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25.10.2012
15:56

EBS Congress for Sports, Business and Society

EBS Congress for Sports, Business and Society

EBS Congress for Sports, Business and Society

Wer glaubt, dass die EBS nur was mit Banken und Unternehmensberatungen zu tun hat, wurde das letzte Wochenende vom Gegenteil überzeugt. Denn der EBS Congress for Sports, Business and Society lud dieses Wochenende dazu ein über die Beziehung zwischen Sport und Wirtschaft zu diskutieren. Der Start des erfolgreichen Kongresses war die Podiumsdiskussion mit dem Thema Druck im Profisport.

Schirmherr Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Fußballnationamannschaft eröffnete mit einer interessanten Diskussion den Freitag. Dabei waren namhafte Manager im Bereich Sport, wie Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer, Borussia Dortmund) und Bernd Bönte (Geschäftsführer, Klitschko Management Group) als Gast an der EBS in Oestrich Winkel. Auch der ZDF Sportmoderator Sven Voss ließ es sich nicht nehmen, an dem von Studenten organisierten Kongress teil zu nehmen.

Zuvor lud das Sports Ressort bereits am Donnerstag Abend alle Referenten zu einem gemütlichen Einstand im EBS Weinkeller ein. Dabei wurde den Teilnehmern der von der EBS angebaute Wein und ein leckeres Buffet serviert und die Veranstaltung wurde im kleinen gemütlichen Kreis im urigen Weinkeller eingestimmt. Das Sport Ressort der EBS hat damit sein Jahresziel vollbracht und kann diese Woche auf einen tollen Kongress zurückblicken.

Auch alle anderen Ressorts der EBS hatten diese Woche eine große Änderung im Programm. Die neuen Vorstände für die Ressorts wurden erfolgreich gewählt, sodass die Ressorts nun an die Quietschies übergeben wurden und die Arbeit für das kommende Jahr beginnen kann.

Ressorts wie Supply Chain Management und Real Estate müssen dabei schon richtig Gas geben, weil deren Kongresse bereits Anfang nächsten Jahres stattfinden. Auch das berühmte EBS Symposiums Ressort beginnt nun seine Arbeit, um auch nächstes Jahr das größte von Studenten organisierte Event im deutschsprachigen Raum zu meistern.

22.10.2012
16:42

Wiesn After Ma(th)ss 2012

Während andere Studenten diese Woche ihr Semester erst begonnen haben, haben die Erstsemestler der EBS, liebevoll "Quietschies" genannt, diese Woche mit ihrer ersten Klausur begonnen.

Die Midterm Matheklausur war zwei Wochen lang Thema Nummer 1 auf dem Campus. Und nicht nur für die Quietschies, sondern auch für die andern Semester, weil schnell im Umlauf war, dass nach der Matheklausur der Quietschies eine tolle Party veranstaltet würde.

Das EBS Event Ressort dachte sich, da viele wegen der Matheklausur dieses Jahr nicht auf die Wiesn nach München fahren konnten, holen sie die Wiesn einfach an die EBS. Grund zum Feiern war natürlich auch durch die Matheklausur gegeben.

In Mainz wurde deshalb gestern die EBS Wiesnparty veranstaltet, wo es urtypisch Weißwurst und Wiesnbier gab. Und Dresscode war natürlich Dirndl und Lederhosen. Das EBS Event Ressort hat es wieder geschafft in kurzer Zeit eine tolle Mottoparty zu veranstalten, sodass jeder nach dem Stress von Mathe sich wieder erholen konnte und ein bisschen Wiesnluft schnuppern konnte.

Wir sind gespannt auf die nächste Veranstaltung, die EBS Halloween Party, vom Event Ressort!

Wochenrückblick: Selbst wenn früher alles besser war

"Sie denken nun vermutlich: Na gut, beim Rücktritt mag der Vertrag aufgehoben werden, und alles wird einfach, wie es vorher war", sagte Herr Professor Nietsch in einem beiläufigen Ton, der verdeutlichen sollte, dass, was nun folgen würde, das Selbstverständlichste von der Welt sei, und bewies mit dem, was tatsächlich folgte, einem Dogma, das den Menschen - nicht nur, aber wohl vor allem - in seinen jungen Jahren ähnlich prägen muss wie Weisheiten von der Grauheit des Lebens oder dem Grundsatz, dass es keinen Grundsatz ohne Ausnahme gebe, bewies damit, dass dieser beiläufige, selbstverständliche Ton nicht von ungefähr kam; "Aber dem ist nicht so. Es wird nämlich nie so, wie es vorher war."

Es ist so eine Aussage, zu der wahrscheinlich ein jeder von uns eine Menge zu erzählen hätte. Erfahrungen, Schlussfolgerungen, Regeln und vielleicht sogar - Ausnahmen. Ich versuche ja eigentlich jede Woche, mir eine solche Aussage zu suchen.

Und nun - nach all dem, was wir schon zu diesem Thema erlebt haben - will das Schuldrecht uns mit einer solchen Nachdrücklichkeit lehren, dass nichts je wieder so wird, wie es einmal gewesen ist. Hmm. Eine Partei tritt vom Vertrag zurück. Nehmen wir an, sie sei dazu berechtigt. Wir sind schließlich nicht einfach so berechtigt, von allem zurückzutreten, was wir so angezettelt haben. Das Rechtsgeschäft wird also vernichtet. Die ursprünglichen Ansprüche erlöschen. Die bereits erbrachten Leistungen sind zurückzugewähren. Aber ist das denn immer so simpel möglich? Kann schlicht zurückgewährt werden, was man einander zuvor gegeben hat? Und so getan, als sei nie etwas passiert?

Und als sei das noch nicht problematisch genug, sind auch noch die gezogenen Nutzungen herauszugeben. Das, was uns das Schuldverhältnis gebracht hat, sollen Zurücktretender und Rücktrittgegner sich gegenseitig zurückgeben. Jeder Gewinn soll an den gehen, der ihn gehabt hätte, wenn es nie zum Vertrag gekommen wäre. Keiner soll von dem profitieren, was passiert ist, wenn der Rücktritt erfolgt. Es soll eben geschehen, was nötig ist, damit es sich so anfühlt, als sei alles wie vorher.

Doch die Frage bleibt: Ist das möglich? Absatz 2 springt sofort in die Lücke, die sich ergibt, und ruft laut: Nein. Er regelt die Pflicht zum Wertersatz, falls "die Herausgabe nach der Natur des Erlangten ausgeschlossen ist". Falls "verbraucht, veräußert, belastet, verarbeitet oder umgestaltet" wurde. Falls also in irgendeiner Form Verschlechterung oder Untergang dessen eingetreten ist, was gegeben wurde und nun zurückzugewähren wäre. Nur was "die bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme" verursacht haben soll, "bleibt außer Betracht". Na dann.

Bestimmungsgemäß begann jedenfalls auch die vergangene Woche. Im Grunde war sie dies komplett. Das Besondere lag in erster Linie darin, dass es nun tatsächlich dem Ende zugeht. Dem nächsten Ende. Und man es erstmals spürte. Es war so eine typische Folge vor dem Staffelfinale. In der alle Handlungsstränge drinsteckten. Alle wichtigen Charaktere. In der ausnahmsweise einmal mehr nach vorn als zurück geschaut wird. In der sich alles gemächlich zuspitzt und vorbereitet wird. In der die Gewohnheiten, die die Staffel hervorgebracht hat, noch einmal fast überzeichnet dargestellt werden, welche Demonstration das Bewusstsein schärft dafür, dass sie bald erst einmal wieder Geschichte sein werden. Auch wenn es nicht wieder so werden mag, wie es vor ihnen war.

"Willkommen zur achten AG-Stunde im Schuldrecht", eröffnete schon Caroline Fündling am Montagmorgen das Ganze in ihrer üblichen Weise. In dieser ersten Woche seit Anfang des Jahres, in der man mal wieder wusste, die wievielte des Trimesters es eigentlich ist, kam kurz Verwunderung auf. Die achte? Dann fiel einem wieder ein, dass die erste AG-Stunde für dieses Fach, das sich gegen Ende hin Mal für Mal zu größeren Lebensweisheiten aufzuschwingen scheint, ja in Woche zwei gewesen war. Und die letzte in der ersten Woche der Klausurenphase sein wird.

Genauso wie es noch zwei Übungen im Strafrecht geben wird nach dem regulärem Ende der Vorlesungszeit kommenden Freitag. Und die letzte Vorlesung Schuldrecht höchstselbst auf den 23. verschoben worden ist. Na klar - als "Plenumssitzung". Etwa in der heimlichen Erwartung, unmittelbar nach der "US Law"-Klausur werde die Motivation an einem Freitagmittag ohnehin nicht sehr groß sein? "Ich würde Ihnen wirklich empfehlen, auch an diesem Freitag zu erscheinen", sprach Herr Professor Nietsch auf alle Fälle. "Es wird noch einmal sehr wichtig werden. Und ich habe den Termin extra so gelegt, dass Sie alle kommen können." Das zumindest stimmt.

Im Strafrecht ging es in dieser Woche dafür ziemlich bunt weiter. Herr Professor Haft vergnügte sich und uns weiterhin mit den Beleidigungsdelikten, die zu seinen Lieblingstatbeständen im StGB zu gehören scheinen. In der AG bei Herrn Schmidt-Nentwig ging es dagegen um den Erpresserischen Menschenraub und die Geiselnahme, die im Rahmen der Straftaten gegen die Freiheit gefühlsmäßig vor drei Wochen in der gemütlichen Rosenmontagsvorlesung hätten drankommen sollen, das aber nicht taten. Und für die immerhin im Normalfall der gleiche Strafrahmen gilt wie für den klassischen Totschlag. Und da ihnen jeweils der Raub respektive die Erpressung innewohnen, mussten die gleich noch mit behandelt werden. Während sich die SLG-Aufgaben der Woche mit Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs befassten. Und Haft sich hier sowohl mit Namen der Beteiligten ("Bundespräsident Wolf von im Schafspelz") als auch mit den Sachverhalten so richtig ausgetobt hatte. Buntes Treiben im Strafrecht und seinen verschiedenen Modi also, einmal mehr.

In VWL machte sich dann erstmals bemerkbar, dass ja bald tatsächlich Klausuren anstehen sollen. Die wirklich überzeugende Klausurenstimmung/-panik hat bislang nämlich noch nicht aufkommen wollen.

Zum einen wird es nicht eine einzige juristische Prüfung geben am Ende dieses so "zentralen" zweiten Trimesters. Was verwunderlich klingt. Aber über den Allgemeinen Teil des so voller Weisheiten steckenden Schuldrechts allein lässt sich nun mal schlecht etwas schreiben. Der so unerlässliche Besondere im Sommer gehört nun mal dazu.

Zum anderen weiß man bei den de facto zu absolvierenden Klausuren der kommenden beiden Wochen entweder noch nicht so recht, womit man eigentlich zu rechnen hat, oder man weiß es genau, und es ist harmlos. Rechtsinformatik ist für die meisten wie ein 5:0, das höchstens noch ein 6:0 oder, wenn man unkonzentriert herangeht, ein 5:1 werden kann. Also reine Ergebniskosmetik, vielleicht noch gut für das ominöse Auslandsranking. Wer nämlich in der Methodenlehre vergangenen Dezember mindestens acht Punkte hatte, ist schon durch. Der Rest muss und sollte es irgendwie bewerkstelligen, mit beiden Klausuren zusammen auf ebendiese magischen acht zu kommen.

Und die anderen zwei Klausuren? Bei US Laws ist irgendwie noch einiges im Unklaren. Mehrens Horrorgeschichte von den vielzitierten 70%, die in Frankfurt bei diesem Test regelmäßig durchfallen, schwebt natürlich noch immer mit. Die Materie selbst wirkt machbar. Multiple Choice ist angekündigt worden. Und ein Essay. Zeit wird nicht ewig sein - zwei Stunden, nun gut.

VWL wurde jedenfalls am Mittwoch etwas klarer. Herr Professor Demougin warf ein paar Beispielfragen an die Leinwand. Und wer schon begonnen hatte mit dem empfohlenen Buch zu lernen, nickte wohl. Die anderen wussten ab da immerhin grob, was noch zu tun wäre.

Und noch bevor das Wochenende verdeutlichte, dass Woche und Ende so allmählich mehr und mehr ineinander übergehen, um schon mal auf die Ferien vorzubereiten - ganz anders im Vergleich zur gnadenlosen Schlussphase des ersten Trimesters - folgte, wie erwähnt, die bekannte Prise Schuldrecht zum Ausklang.

"Es wird nämlich nie so, wie es vorher war", meinte Herr Professor Nietsch da.

Ein leises Raunen ging durch die Menge.

Ganz ähnlich wie damals, als Herr Professor Binder das Leben grau genannt hatte. Immer wieder diese Aussagen, die sich auf 112 Jahre alte Paragraphen beziehen und auf Sachverhalte anzuwenden sind, in denen auf die abgefahrenste Art Ming-Vasen zerstört und Mohnbrötchen verkauft werden - und die sich gleichsam so nachdrücklich übertragen lassen. Das Leben von einer besonderen Seite eben.

Heißt die Schlussfolgerung daraus denn nun, dass wir doch lieber warten sollten? Bevor wir einen Vertrag schließen, nach dem nichts mehr so werden kann, wie es vorher war? Weil nichts je völlig nichtig und vergessen wird? Weil es immer einen Vertrauensschaden gibt?

Hat nun doch mancher Grundsatz einfach keine Ausnahme?

Und ist das vielleicht die Ausnahme?

Nun: Ohne Vertrauen durch die Welt zu gehen, ist noch nie der richtige Weg gewesen. Und sich Risiken völlig zu verschließen, funktioniert nicht. Womöglich stoßen wir ja eines Tages auf die entscheidende Ausnahme, bei der doch einmal alles wird, wie es vorher war.

Und wenn nicht, dann hat auch das so seinen Sinn. Jede Handlung hat ihre Folgen, und wenn sie da sind, sind sie da. Wie Jack im Serienfinale von Lost so eindringlich betonte: "Trust me, everything matters."

Denn: Wenn von allem immer schlichtweg zurückgetreten werden könnte, und alles würde so wie vorher - welchen Wert hätten unsere Entscheidungen schon noch?

Wochenrückblick: Das Mohnbrötchen des Schuldrecht

"Aber Sie wissen", sagte Herr Professor Nietsch in einem beiläufigen Ton, der verdeutlichen sollte, dass, was nun folgen würde, das Selbstverständlichste von der Welt sei, und bewies mit dem, was tatsächlich folgte, einem Dogma, das den angehenden Juristen in seinen jungen Jahren ähnlich prägen muss wie das immergültige Es kommt darauf an oder ein so einschneidender Begriff wie Nachtbackverbot, bewies damit, dass dieser beiläufige, selbstverständliche Ton nicht von ungefähr kam; "Aber Sie wissen: kein Grundsatz ohne Ausnahme."

Es ist eines der Lieblingsworte eines Rechtswissenschaftlers. (Auch wenn Herr Schmidt-Nentwig gern betont "Wir sind einfach keine Wissenschaft", halte ich mal an diesem Titel fest). Das Lieblingswort heißt grundsätzlich. Zu Beginn eine der vielen Abkürzungen, an die man sich erst zu gewöhnen hatte. grds. Manchmal auch als idR. Überall. Überall fanden sich Regeln, Prinzipien, Richtschnüre. Zweifelssätze. Eigentlichs.

Und an der entscheidenden Stelle tauchte dann plötzlich jedes Mal diese unheimliche Ausnahme auf. "An sich (+), aber ..." Das Problematische, das Punktebringende, die Antwort auf die ewige Frage, worauf es denn ankomme - immer vom Grundsatz abweichend. Fast schon als neuer Grundsatz.

Und im Zusammenhang mit diesem chronischen Bekenntnis kriecht dann auch immer wieder eine andere Lebensweisheit an die Oberfläche. Ohne dass man sie eingeladen hätte. Aber vermutlich resultiert sie aus dem Eindruck, sich mit ihr behelfen zu können. Die Schwäche abzustreiten, die offenbar in manchem Grundsatz liegt, wenn dauernd Ausnahmen von ihm gemacht werden müssen. Wie wird dann immer hervorgehoben: "Ausnahmen bestätigen die Regel."

Dabei ist es das schlechteste Argument, das ich kenne. Es ist im Grunde überhaupt kein Argument. Es ist das Gegenteil eines Arguments. Es ist so ein bisschen wie letzten November der Ratschlag, der sich selbst zerstört, eine Aussage ohne Gehalt oder, genauer: eine Aussage, die sich selbst ad absurdum führt. Was will man uns denn damit sagen? Nimm diesen Fall, der so ist, als Beweis dafür, dass alle anderen Fälle anders sind! Wird gemacht. Was ist dann überhaupt ein Gegenbeweis?

Also, wenn wir das mal zu Ende denken, ist es ziemlich praktisch. Letztendlich ließe sich so doch recht gut das Induktionsproblem lösen. Sobald wir auf etwas stoßen, das unsere Theorie widerlegt, nehmen wir es als Beleg, dass sie stimmen muss. Alles ist wahr - erst recht, wenn wir einen Fall finden, wo es nicht wahr ist. Ausnahmen bestätigen ja die Regel.

Wenn man so will, besteht so eine liebe Woche ja aus nichts anderem als Regeln und Ausnahmen. Jede Vorlesung, jeder Tag, jede Pause zwischendurch. Aber auch das wahre Leben drumherum. Alles immer eine Mischung als Altem und Neuem, dem, was ich so gern kursiv gewohnt nenne, und dem, was der Gewohnheit widerspricht. Die Orientierung, die wir alle brauchen, aber nur wenige von uns haben, holen wir uns aus den Regeln, aus den Grundsätzen. Die wir entweder selbst bilden, oder die das im alles heilenden Laufe der Zeit selbst tun. Und so schwierig zu finden, so entscheidend ist sie, diese Orientierung, weil, ehe wir uns versehen, schon wieder die nächste Ausnahme um die Ecke kommen wird. Ab und an etwas infrage zu stellen, ist gut. Darüber habe ich im Herbst 2010 schon mal meine Ausführungen geschrieben. Aber dass sich ständig alles von sich aus infrage stellt, verunsichert - und in vielen Situationen gibt es kaum Schlimmeres, als verunsichert zu sein.

Montagmorgen - nicht zu früh aufstehen, aber immer noch früh genug. Sich erst mal orientieren in Richtung Bahnhof, nach einem Wochenende, egal ob Karneval oder nicht, stets fernab des Rests, das Leben von einer anderen besonderen Seite.

Der Blick auf die Busse in Seoul. Grundsatz. Dieses Mal auch, anders als in der Vorwoche, die die Ausnahme war, mit ganzen fünf Leuten, wieder halbwegs vollständig. Einer oder zwei fehlen immer. Aber anscheinend nicht jedes Mal dieselben. Schließlich ist für den, der mehr als dreimal in zehn Wochen mit Abwesenheit glänzt, ja Schluss mit Lustig in den AGs. So scheinen sich die Leute abzuwechseln. Es setzt sich stets jemand anders dafür ein, dass die Regel erhalten bleibt.

Bei Herrn Professor Haft ging es dann um Beleidigungen. Ein Delikt, bei dem in der Realität unter Privatpersonen erst mal Schlichtungsverfahren vorgeschrieben sind, ehe sich wirklich ein Gericht mit den unangebrachten Ausdrücken beschäftigen muss. Teuer wird es aber doch in den Fällen, da zufällig ein Polizist der Beleidigte ist. Mit dem steht dann auch nicht an erster Stelle, sich wieder zu vertragen.

Einige Beispiele mit Summen zwischen 1000 und 3000?, auf die man bei seinen Recherchen für die SLG-Aufgaben so stößt, und die einen dabei auch durchaus zu unterhalten verstehen, könnte ich jetzt nennen. Aber da infrage zu stellen ist, ob sie alle Herrn Rapps dann wohl berechtigte Zensur überleben würden, belasse ich es mal dabei. In der Regel (!) kommen ja sowieso nur fünfzehn bis dreißig Tagessätze dabei heraus. Und Bezeichnungen wie "Wegelagerer" - wenn mal wieder ein Gesetzeshüter nichts Besseres zu tun hat, als Verkehrskontrollen zu veranstalten, und dabei auch noch auf einen Fahrer mit schlechter Laune stößt - werden ja nicht einmal als Beleidigungen eingestuft. Die Meinungsfreiheit mit ihrer Schutzwirkung lebe hoch. Wobei es ja auch die Formalbeleidigung gibt: eine an sich ((+) (!)) wahre Tatsache etwa, die aber allein aufgrund der äußeren Umstände dennoch strafrechtlich relevant beleidigt. Die einseitige Anzeige im Wiesbadener Kurier, die damit titelt, dass die Frau einem fremdgegangen ist, nannte Haft als für ihn typisch buntes Beispiel. Eine seltene Ausnahme, freilich.

Am Dienstag dann der berühmte Verbesserungsversuch. Manche standen freiwillig früh auf, jede Übung mit etwas Druck mitnehmend. Manche standen halb freiwillig auf, die zweite Chance wahrnehmend in einem dieser raren Fälle, der es ja war, da tatsächlich alles nur besser werden kann. Manche standen gänzlich unfreiwillig auf, auf ein Neues an das beliebte Spiel denkend, das längst zum tragenden Wort geworden ist, das beliebte 4 Gewinnt. Manch jemand war natürlich auch einfach nach Hause gefahren.

Geschätzte zwei Drittel aber schrieben mit.

Diesmal war es ein Mafiaboss, der seine 17-jährige (solche Angaben im Sachverhalt sind immer wichtig) Tochter schlägt, als er sie mit ihrem Freund im Bett erwischt. Bloß über die Körperverletzung nicht die Misshandlung von Schutzbefohlenen vergessen. Und natürlich verliert das arme Mädchen dabei zwei Schneidezähne. An sich (!) Schwere Körperverletzung, weil "dauerhaft entstellt". Aber! Sie könnte durch einen Eingriff beim Zahnarzt Ersatz bekommen, wäre dann nicht mehr entstellt. Die Schwere Körperverletzung entfiele. Und wieder aber! Denn, tada, sie will das nicht. Hat Angst vorm Zahnarzt. Ist das nun nachvollziehbar? Oder sorgt es dafür, dass die objektive Zurechnung des Vaters für ihre Entstellung zu verneinen ist?

Weiter ging es im zweiten Sachverhaltskomplex damit, dass das Mädchen und sein (ich würde auch lieber ihr schreiben) Freund sich ins Auto setzen und in altbekannter Kohlenstoffmonoxid-Manier umbringen wollen. Und ja, Fälle im Strafrecht muss man mit dem nötigen distanzierten Humor betrachten. Der Freund tritt ins Gaspedal. Die Freundin stirbt. Er überlebt, um strafbar zu bleiben.

Herrschende Meinung nach der Klausur war so oder so ein Resümee, das an Auslosungen für Vorrundengruppen von Fußballweltmeisterschaften erinnerte: machbar. Bestehen absolut, Verbesserungen ab einem gewissen Niveau dagegen schwierig. Gegen unscheinbare Gegner hat man nun mal mehr zu verlieren, als zu gewinnen.

8 Uhr, der Tag nach der zweiten Strafrechtsklausur. In gemütlicher Achterrunde fand dann am Mittwochmorgen zur Juristenunzeit die zweite Grundrechtsvorlesung der Woche statt. Es war so eine Atmosphäre wie in einem motivierten Leistungskurs gegen Ende der Schulzeit, etwas Entspanntes, Erhabenes. Das Gegenstück zu jenem Gefühl, das ein Student von dreihundert in einem großen Hörsaal in Frankfurt oder Mainz haben muss. Zumal Herr Professor Kment sich für diesen Morgen eine Wiederholung des bislang bei ihm Abgehandelten aufgehoben hatte - und so seine Fragerei wahrlich den Charakter einer "echten" mündlichen Prüfung gewann. "Eine schöne (ich weiß interessanterweise nichts, ob er "große" oder "kleine" sagte) Grundrechtsfamilie", nannte Christopher das Ganze. Ohne tieferes Wortspiel, aber es passte.

Es folgte die eine oder andere Erkenntnis in der Bibliothek. Nicht nur was die Garantenstellung von Mittätern betraf.

Woraufhin Donnerstag und Freitag einmal mehr von Schuldrecht geprägt waren, das sich diese Woche irgendwie so ein bisschen wie der Kern der Woche anfühlte, woran auch immer das gelegen haben mag. Vielleicht ja an den symbolischen Aussagen des Herrn Professor Nietsch, die sich in letzter Zeit ja durchaus häufen.

Mal davon abgesehen, dass eine Leistung nun mal ab und an unmöglich ist. Ob nur dem Schuldner oder jedermann. Die Unterschiede zwischen subjektiv und objektiv verschwimmen ohnehin immerzu. Und so eine Unmöglichkeit hat eben Folgen. Die gesetzlich geregelt sind. In Regeln. Und Ausnahmen.

Die Ming-Vase feierte vor diesem Hintergrund derweil endgültig ihren Aufstieg zum Mohnbrötchen des Schuldrechts. Das eine war Herr Professor Binders liebstes Beispiel für den Minderjährigen, der ohne Einwilligung seiner Eltern einen harmlos wirkenden Kaufvertrag abschließt. Die Vase ist nun Herr Professor Nietschs grundsätzlicher Gegenstand eines wie auch immer nicht funktionierenden Schuldverhältnisses; im Zweifel wird die Vase im Laufe des Sachverhalts zerstört.

Eine durchaus irritierende Ausnahme von der bisher acht Wochen lang geltenden Regel bildete dann auch der Zeitpunkt der Grundrechts-AG. Die die Woche plötzlich abschloss. Und viel länger als acht Wochen hat man ja heutzutage selten Zeit, sich an etwas zu gewöhnen. Da ist es schon recht fest verankert. Dennoch wurde es mehr oder weniger voll am Freitagnachmittag bei Herrn Heck. Was allerdings auch daran lag, dass der eine oder andere optimierte. Schließlich war die andere AG sogar noch nach uns, nun ja. Da ging es dann auf alle Fälle um Berufsfreiheit. Und eben das Nachtbackverbot für Bäcker, das in diese eingreift.

Das Ganze wird jedenfalls die kommenden, abschließenden beiden Wochen genauso gehen. Freitagnachmittag auf einmal. Wenn wir nicht einmal sogar noch später haben. Schwierig sowohl für das eine Klischee des Studenten, der übers Wochenende gediegen nach Hause fährt, als auch für das andere jenes Studenten, der sich vor dem Freitagabend unbedingt noch einmal hinlegen muss.

Und was zeigt diese Terminänderung? Am Ende der zehn Wochen dieses aufreibenden Trimesters wird die AG bei Herrn Heck dreimal freitagnachmittags gewesen sein. Dreimal von zehn. Das sind 30%. Und doch wird es auch am Ende noch die Ausnahme genannt werden.

Und das andere, was immer es gewesen sein mag, der Grundsatz.

Der sich ja über die Fälle definieren soll, in denen er nicht zutrifft.

Eine Argumentation, die eigentlich keinem Juristen einleuchten dürfte. Aber vielleicht demonstriert das auch, wie Recht Herr Schmidt-Nentwig hat, wenn er sagt, wir seien in Wahrheit gar keine Wissenschaft.

Aber wir haben ja März. Wir wollen es also nicht ganz so kritisch ausdrücken. Sondern mit einem Blick in die Zukunft. In die Zukunft, die sich Frühjahr nennt. Das nächste Frühjahr, bei dem man sofort an all die anderen zuvor denken mag. Die Zukunft, die noch zwei Wochen lang Uni heißt, dann Klausuren und dann wieder Freiheit, noch einmal eine ganz andere als um Weihnachten.

Um es also aus dem Blickwinkel der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach zu sehen:

"Ausnahmen sind nicht immer die Bestätigung einer alten Regel.

Sie können auch Vorboten einer neuen sein."

Wochenrückblick: Einen Moment, bitte

Gut, dass ich gewartet habe.

Würde ich mir das nur öfter denken. Es ist eines meiner größten Themen der letzten zwölf Monate. Warten oder nicht mehr warten. "Ein so großer Teil unseres Lebens ist also nur ein ständiges Warten, ein ständiges Hinarbeiten auf einen im Gesamten so kleinen Teil unserer Zeit." - März 2011, wann auch sonst. Oder auch: "Wie lang darf ein Mensch warten, wie lang kann er warten? Wie lang sollte er warten - und was kann er anderes tun? Manchmal habe ich den Eindruck: gar nichts. Manchmal habe ich den Eindruck: alles." - Juni desselben chaotischen Jahres, im letzten Rückblick meiner Schullaufbahn damals. Zu überstürzen, das scheint immer das Schlimmste zu sein. Aber was ist an zu spät schon besser als zu früh?

Diesmal ist es gut, dass ich eine Woche gewartet habe.

Es hat nicht an Karneval gelegen. Oder an Fasching oder Fastnacht, oder was immer davon für Sie dieses außerordentliche Ritual zwischen Winter und Ostern am treffendsten benennt. Es hatte vielleicht gar keine rationalen Gründe. Es war vielleicht nur dieses Gefühl, dass es sich lohnen würde zu warten. Um das Ganze mal wieder von einem anderen Blickwinkel aus zu sehen. Wobei sich immer die Frage stellt, ob der Blickwinkel wirklich jedes Mal ein größerer, ein höherer, ein weiserer und umfassenderer ist, ob er sich wirklich schrittweise einer wissenden Art Vogelperspektive annähert und immer mehr begriffen und überblickt wird - oder ob er, ganz im Gegenteil, immer tiefer in die Materie hineingeht und irgendwann alles aus der Mitte betrachtet, in all seiner Ungeordnetheit und Konfusion und vor allem in der Nähe, die es dann doch hat. Oder ob sie gar mehr und minder jedes Mal gleich weit weg ist, diese Position, von der aus man auf alles schaut, und nur von Zeit zu Zeit die Richtung eine andere ist. Worin läge denn der wahre Fortschritt? Eine Woche ist nicht lang.

Andererseits aber kann eine Woche natürlich immer entscheidend sein, immer. Wenn es um Klausuren geht, etwa. Nicht nur beim Schreiben, wo erfahrungsgemäß das richtige Lernen selten mehr als sieben Tage im Voraus in Angriff genommen wird. Auch bei der lieben Rückgabe.

Es hatte sofort große Aufruhe gegeben. Die zweite Strafrechtsklausur, für die meisten ein willkommener Verbesserungsversuch, für einige aber eben auch die zweite Chance zu bestehen, vier Wochen nach der ersten - in Ordnung. Ist ja nicht so, dass man nicht für beide ohnehin dasselbe lernen müsste. Die Ergebnisse der ersten aber erst am Tag vor oder gar am Tag der zweiten Klausur zu erfahren, kommenden Dienstagmorgen also - nicht so in Ordnung. Wir wollen ja wissen, woran wir sind. Worum es geht bei der zweiten Runde. Um ein, zwei Punkte, die in vier Jahren niemanden mehr kümmern, oder darum, wenn auch ein zweites Mal nicht bestanden würde, jetzt schon diesen einen ominösen "Joker" für die ersten sieben Trimester zu verspielen. Darum, das Ziel, das ja womöglich das berühmte "4 Gewinnt" übersteigt, schon erreicht zu haben und das ausnehmende Gefühl genießen zu können, eine Klausur ohne jeden Druck zu schreiben. Oder doch darum, noch etwas draufzupacken, um, was vor allem zu Anfang eines Studiums wie Jura für den Atem langfristig so wichtig sein kann, zufrieden zu sein.

Vor diesem Hintergrund wurde also umgehend auf den Korridoren zwischen den Vorlesungen und - wie sich das heute gehört, natürlich auch auf Facebook - agitiert, als es hieß, die Noten gebe es erst so kurz vor der zweiten Klausur zurück, dass man unmöglich sein Lernen auf sie einstellen könnte.

Und so wie ACTA erst einmal in die Untiefen einer "eingehenden Prüfung" abgeschoben wurde, so kam auch hier die Reaktion sofort. Rückgabe und Besprechung der Klausur am Dienstag vor der zweiten. Die Meldung machte vorletzten Freitag die Runde, ehe die Leute noch missmutig ins Karnevalwochenende gegangen wären. Realisiert sah sie sich am Dienstag darauf. (Man kommt ja durcheinander, wenn man mal auf zwei Wochen zurückschaut).

Andererseits zeigt sich da mal deutlich, wie alles ineinander übergreift. Was für eine Kontinuität in so einem Alltagsleben steckt. Alles, was passiert, spielt noch einmal eine Rolle, eines Tages. Was freilich nicht nur für Montag bis Freitag gilt, ganz und gar nicht.

Interessant ist bei den Strafrechtsklausuren allerdings noch, dass es auf einmal möglich ist, sie eine komplette Woche früher fertig korrigiert auszuhändigen. Sobald nur kollektiver Einspruch eingelegt wird. Es scheint ja nicht so schwer gewesen zu sein, im Endeffekt.

Bemerkenswert waren darüber hinaus absolut noch die beiden Schuldrecht-Sessions der Vorvorwoche. Nicht nur dass Herr Professor Nietsch es als schade empfand, am Donnerstag noch mit Krawatte vor uns stehen zu können ("In Hessen wird das nun mal leider nicht so hochgehalten"). Zudem deutete der § 827 BGB mit dem Titel "Ausschluss und Minderung der Verantwortlichkeit" mit seinen "geistigen Getränken" für viele eindrucksvoll aufs Wochenende voraus. Und Herr Professor Nietsch sprach - es ging um irgendeinen fieberhaften Streitstand - in einem dieser zivilrechttypischen Momente des Stirnrunzelns und/oder Augenbrauenhebens seitens der atemlosen Studenten, in deren verwunderte Gesichter er dabei sah, einen Satz, der mir danach noch eine Weile in den Ohren klang. "Ich kann Ihren Wunsch nach Orientierung verstehen", beteuerte er.

Was wir alle brauchen, aber nur wenige von uns haben, nicht wahr?

Jura ist und bleibt nun mal das Leben. So ein Studium ist und bleibt das Leben. Klar - das Leben an sich ist noch viel mehr. Aber all seine wesentlichen Teile sind wie das Leben selbst.

So wie das BGB aus Allgemeinem und Besonderem Teil besteht und das Schuldrecht als Teil des Besonderen Teils noch einmal seinerseits einen Allgemeinen und einen Besonderen Teil hat. Die Frage ist immer nur, was für eine Woche es gewesen ist, die den Blickwinkel verschoben hat.

Auch die beiden SLG-Feedback-Veranstaltungen der Donnerstagabende erweiterten durchaus die Sicht auf die Dinge. Vor der Zäsur des närrischen Treibens war es Herr Schmidt-Nentwig, der wie immer subsidiär zu etwaigen Fragen, die auch fleißig gestellt wurden, anhand eines anschaulichen Beispiels einen Tatbestand seiner Wahl mit uns auskundschaftete. Diesmal war es die Schlägerei. Wobei seine Schilderung ihres Normalfalls - eine Szene auf der Erbenheimer Kerb, auf der plötzlich ein paar Nordenstadter Jungs auftauchen - so eine Art Schilderung ist, die einem beim nächsten Mal, da man es mit § 231 zu tun hat, wieder vor Augen stehen wird. Und die man dann hoffentlich verbinden kann mit all dem strafrechtlichen Inhalt, mit dem er sie ausschmückte.

Und auch sieben Tage später blieb eine Handvoll trotziger Studenten an einem ohnehin langen Donnerstag noch ein bisschen länger. (Und ja, ich wehre mich gegen das politisch korrekte Monster "Studierende", zumal sich ja mit Berufung auf Haft - Fußnote folgt - feststellen lässt, dass das grammatische Geschlecht nichts mit dem tatsächlich zu tun hat). Nach Fastnacht war es der gute alte Sven Henseler, der zunächst kurz auf die letzten SLG-Aufgaben einging. Nach ihnen ist die Veranstaltung ja immer noch benannt. Aber erneut wurde schnell deutlich, dass es anderes gab, was auf der Studentenseele brannte. Sven stellte ausführlich den Theorienstreit um die actio libera in causa dar, der daran erinnerte, wieso Herr Professor Kment sich bei jeder Gelegenheit darüber zu beschweren pflegt, dass im Strafrecht ja sowieso alles nur umstritten sei. Und danach wurden Fragen querbeet beantwortet, auch nach offiziellem Schluss der Veranstaltung noch, und rundum lohnte sich das Ganze mal wieder.

Ob denn heute der neue Wochenrückblick endlich online käme, fragte Sven mich noch beim Rausgehen, da waren die Lichter im Foyer längst ausgegangen.

Da musste ich beichten, dass die letzte Woche als erste hier an der EBS keinen eigenen Rückblick bekommen hatte. "Dafür gibt’s Anfang nächster Woche wieder einen, dann quasi für beide", stellte ich in Aussicht. - "Dann ist ja gut", meinte Sven nur und ging.

Im Bus nach Hause schliefen daraufhin die Leute um einen herum unaufhaltsam ein. Woher auch immer sie kamen und wohin sie wollten, nach acht. Den Kopf an die großen, von außen mit Werbung verzierten Fensterscheiben gelehnt. Oder sie waren sogar längst schon eingeschlafen. Es war nicht genau auszumachen. So oder so wurde klar, dass es spät geworden war und man selbst noch immer nicht zuhause. Gut nur, dass Donnerstag Donnerstag ist. Oder wie das Programm im Kulturpalast donnerstagabends immer heißt: Morgen ist Freitag.

Zwischendurch gab es ein spektakuläres Wochenende. In erster Linie geprägt von der Erkenntnis, dass es auch Mitte Februar irgendwann morgens hell wird. Bei einer ganz anderen Form des Spät-nach-Hause-Kommens. So ging dann der Wochenrückblick drauf.

Am Rosenmontag herrschte dann eine eigenwillige Stimmung am Campus. Der an diesem Tag eher wie eine überspezialisierte private Berufsschule wirkte. (Andere Parameter für die Größe einer Bildungsinstitution sind mir auf die Schnelle nicht eingefallen). In der Schuldrechts-AG, mit dem Blick auf die Busse, fanden sich immerhin fünf Leute ein. Als ich zwei Minuten vor regulärem Beginn als erster den völlig verwaisten Raum betrat, war ich froh, als direkt nach mir wenigstens Frau Fündling kam. Und dann eben doch noch ein paar tapfere Kollegen.

In der Vorlesung bei Herrn Professor Haft waren es dann schon ganze vierzehn Leute geworden. Knapp vorbei an den mythischen fünfzig, die man mal als theoretische Größe unserer Vorlesungsgruppe 1 gehört hat. Eine Quote, die dem zwischenzeitlich lautgewordenen Plan, am Rosenmontag aus Protest geschlossen nicht aufzutauchen, nun mal Rechnung trug. Der letztlich eben doch nicht verwirklicht wurde. Zum einen aufgrund der berechtigten Skepsis, dass die Veranstaltungen an diesem Tag dann schlichtweg bei Gelegenheit "wiederholt" würden. Und zum anderen weil bei solchen Aktionen sowieso immer trotzdem irgendjemand kommt.

Von Vor- und Nachwirkungen des Wochenendes zwischendrin einmal abgesehen, waren es aber zwei typische Wochen inmitten so eines Trimesters. Mit Noten, mit studentischer Auflehnung gegen die Organisation, mit leidenschaftlichen Diskussionen bei den Grundrechten. Die zweite Woche dabei deutlich vollgepackter, von einer stattlichen Rechtsinformatik-Session abgeschlossen, die zumindest zeitlich auf zwei Tage zusammendrängte, was sich, vorsichtig dosiert, über ein ganzes Spring Term hätte verteilen lassen. Aber alles Absicht. Schließlich ist es nicht bei allem sinnvoll, es über Wochen immer wieder aufzunehmen. Bei allem spaced learning, das Herr Professor Demougin zu Recht predigt.

Und nun - Herr Gleichmann will schon den "Endspurt" sehen. So ist das ja ohnehin immer: Es gibt kaum einen Mittelteil. Aller Anfang ist schwer und lang. Und ehe man sich versieht, ist schon wieder das Ende in Sicht. Der Blickwinkel, wie hoch er auch sein mag, befasst sich nie so ausführlich mit der Gegenwart, wie sie es verdient hätte.

Bleibt noch Zeit für Grüße. Nach Frankreich zum Beispiel. Oder an den Korrektor, der sich der eigenen zweiten Strafrechtsklausur widmen wird. Seien Sie einfach gut gelaunt, wenn Sie sich die Arbeit vornehmen. Ist sowieso ein guter Rat.

Diesmal ist es gut, dass ich eine Woche gewartet habe.

Denn mittlerweile, ja mittlerweile scheint es Frühling geworden zu sein. Andere Zeit, andere Welt - es ist sowieso wieder alles wandelbarer denn je. Am Samstag ließ sich zum ersten Mal seit Oktober mal wieder Tischtennis spielen. Eines dieser Anzeichen.

Es ist nun wirklich, endlich ein Spring Term.

Zeit für zweite Chancen einmal mehr, nicht nur am Dienstagmorgen. Es kann immer besser werden.

Das zugrunde gelegt, wäre alles Warten Zeitverschwendung.

Aber es stimmt nun mal nicht.

Was das Eis uns gelehrt hat, war schließlich eben genau, dass manchmal auch Geduld erforderlich ist. Mehr, als lieb wäre.

Doch - warten Sie …

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