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Chinesisch für Anfänger - Part 2

Anfangs, und das werden meine Familie und Freunde bestätigen, stand es gar nicht so gut um die sino-derkumsche Annäherung. Keine Stunde nach meiner Ankunft wurde ich von einem freundlich grinsenden Taxifahrer gewaltig beschissen, als er lächelnd mit dem Finger bedeutete, dass der Highway geschlossen sei und er andersherum fahren müsse. Meine Augen folgten seinem Finger in einem großen Bogen und mir war klar: Das wird nicht günstig! Nach 24 Stunden im Flieger und an Flughäfen zwischen Hamburg ? Dubai ? Shanghai und mit Gepäck für ein halbes Jahr im Kofferraum, dachte ich mir: "Mach jetzt bloß keine Anstalten zu streiten und steig um Gottes Willen jetzt nicht hier in der Pampa aus!" Von daher habe ich mich meinem Schicksal ergeben. Und ich ahnte es bereits: Das sollte in den darauffolgenden Tagen und Wochen noch öfters passieren und auch der Gedanke "Hättest du Vollpfosten bloß mal die Sprache gelernt!" kam mir hier zum ersten, aber weiß Gott nicht zum letzten mal. Die kommenden Tage waren geprägt von Wohnungssuche, Akklimatisierung, Orientierung und Kulturschock. Ich erlebte etwas, dass eine befreundete Expat später als die berühmten "Shang-Highs und Shang-Lows" bezeichnete. Die Stadt war einfach atemberaubend und man taumelte nur so dadurch. Wobei man sich nicht immer bewusst war, ob das Taumeln durch die überwältigenden Eindrücke, oder doch eher durch die letzte Nacht irgendwo in der French Concession ausgelöst worden ist. Oder vielleicht durch beides.

Wenn man sich irgendwann damit abgefunden hat, dass nicht alles was der gemeine Chinese so tut unserem Verständnis nach Sinn macht ? dazu zählt zum Beispiel, sich in einem Pulk von Menschen vor die noch geschlossenen Türen der U-Bahn zu stellen, damit man auch ja als erster hineinstürmen kann, sobald sie sich öffnen um einen der begehrten Sitzplätze zu ergattern. Einziges Problem: Da wollen vorher noch Leute raus! Gerade zu Stoßzeiten gab es daher an den U-Bahnhöfen Chaos. Da musste zum Teil auch die Polizei eingreifen wenn mal wieder Frauen, Kinder und Alte die Treppen heruntergestoßen wurden. Sicherlich nicht mit Absicht, aber daran wurde mir zum ersten Mal deutlich wie sich eine Ein-Kind-Politik auswirkt, in der jeder Spross daheim wie ein kleiner Kaiser behandelt wird ? ein Umstand, der - und da braucht man kein Soziologe für zu sein - mit der vordergründigen Kollektiv-Mentalität irgendwie im Konflikt steht. Das Resultat: Jeder ist sich selbst der Nächste. Und so wird eben gerannt, geschubst und gedrängelt. Das erklärt auch irgendwie die Hektik in dem Land. Das und die Tatsache, dass sich die Chinesen innerhalb ihrer Landesgrenzen in einem Wettbewerb befinden zu scheinen, gegen den "the global competition" wie die Vorausscheidungen der Stadtmeisterschaften wirken. Da zählt nur, welchen Job man hat, wie viel man verdient und wie viele Designerprodukte man sich letzten Monat kaufen konnte. Was im übrigen erklärt, weshalb vor den Läden von Louis, Coco und Salvatore Heerschaaren von Chinesen stehen und drauf warten ihr hart erarbeitetes Geld über den Tresen schieben zu dürfen. Demonstrate high Value! Ein Ausdruck den mir ein Kommilitone in einem etwas anderen Zusammenhang beigebracht hat, der hier aber genau so zutrifft, wie ich finde. Es ist, als hätten sich die Chinesen diese Eigenart bei den benachbarten Japanern abgeguckt. Aber es liegt auch irgendwo Nahe, denke ich. Zum einen laufen in Shanghai eine Menge Expat(riots) herum, die mit ihrem Stil und Lebenswandel ein perfektes, erstrebenswertes (?) Vorbild für den jungen Chinesen bzw. die junge Chinesin abgeben ? in Punkto Ehrgeiz geben sich Mädels und Jungs dort überhaupt nix. Mir scheint es zum Teil sogar so, dass die jungen Damen ihre Ziele noch ehrgeiziger und unnachgiebiger verfolgen. Nicht umsonst geht das Gerücht um, dass in Shanghaier Ehen die Frauen die Finanzen regeln. Ob das nur in Shanghai so ist? Fest steht, dass die junge Generation in dem Land seit der Öffnung für den sogenannten Roten Kapitalismus in einem Wettstreit steht, wer das größte Stück vom Kuchen abbekommt. Am Ende des Tages eine ganz normale Reaktion, wie ich finde. Allerdings wird sich in den kommenden Jahren auch die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit stellen, wenn sie das nicht sogar schon tut. Um sich dieser Frage etwas anzunähern, muss man die junge Generation der Chinesen besser kennen lernen. Deshalb werde ich hier nächste Woche meine Erfahrungen im Bezug auf die chinesischen Kommilitonen mit euch teilen.

Chinesisch für Anfänger - Part 1

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