich diese nicht unspektakuläre zweite Trimesterwoche von der ersten Ausgabe Schuldrechts-AG bei Frau Caroline Fündling. Und wenn ich deren Namen hier so niederschreibe, kommt mir sofort das nette Dilemma mit den AG-Leitern und ihren lieben Namen und Ansprechweisen in den Sinn.

Sven hat uns im Strafrecht vergangenes Jahr direkt zu Anfang das Du angeboten. Und duzte uns dementsprechend zurück. Bei mir selbst und auch bei manch anderem hat es indes eine ganze Zeitlang gedauert, bis man sich daran gewöhnt hatte, den Mann vorn neben der PowerPoint-Präsentation einfach so zu adressieren wie den besten Kumpel. Irgendwann, mit der zunehmenden Nähe, die zehn Wochen voller Gewohnheiten schaffen, gelang es. Nachwirkungen davon waren am Donnerstagmorgen bei Herrn Schmidt-Nentwig, Svens Nachfolger, zu spüren - als Christian aus Reihe eins eine Frage an ihn begann mit den Worten: "Wie würdest du das denn machen, wenn… - Oh. Sorry, ich bin das noch vom Sven gewohnt." Herr Schmidt-Nentwig lächelte. "Ich mach das schon nicht ohne Grund. Solange ich noch etwas über euch zu entscheiden habe, lasse ich das Du lieber außen vor." Umgekehrt duzt er uns munter. Was ja auch kein Problem ist, weil niemand eines damit hat. Es hat so ein bisschen etwas Anheimelndes aus Schulzeiten, da noch Leute vorn an der Tafel standen, die einen kannten, seit man das erste Mal ein Gedicht auswendig vorgetragen hatte.

Und wo wir gerade mal wieder beim flüchtigen Rückblick auf den Lebensabschnitt hiervor sind - nicht nur das Personalpronomen bereitet mitunter Verwirrung. Auch die namentliche Anrede. Wenn wir jemanden duzen dürfen und sollen, dann heißt er auch Sven. Wenn nicht, heißt er Herr Schmidt-Nentwig. Wenn kein Wort darüber fällt, muss man es aus irgendwelchen anderen Umständen herleiten. Wenn sich die Leute aber arglos als "Caroline Fündling" vorstellen oder als "Stefan Heck" und Ende 20 sind und zwischen den Staatsexamen, dann wird es schwierig. Perfekt wird das Chaos, wenn der eine uns Studenten siezt und mit Nachnamen anspricht, während der andere uns duzt und sich folgerichtig mit Vornamen begnügt. Namensschilder waren diese Woche so oder so wieder in.

Wobei man sich entsprechend unsicher war, was genau man denn drauf schreiben sollte. Vornamen? Nachnamen? Im Zweifel beides. Sodass nichts davon groß genug war, um es von vorn der Tafel aus entziffern zu können.

Bei Herrn Professor Haft ging es derweil bedenkenlos weiter mit den Delikten gegen das Leben. Den beiden berühmten Brüdern Mord und Totschlag schlossen sich der Schwangerschaftsabbruch und die Aussetzung an. An allen Streitständen und Aufbaufragen wurde fleißig der Allgemeine Teil geübt. Die erste Klausur steht schließlich übernächste Woche an. Mal als Prüfung so mittendrin im Trimester und nicht am Ende. Man will es fast als ungewohnt bezeichnen, und das wo wir bislang genau eine einzige reguläre Klausurenphase hinter uns haben.

Haft machte auf alle Fälle seine Drohung der ersten Woche wahr. Und besprach in der letzten Viertelstunde der Vorlesung die SLG-Aufgaben. Die durchaus wandelfähige Strafbarkeit des induzierten Aborts seit Schaffung des StGB wurde ebenso von einem ausgewählten Kommilitonen - daher Drohung - kurz beleuchtet wie die Bundestagsdebatte um die Verjährung von Mord. Kriminalpolitische Hintergründe, die nun, "wo ihr die Grundlagen habt", immer spezifischer und fachlicher werden. "Im Staatsexamen später wird auch immer etwas Allgemeinbildung geprüft", hatte es im ersten Trimester schon geheißen, so ziemlich von allen.

Nach einer ausführlichen Präsentation des Normfall-Klausurtrainers am Morgen hatte der Dienstag nach knapp vier Stunden Mittagspause für einen noch Grundrechte parat. Wo Herr Professor Kment sein Versprechen nicht wahrmachte. (Die Drohungen werden realisiert, die Versprechen nicht; eine irgendwie geläufige Gemeinheit). In der Vorwoche hatte er angekündigt, die einzige Möglichkeiten, sich seinem unvermittelten Drangenommenwerden bei Fragen zu entziehen, sei, sich in die erste Reihe zu setzen. "Wenn ihr mal einen schlechten Tag habt", hatte er empfohlen, "wenn ihr verlassen worden seid oder nicht geschlafen habt oder sonst was - dann setzt euch in die erste Reihe. Ansonsten habt ihr immer die Wahl. Entweder sich vorbereiten oder die Zeit, in der man sich auch hätte vorbereiten können, dazu nutzen, früher loszufahren und als erster hier zu sein, um noch einen Platz in der ersten Reihe zu kriegen."

Er nahm jedenfalls an diesem Dienstag ganz ungeniert Leute aus der ersten Reihe dran. Aus weitgehendem Mangel einer Verlegenheit hierbei beklagte sich dennoch niemand.

Es folgte die Mitte der Woche, also der Anfang. Als ich es geschafft hatte zur Uni, hatte ich das Gefühl, mich aufs Neue erkältet zu haben, ohne dass ich je nach Silvester völlig gesund geworden wäre. Und der nächste, der zu wissen meint, Erkältungen kämen ja nicht von Kälte, sollte sich, was mich betrifft, auf ein Delikt gegen das Leben gefasst machen.

"Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich es schaffe", bilanzierte auch Marco, als er sich neben mich setze, kurz vor acht. "Als ich gestern ins Bett bin, dachte ich mir: Hmm. Also entweder gehst du gar nicht, oder du gehst zur späteren Vorlesung. Und jetzt hab ich’s doch zur früheren geschafft." Ich sah ihn erstaunt an. "Ist es nicht normalerweise umgekehrt? Man sagt sich, man geht auf jeden Fall hin und zwar zur ersten und kommt dann gar nicht?"

Alles anders an der EBS wohl.

"Grundrechte morgens um 8 hat doch irgendwie was", konstatierte Marco ein wenig später. Keine Ahnung, ob noch als Begründung für seine verwunderlich verlaufene Inkongruenz zwischen Plan und Handlung oder nur so. Erklären konnte er es jedenfalls nicht. "Finde ich einfach."

Im Rahmen der U.S. Laws nach knapp vier Stunden Mittagspause wurde es philosophisch. Allgemeinbildung, Freigeistigkeit, Lehre abseits der strengen juristischen Logik der übrigen Woche.

Der Donnerstag wurde dann zu einem dieser Tage, die es wirklich eine Weile nicht mehr gegeben hat. Die man aber nur in dem vergleichsweise kurzen Moment vermisst, in dem feststeht, dass sie geschafft sind. Diese Tage, an deren Ende man sich mit letzter Kraft auf die Schulter klopft, sich in einen leeren Bus nach Hause setzt und Mühe hat, nicht vor der heimischen Haltestelle einzuschlafen.

9.45 Uhr, Strafrechts-AG bei Herrn Schmidt-Nentwig. Der uns duzte, und den wir siezten. Aufbau der Gruppe der Straftaten gegen das Leben. Grunddelikt, Qualifikation, Privilegierung, Regelbeispiele, minder schwere und besonders schwere Fälle. Zeitlich nahtloser, thematisch eher abrupter Übergang zum Schuldrecht bei Herrn Professor Nietsch. Vom Mord zum Ort für die Leistungspflicht in einem Schuldverhältnis. Dann Mittagspause, mal keine überzogen lange - wobei eben auch zwei Stunden für ungefähr fünf Mittagessen reichen. Um 15 Uhr AG Öffentliches Recht. Wo einerseits klar wurde, dass selbst dieses Fach unerbittlichen juristischen Prüfungsregeln unterliegt und nicht einfach ins Blaue argumentiert werden kann, und wo andererseits kontrovers über den moralischen Unterschied zwischen Alkohol und Cannabis debattiert wurde. Und um 16.45 Uhr schließlich VWL mit der großen Diskussion darüber, ob die Vorlesungen hier weiter auf Englisch stattfinden oder dem vereinzelten Studentenwunsch eines Sprachwechsels nachgekommen werden sollte. Die große Abstimmung gibt’s kommenden Dienstag.

Und habe ich etwa schließlich gesagt? Damit es um Punkt acht auch wirklich die allerletzte 37 wurde an diesem Abend, stand um halb sieben noch eine dieser "freiwilligen Veranstaltungen" an, die im Stundenplan nicht hervorstechend gelb, sondern sanft orange sind, und zwar in diesem Fall jene beliebte Sorte davon, zu der man doch irgendwie hingehen muss. Sven hatte uns ein paar Tipps zu Aufbau, Fehlervemeidung und objektivem Empfänger… pardon, Erwartungshorizont in Strafrechtsklausuren zu vermitteln.

Und so blieb man, während im Rest des Gebäudes die Lichter ausgingen. Alles eine Frage der Abwägung. Gewissenskonflikte, Rechtskollisionen, Widersprüche.

Es hatte gefühlt schon finsterste Nacht Einzug gehalten, als man nach Hause kam. Und zudem war es gerade so jene paar Grade wärmer geworden, die dazu nötig waren, damit Regen fiel statt Schnee. Es ist nicht nur ein selten winterlicher Winter. Es ist sogar ein ziemlich grauenvoller.

Zumal am Freitagnachmittag allmählich die Botschaft in die Stadt drang, auf dem Land, in Taunusstein oder in Görsroth, schneie es. Hier unten - regnete es im Strömen.

Dabei laufe ich immer noch vorbei an Weihnachtsbäumen, wenn ich zur Uni laufe.

Man hat nun mal nicht auf alles ein Grundrecht.

Aber ich sehe schon wieder alles zu juristisch.

Ich sollte zum Getränkemarkt fahren.

Wochenrückblick: Der besondere Teil

Alles soll besonders sein.

Ich liebe sie, Anfang und Ende. Wenn ich es mit zwei Sachen habe auf dieser Welt, dann mit Auftakt und Schlussakt. Was zwischendrin passiert, ist oft gar nicht so wichtig. Jeder ansatzweise entscheidende Tag in unserem Leben sei entweder der Anfang oder das Ende von etwas – so eröffnete ich schon den allerersten Rückblick, den ich hier schrieb. Und erste Sätze sind eben wegweisend. Sie sind es häufig unabhängig davon, ob man will oder nicht. Die ersten Sätze der letzten beiden Wochenrückblickjahre waren es in beeindruckendem Maße, ohne dass ich es jeweils hätte voraussehen können oder wollen.

Und nun, da es in das siebte Jahr geht, wird sich mit Sicherheit wieder einiges ändern. Anderes aber wird – mit ebenso großer Sicherheit – gleich bleiben.

Wenn ich zurückkehre zu den Zielen vom letzten Mal, dann fügt es sich besonders gut ein. Alles soll besonders sein. Das Ziel ist das Besondere. Beliebig zu versehen mit einem Verb nach Wahl. Das Besondere tun. Das Besondere haben. Besonderes erleben, fühlen, sehen, wissen, denken. Allem voran: besonders sein.

Nur stößt dieses Streben, nur stößt diese schöne Vorstellung, so wie alles, irgendwann auf ihre Grenzen. Wirft Probleme auf. Und es stellt sich die Aufgabe, das lex specialis zu finden, das zutrifft.

Selten hat sich mir eindrucksvoller gezeigt, wie sehr dieses Studium namens Jura das Leben repräsentiert. Selten hat es sich eindrucksvoller gezeigt als bei diesem Thema, diesem geflissentlich großen Thema zu Beginn des neuen Jahres. Wie hieß es in Professor Hafts Juristischer Lernschule sinngemäß: Die Aufgabe eines Juristen ist es, das Leben von einer besonderen Seite zu sehen.

Mehr ist es gar nicht.

Dabei sind wir doch die Bedenkenträger. Das hatte der Dekan damals gesagt. Herr Professor von Hoyningen-Huene, bei unserer feierlichen Einschreibung an jenem 17.September des inzwischen vergangenen Jahres. Wir Juristen seien die Bedenkenträger. Wenn ein BWLer zu uns komme und uns frenetisch von seiner neusten Idee, seinem bahnbrechenden jüngsten Konzept erzähle, seien wir erst einmal diejenigen, die zweifeln würden. Die relativieren würden. Die Fragen stellen würfen. Die alle Varianten durchspielen müssten. Die die Gefahren sähen und dem BWLer beibringen dürften, dass es nicht so einfach wird, wie er glaubt.

Den Kopf voller Zweifel, die Straße voller Versprechungen.

Ab und an, zwischendurch, weiß ich eben recht genau, wieso ich Jura studiere.

Im Rahmen des Planspiels vor den großen Weihnachtsferien hatte Annika, ich glaube am ersten Tag sogar schon, am Donnerstag, einen Satz gesagt. Einen Satz, der mir in Erinnerung geblieben ist. Wir waren seit 9 Uhr in der Uni gewesen, als sie diesen Satz gesagt hatte, irgendwann am Nachmittag, und würden es noch bis gut sechs Uhr am Abend sein. Im Wesentlichen aber war es um das Lernen für die BGB-Klausur gegangen, meine ich, um die vielen Stunden in der Bibliothek, die noch dazu kamen. "Manchmal habe ich im Moment echt das Gefühl", hatte Annika gesagt, "dass ich hier wohne."

In diesem Sinne war es am Montagmorgen wirklich ein bisschen so, als käme man zurück nach Hause.

Ein gnadenloses Aufstehen um kurz vor zwölf. Tageslicht, tatsächlich. Getreu der Haft’schen These vom Dienstag: "Diese ganzen Leute, bei denen immer mitten in der Nacht noch Licht brennt – die sind nicht verrückt. Das sind einfach die ganzen Jurastudenten."

Na gut: Die Woche begann, an sich, zu einer erträglichen Zeit. 13 Uhr, Strafrecht. Über das "an sich" ging es aber bei einigen nicht hinaus. Wer nicht bis morgens um 6 noch an der Hausarbeit gesessen hatte – die für vierzig Bearbeitungsstunden gedacht und Anfang Dezember ausgegeben worden war, aber so ist das eben selbst bei Jurastudenten –, der hatte sich in den Ferien einen Schlafrhythmus angeeignet, dem ein um 12 Uhr klingelnder Wecker klar zuwiderlief. Um es vorsichtig zu formulieren. Ich hätte auch wieder etwas von Tageslicht erzählen können.

Doch so ist das nun mal, gemäß dem alles bestimmenden Prinzip, dass man nur zu schätzen weiß, was man nicht haben kann: Wenn man nach dreizehn Wochen Normfall Manager, Anfechtbarkeiten und Irrtümern aller Art mal wieder ein Stückchen Freiheit bekommt, ist es umso wertvoller. Und will umso intensiver genutzt sein.

Und dass diese freie Zeit zudem begrenzt wurde durch die erste Hausarbeit des eigenen Studentendaseins, verstärkte den Gedanken nur noch.

Nun hatte es sich allerdings, wie erwähnt, wieder damit. Montagmorgen. Durch leichten Regen lief ich, an Leuten auf ihrem Mittagspausenspaziergang und an überall an den Straßenecken liegenden Weihnachtsbäumen (!) vorbei, zur Uni. Dort bot sich direkt eine der doch immer wiederkehrenden und immer wieder mit einem Schmunzeln gesehenen Parallelen zur Schule. Man sah die Leute wieder. Und hatte viel zu erzählen. Von Weihnachten (dem letzten Fest, das Leute – im Gegensatz zu Ostern – wirklich noch zuverlässig mit ihrer Familie feiern), von Silvester, von der Reise in die Heimat und von der Rückkehr in die zweite. Die Hausarbeit wurde besprochen wie früher eine Matheklausur. "Was hast du da raus?" – "Was war es bei dir?" – "Wie hast du das und das gelöst?" – "Hast du daran gedacht? Ich auch nicht!" Jedem gelang es, den anderen so von seinem Ergebnis zu überzeugen, dass dieser so verunsichert war, dass er am liebsten noch mal zum Service Point gerannt wäre, um seine Arbeit zu ändern. Und das Schlimme daran, ebenso ganz wie früher in Mathe: Jeder hatte etwas anderes raus.

Das bewies irgendwie eine andere Aussage des Herrn Professor Haft – dass Jura nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch eine Kunst sei.

Das Leben von einer besonderen Seite zu sehen, dürfte eben eine der vielgestaltigsten Aufgaben sein, die ich mir vorstellen kann.

Das Gefühl, zurück nach Hause zu kommen, sah sich vor allem davon intensiviert, dass gleich zu Beginn Herr Professor Haft auf dem Plan stand. Der einzige, der uns allen ausnahmslos erhalten blieb. Die Personifikation des aus Trimester Nummer eins Bekannten und Bewährten. Dazu kam Hafts unverändert gesellige und humorvolle Art, sofort in den ersten Minuten wieder voll entfaltet. Es wurde einem veranschaulicht, egal ob man von Anfang an zuhörte oder lieber erst noch ein bisschen über die Ferien tuschelte, was man vermisst hatte. Trotz aller unbestreitbaren Erforderlichkeit einer Pause.

Und sogleich benannte Haft das Thema, das in den folgenden Trimestern das Strafrecht prägen wird. Worum es gehen wird. Im Rahmen der Unterteilung unseres Strafgesetzbuches in zwei große Abschnitte. Nachdem dem Allgemeinen Teil des StGB nur ein einziges Dritteljahr gewidmet wurde. – Nun alles ab § 80. Der Besondere Teil.

Das wird die komplette Materie des Strafrechts in diesem Jahr 2012 für uns sein. Besonders.

Los ging es am Montag gleich mit den vielleicht zwei berühmtesten Paragraphen des deutschen Strafrechts. 211 und 212. Mord und Totschlag. Diskussionen rund um diese beiden Tatbestände dominierten dann auch die neu eingeteilten – aber, wie man hörte, schon wieder munter herumgetauschten – SLGs der Woche. Ist Mord nur eine qualifizierte Form des Totschlags? Oder ist er so verwerflich und besonders, dass er als delictum sui generis anzusehen ist, wie es die Rechtsprechung tut? Die Systematik des Gesetzes spricht nicht gerade für die Literatur; der Mord steht vor dem Totschlag. Für den Klausurenaufbau wird es dennoch empfohlen, immer erst Totschlag zu prüfen und danach die Mordmerkmale. Und was bedeutet eigentlich lebenslänglich? Fünfzehn Jahre mindestens, in der Theorie aber auf unbestimmte Zeit. Ist das mit dem Resozialisierungsgedanken des Strafvollzugs vereinbar?

"Es gibt im Strafrecht nichts, was nicht umstritten ist", würde Haft wohl antworten.

Nach neunzig Minuten schlimmster Verbrechen zum Start war der erste Tag auch schon gelaufen. Ein grandioser Unterschied diesmal zum klassischen Wiedereinstieg in der Schule, seinerzeit dominiert von endlosen Montagen. Ein willkommener freilich. So bot sich direkt Gelegenheit, wieder ins Bibliotheksleben zurückzukehren. Große Wiederholung Strafrecht Allgemeiner Teil. Auf dem basiert schließlich alles Folgende. Und die erste Klausur steht hier, untypischerweise, ja bereits Ende des Monats an.

Am Dienstag wurde die Sache mit dem Wecker noch ein Stückchen gnadenloser. Von 12 Uhr ging es noch mal hoch auf halb neun. Das fühlte sich dann wahrlich so an, als sei der Alltag zurück. Aus dem Bett hinaus ins kalte Zimmer, begrüßt von einem Himmel, nur bestehend aus scheuen, undurchdringlichen Wolken. Am Bahnhof bei Ditsch Schlange stehend. Überall die neuen Tafeln mit den Nachrichten des Tages. Demonstrationen in Nigeria. Neue Kritik an Wulff. Irgendjemand aus der US-Politik tritt zurück. Der Blick auf eine der vielen Uhren ringsum – digital, analog; man kann es sich aussuchen. Irgendwann knapp 9.40 Uhr, Zeit für die letzten Meter zur Uni. Alles nichts Besonderes. Alltag eben.

So trat Herr Professor Haft wieder auf den Plan. Es galt die Hausarbeit zu besprechen. Diesmal nicht untereinander mit der ständig umgreifenden und wechselnden Verunsicherung, ob die Lösung des anderen nicht doch treffender sei – sondern vom Ersteller höchstselbst, und zwar mit der ständig umgreifenden und wechselnden Verunsicherung, ob dessen Lösung nicht doch treffender sei.

Gut nur, dass Haft in seiner bekannt starken Ablehnung autoritären Lernens seinen Vortrag lediglich als "Lösungshinweise", als die Art und Weise, wie er das Ganze gemacht hätte, ansah. Nicht als Lösung. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, wie sich dieser liberale Gedanken in der Korrektur niederschlagen wird. Hoffen wir, dass Haft unseren Notengebern seine Idee nah genug gebracht hat.

Es folgte die erste große Mittagspause des zweiten Trimesters. Die insgesamt weder auffällig rarer noch kürzer geworden sind. Hauptsache früh aufstehen und spät zuhause sein. Aber was tut man nicht alles, um angehalten zu werden, zwischendurch zu lernen? Ich muss sicherlich zugeben, dass ich in Klasse 13 nie so viel für die Schule getan habe wie damals montagvormittags – im Rahmen dieser endlosen Montage –, in den drei Freistunden zwischen Englisch und Mathe. Wie weit weg das wirkt.

Es lässt sich aber, was nicht oft genug festgestellt werden kann, alles übertreiben. Dienstagnachmittag das erste Mal Grundrechte mit Herrn Professor Kment, der seine Vorlesung mit einem "Wie geht’s?" begann und genauso weitermachte, dabei stets darin reüssierend, den Belang seines Faches zu veranschaulichen. Okay.

Und am Mittwochmorgen ging es gleich weiter mit ihm. Um 8 Uhr. Nicht mehr okay. Und ab kommender Woche wird im Anschluss daran, von 9.30 Uhr bis 13.15 Uhr (!), regelmäßig Pause sein. Pausen sind erforderlich. Das hat sich oben geklärt. Aber sobald sie die Arbeit dazwischen vorrangig in die Länge ziehen, anstatt Erholung von ihr zu bieten, werden sie irgendwann lästig. Vor allem wenn sie dafür sorgen, dass mitten in der Woche die noch monderfüllte Rush Hour den Pfad zur Uni bereitet, und das ohne Not. Natürlich lässt sich das als Meckern auf hohem Niveau abtun. Aber wenn es etwas gibt, worum uns die Biochemiker, die Mediziner und die Kollegen von der Betriebswirtschaftslehre noch beneiden, dann doch unsere human liegenden Präsenzzeiten. (Von Informatikern und Co. sprechen wir aus Neidgründen mal gar nicht). Diese letzte Vorteilsbastion eines harten Jura-Studiums zu verlieren, würde bitter schmecken. Tut es bisweilen schon.

So oder so rangen sich einige dazu durch, am Mittwochmorgen um 8 Uhr am Gustav-Stresemann-Ring 3 zu sein. Herr Professor Kment gelang es, diese Mühe, soweit das möglich sein soll, zu belohnen. Die ersten zehn Minuten lang tauschte sich jeder mit seinem Nachbarn über drei Fragen zur letzten Vorlesung aus. Über etwas zu reden sei eben eingängiger, als es nur frontal zu hören. Danach ging es munter weiter mit Meinungsfreiheit, Petitionen und dem Recht auf freie Entfaltung als Auffanggrundrecht.

Es schloss sich, diesmal noch, unmittelbar die AG Strafrecht an. Die Abschiedsvorstellung beim guten Sven. Der uns wohl doch nicht so gern behalten wollte wie wir ihn, oder der schlichtweg dem nachvollziehbaren Fairnessgedanken der Wechsel der AG-Leiter untereinander zum Opfer gefallen ist – man wird es nie herausfinden. In dieser ersten Woche vertrat er auf alle Fälle noch einmal Herrn Schmidt-Nentwig, der bei uns vom Bürgerlichen ins Strafrecht gewechselt ist, fast schon als sei er einer dieser omnipotenten Bundesminister, die bei der nächstbesten Wahl ihr Ressort wechseln, damit man sie auch ja nicht mehr richtig zuordnen kann.

Sven unterbreitete uns noch, dass in diesem Trimester ohnehin alle AGs die gleichen Fälle durchgehen werden, wie als Trost. Und kündigte an, man werde sich in einem späteren Trimester womöglich wiedersehen, wie als Trost.

Dann war Pause. Begrenzt von Englisch. Das von nun an nicht mehr Common Law, sondern U.S. Laws heißt. Und nicht mehr mit 22, sondern mit 44 Leuten ausgetragen wird. Nicht mehr im beschaulichen Toronto, sondern im unüberschaubaren Hongkong. Nicht mehr als Kurs rund um mündliche Beteiligung, sondern als Vortrag, soweit Mr. Mehren das übers Herz bringt. Und mit abschließender Klausur demnach. Und, was das Wichtigste ist, weiterhin mit den liebgewonnen Sprüchen und der Tendenz zu eindrucksvollen Anekdoten. Es fällt zwar schwer, das überhaupt für möglich zu halten. Aber wenn ich jemandem zutraue, uns davon zu überzeugen, dass das Case Law der Staaten dem deutschen Recht in dem einen oder anderen Bereich überlegen sein könnte, dann Mr. Mehren. Was nicht im Ansatz bedeuten soll, dass ich es schon wäre.

Wir sind schließlich die Bedenkenträger.

Mittwoch- und Donnerstagnachmittag bildeten dann den Einstieg in den zweiten Bereich unserer wirtschaftlichen Nebenbei-Ausbildung, die manchmal gar nicht so nebenbei wirkt: VWL. Nur ein Buchstabe anders und doch so viel Unterschied. Nicht nur die Sprache. Language of instruction: Englisch. Wie campusnet in seinem üblichen Sprachenwirrwarr verrät. Und das bei einem Franzosen. EBS-Internationalität pur.

Die erste AG-Stunde fürs Öffentliche Recht zeigte erfreulicherweise, dass sie dem Idealbild einer AG weder in Leutseligkeit noch in einleuchtender Praxisrelevanz – Klausuren seien hier fürs Erste als "Praxis" bezeichnet – in etwas nachstand. Man erfuhr, dass ein Geistlicher, der einen abgeschobenen Asylanten in seiner Kirche beherbergt, so seine Religionsfreiheit ausübt, und diese geschützt ist.

Das Schuldrecht eröffnete Herr Professor Nietsch indes mit der fairen Ankündigung, dass dessen Materie per se nicht so spannend sei wie die mörderischen Sensationen des Strafrechts oder die revolutionsbedürftigen Ungerechtigkeit der klassischen Fälle des Grundrechts. Es beschäftigt sich eben mit dem Alltäglichsten des Alltags. Anders als die anderen juristischen Fächer. Zumal in diesem Trimester nur der Allgemeine Teil des Schuldrechts Thema ist. Der Besondere folgt im Sommer.

Es blieb der Freitag mit der Erkenntnis, dass es im Gegensatz zum ersten Trimester kaum noch Viertagewochen geben wird. Um genau zu sein, nur noch eine einzige. Da passierte es schon einmal, dass Leute Herr Nietschs Empfehlung, lieber auch mit Kater zur Vorlesung zu kommen als gar nicht, direkt wörtlich nahmen. Noch ist eben Eingewöhnungsphase. Wiedereingewöhnungsphase. In ein vielleicht besonderes, vielleicht ganz normales neues Trimester. In ein kaum einzuschätzendes neues Jahr.

Dessen außergewöhnliche Elemente werden aber, wie immer, nur deshalb außergewöhnlich sein können, weil es auch gewöhnliche gibt.

Alles soll besonders sein.

Das Problem dabei haben wir schon im ersten Trimester unseres Studiums der Rechtswissenschaften ausführlich gelernt: Es muss auch einen Allgemeinen Teil geben, damit der Besondere überhaupt funktioniert.

Es muss stets auf den Allgemeinen zurückgegriffen werden. In jeder Fallprüfung. Jeden Tag.

Aber wie Haft auch umgekehrt zu sagen pflegt: "Es gibt keinen Versuch an sich. Es gibt nur einen versuchten Mord, eine versuchte Körperverletzung. Es gibt keinen Allgemeinen Teil ohne den Besonderen."

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass das Besondere sich gern verbirgt. Dort wo es weiß, dass es nicht erwartet wird. Dort wo es sich sicher verstecken kann. wo versteckt sich denn in einer Klausur die wesentliche Abweichung vom Normalfall?

Dann muss es gesucht werden. Das Gute ist: Die Suche allein – nicht als Erfolgs-, sondern für sich als Tätigkeitsdelikt – bewirkt oft schon das Finden.

Das sei ein erstes übergeordnetes Ziel im teleologischen ausgelegten Leben 2012.

Oder wie die Avett Brothers in ihrem melodisch bewährt-eingängigen, textlich bewährt-gesellschaftskritischen und freiheitspreisenden Head full of Doubt, Road full of Promise sangen, dessen nun folgende abschließende Zeilen aber über den übrigen Inhalt hinauszugehen scheinen und so kryptisch durchdringend wirken, dass ich eine ganze Weile an ihnen herumdeuteln musste, bis ich mir halbwegs sicher war, sie hier angemessen verwenden zu können:

"There’s a darkness upon me that’s flooded in light.

In the fine print they tell me what’s wrong and what’s right.

There’s a darkness upon me that’s flooded in light.

And I’m frightened by those who don’t see it."

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